Recruiting Hacks – die Kunst der Überzeugung

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Recruiting Hacks – die Kunst der Überzeugung
Recruiting Hacks – die Kunst der Überzeugung

„Hacks“ kennen die meisten von uns wohl eher aus Nachrichten-Sendungen, die von kriminellen Hacker-Machenschaften berichten. Abgedunkelte Kellerräume, Hoodies, palettenweise Energydrinks – unser Bild wird von Klischees bestimmt. Aber so genannte Hacks gibt es auch im seriösen Business – und im Recruiting. Hier sprechen wir eher von „Life-Hacks“. Der Begriff meint Vorgänge, Prozesse oder Tätigkeiten, die bestehende Methoden und Lösungen aufgreifen und neu, kreativ weiterentwickeln. Das Ziel: Probleme lösen.

Ohne Internet leben? Kaum vorstellbar! Vor allem für Sourcer, aber inzwischen auch für Recruiter. Das Internet wird zum Lebensraum, und wir haben alle einen digitalen Fußabdruck. Den nutzen wir im Sourcing, um die Person und den Job mit der bestmöglichsten Passung zusammenzubringen. Dabei machen wir uns aber ab und an zu wenig Gedanken, mit welchen Tools und Methoden das geschieht – oder mit welchen Internet-Browsern. Doch genau das sollten wir. Unter Sourcern und Recruitern hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass zum Beispiel der Internet-Browser Chrome von Google nicht nur weit verbreitet, sondern eben auch für das Suchen und Finden von Kandidaten bestens geeignet ist. Aber warum ist das so?

Die Antwort lässt sich in den so genannten Extensions, sprich: Erweiterungen, des Browsers finden. Das sind Anwendungen (Apps), die im Chrome Web Store für den Chrome Explorer bereitgestellt werden. Mit diesen kleinen, aber sehr feinen Erweiterungen lassen sich Prozesse schneller und einfacher gestalten. Nehmen wir beispielsweise die Chrome Erweiterung Hiretual, die verschiedene Sourcing-Prozesse automatisiert bis hin zur dynamischen Erstellung von Boolean Strings. Das sind lange Such-Ketten, die die aktive Kandidaten-Suche im Netz effizienter machen. Oder RecruitMail: Eine einfache E-Mail-Erweiterung, mit der sich standardisierte, aber dennoch individualisierte Massenmails versenden lassen, inklusive Tracking versteht sich. Das ist eine gute Kommunikationsplattform für das Pipeline-Management, also um einen Kandidaten-Pool aufzubauen. Im Chrome Web Store gibt es massenhaft solcher Hacks für den Chrome Explorer. Ein Besuch lohnt sich – viel Spaß bei Life-Hack-Shopping!

Von innen nach außen.

Auch ein anderer Life-Hack beschäftigt sich mit dem Online-Leben von uns und unseren Zielgruppen. Egal welche Statistik man zur Nutzung von Apps und Netzwerken zu Hand nimmt: die Zahlen sind beeindruckend. Die altgedienten Platzhirsche können sich mehr schlecht als recht behaupten und die jungen, frischen Netzwerke versuchen, ihnen den Rang abzulaufen und sich zu etablieren. Um Netzwerke für Recruiting-Zwecke bewerten zu können bedarf es zweier aufeinanderfolgender Vorgänge: zerlegen und hacken. Zerlegen wir Netzwerke aus unserer Recruiting-Perspektive, dann versuchen wir einfach gesagt, das Netzwerk bis ins Detail zu verstehen. Und dann hacken wir es.

So geschehen in China, dem Land mit der längsten Mauer und der kürzesten Campus-Recruiting Zeitspanne: Robindro Ullah, heute Geschäftsführer von Trendence, reiste seinerzeit noch als Recruiting-Chef von Voith nach China, um die dortigen Kollegen in dieser Phase zu unterstützen. Was ihm auffiel: Alle benutzen nur eine App – WeChat. WeChat stellt ein Kommunikationsmittel zur Verfügung, das Chinesen offensichtlich lieben: Sticker. Ullah entwickelte daraufhin die Idee, karrierebezogene Voith-Sticker programmieren zu lassen und diese den Nutzern von WeChat zur Verfügung zu stellen. So wurde der Sticker „Xiao Fu“ geboren und in WeChat zum Download bereitgestellt – mit großem Erfolg. Mit „Xiao Fu“ hackte Voith WeChat gewissermaßen von innen heraus.

Die andere Seite der Macht.

Algorithmen beherrschen einen großen Teil der derzeitigen Innovationen im Recruiting. Kaum eine Software, eine Personalmarketing-Aktion oder ein Recruiting-Konzept scheint ohne einen Technologieansatz auszukommen. Algos gehören zum Recruiting dazu. Es gibt dabei auch Möglichkeiten, Recruiting-fremde Algorithmen einzuspannen. Das geschah zum Beispiel für die Kampagne „Helden der Zukunft“. Diese wurde für Voith Industrial Services (heute Leadec und Veltec) entwickelt: Eine Employer Branding Kampagne, die einen Content-Marketingansatz mit der Technik des Storytellings verbindet. Den Kern bilden sechs Geschichten, die zwar auf realen beruflichen Situationen beruhen, aber in einer fiktiven Handlung erzählt werden. Der Plot ist auf Unterhaltung und Mehrwert ausgelegt und der Call to Action führt den Leser zu der Brand und einer realen Stelle.

Diese sechs Heldengeschichten wurden in Form eines E-Books mit ISBN-Nummer veröffentlicht und auf allen gängigen Portalen zum kostenfreien Download bereitgestellt. Auch auf Amazon. Wir kennen alle die weltweit bekannten Algorithmen, die unser Einkaufserlebnis individualisieren, indem sie „passende“ Produkte vorschlagen. Genau diese Funktion war der entscheidende Hack dieser Kampagne. Mit der Funktion „Andere Kunden haben auch gekauft …“ hat Amazon automatisch unseren „Kundenkreis“ vergrößert, die Downloads stiegen an und die Kampagne bekam zielgerichtete Reichweite.

Voll daneben und doch authentisch.

The next big thing: Influencer im Personalmarketing. Das ist natürlich derzeit ein Hype-Thema – aber es funktioniert. Ein Beispiel: Geben Sie passenden Bloggern oder Influencern mit enormer Reichweite und Glaubwürdigkeit in ihrer Zielgruppe den Auftrag, einen Film über ihre Firma zu machen. Diese posten den Film – und schon sind sie bei Ihrer Zielgruppe im Gespräch. Allerdings erfordert das ein Umdenken bei Personalmarketern und Recruitern. Warum?

Wer einem selbstständigen Blogger oder Influencer einen Auftrag erteilt, muss damit leben können, dass dieser es genau in der Sprache und dem Stil tut, die seinen Blog, seine Videos oder Social-Media-Posts kennzeichnen. Das ist authentisch. Er oder sie wird sich nur begrenzt vorschreiben lassen, was er oder sie wie zu sagen hat. Der Hack den ich meine, nennt sich in diesem Fall: loslassen und vertrauen. Das ist wohl die schwierigste Aufgabe für viele Unternehmensvertreter. Nehmen wir als Beispiel die „Geld verdienen mit Edeka“-Aktion: Eine der gelungensten Influencer-Aktionen im Personalmarketing, sagen die einen. Andere wissen nicht, wohin mit Ihren Gefühlen. Diese reichen von entsetzt, über sprachlos bis geschockt.

Schauen wir uns die Aktion genauer an: Edeka
hat offensichtlich ganz genau ausgewählt, welche Zielgruppe angesprochen werden sollte und dazu die richtigen Influencer ausgewählt. Das ist Punkt 1. Punkt 2: Sie haben verstanden, wie Influencer arbeiten. Und das ist der zweite erfolgreiche Hack in diesem Ansatz: Dabei sind authentische Recruiting-Videos entstanden, die den erreichen, den Edeka ansprechen will: die Zielgruppe.

Ziemlich beste Freunde.

Das Recruiting-Business wird vielschichtiger und stellt heute mehr Anforderungen an die Recruiterinnen und Recruiter selbst. Somit müssen wir unsere eigene Workforce unter die Lupe nehmen – und optimieren. Augmented Recruiting ist einer der Ansätze, der die Richtung vorgibt. Wir erweitern unsere eigene Arbeitsleistung durch den Einsatz verschiedener Bots. Das sind automatisierte Programme, also Roboter, die selbstständig ablaufen. Wir hacken gewissermaßen unsere eigene Arbeitsweise und machen sie so effizienter.

Zum Beispiel, indem wir Prozesse automatisieren. Eine einfache aber höchst produktive App ist zum Beispiel „IFTTT“. Das Kürzel „IFTTT“ steht für „If this, then that“, auf Deutsch: „Wenn dies, dann das“. Die App bietet verschiedenste fertige und einsatzbereite Programmschnittstellen, die bei IFTTT „Rezepte“ genannt werden. Diese verbinden Online-Dienste und -Anwendungen miteinander und führen sie nach der Aktivierung vollautomatisiert aus. So können etwa RSS-Feeds automatisiert werden, also Datei-Formate die Änderungen auf anderen Websites wie News, Blogs oder Video-Logs anzeigen. Zum einen gibt es Rezepte, die die Verteilung eigener Inhalte automatisieren, andere Rezepte generieren E-Mails, wenn es neue Informationen für abonnierte RSS Feeds gibt.

Ein anderes Beispiel: Das Sammeln von Trends. Auch das gehört zum Geschäft von Personalmarketern und Recruitern. Dafür empfiehlt sich ein Rezept, dass auf Instagram bestimmte Hashtags einsammelt und automatisch in das eigene Evernote-Notizbuch speichert. Man braucht zwar einige Zeit, um in der umfangreichen Datenbank der Rezepte zu stöbern und sich eine eigene kleine Bot-Armee zusammenzustellen. Aber diese Zeit ist bestens investiert.

Egal ob technischer Hack oder einmal um die Personalmarketing-Ecke gedacht – ein Hack ist immer eine subtile Vorgehensweise, um Recruiting-Probleme zu lösen. Neue Hacks zu erfinden ist die Königsdisziplin und auch nicht immer notwendig. Es gibt wie wir gesehen haben bereits einige Lösungen, die das Recruiting und uns selbst verbessern.

Autor: Michael Witt

Michael Witt, selbstständiger Recruiting- und Personalmarketingberater, Stuttgart
Michael Witt war von Beginn seiner beruflichen Tätigkeit im Spannungsfeld zwischen Menschen und Arbeit tätig. In seinen beruflichen Stationen bei Voith Industrial Services (heute Leadec und Veltec) oder der Schwarz-Gruppe arbeitete er in leitenden Recruiting- und Personalmarketing-Funktionen, die sich mit allen Facetten des nationalen und internationalen Recruitings und Personalmarketings auseinandersetzten. Für seine Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet und gilt als einer der innovativen Köpfe der Szene. Zudem ist Witt Gründer des Recruiter-Slam und der HR Tec Night und arbeitet als Blogger, Podcaster und Buchautor. Als selbstständiger Berater unterstützt Witt heute Unternehmen bei der Recruiting- und Personalmarketingorganisation.

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