Mobile Recruiting: Über Sinn und Unsinn mobiler Job-Apps

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Foto von AllGo – An App For Plus Size People

„Warum so kompliziert? Intuitive,
nutzerfreundliche Bedienung geht anders.“


Pustekuchen! Während ich zwar noch die Telefonnummer von Herrn Keven Lindemann finde - den ich kontaktieren kann, wenn ich Fragen zur Stelle habe - so werden meine Bewerbungsbemühungen zumindest im ersten Moment leider mit Füßen getreten und die Job App ad absurdum geführt. Denn wie heißt es dort so schön: “Interessiert? Dann bewerben Sie sich bevorzugt unter der oben genannten Kennziffer (!) im Internet (!!!) unter www.eplus-gruppe.de/karriere“. Während ich noch die versteckte Kamera suchte, wird mir bewusst, dass dies KEIN Scherz ist. Erst nachdem man die Menütaste betätigt, poppen noch weitere Optionen auf. Hier lässt sich dann auch eine Bewerbung absenden. Warum so kompliziert? Intuitive, nutzerfreundliche Bedienung geht anders. Auch die unter dem Menüpunkt “Mehr” rätselhaft angekündigten Informationen bieten eines nicht – einen Mehrwert. Hier verbergen sich rudimentärste Informationen für die einzelnen Zielgruppen. Auch für Azubis. Wer hier nun aber das Nächstliegendste erwartet hat, nämliche Infos, in welchen Bereichen Schüler eine Ausbildung machen können (der also so naiv ist wie ich), schaut leider in die Röhre. Wir erinnern uns: Die jugendliche Zielgruppe nutzt das Smartphone zunehmend, um damit mobil ins Netz zu gehen. Also holen wir sie da doch ab. War das nicht der Gedanke einer solchen Job App? Oder habe ich da wieder etwas falsch verstanden? Ähnlich scheinen das auch viele andere Nutzer zu sehen, schaut man sich einmal die Bewertungen auf Google Play direkt an: “Nutzlos” überwiegt da.

Lesen Sie den vollständigen, kostenlosen Blogg-Beitrag unter:

http://personalmarketing2null.de/2012/07/03/mobile-recruiting-sinn-unsinn-mobiler-job-apps

JobConnect von E-Plus

Die Job-App von E-Plus hört auf den schönen Namen “Job Connect”. Öffnet man die Anwendung, “poppen” erst einmal abwechselnd die “Top Jobs” auf. Hm, die interessieren mich gerade (noch) nicht. Ferner habe ich die Möglichkeit eine Jobsuche nach den Kriterien "Standort", "Unternehmen", "Einstiegslevel" und "Geschäftsbereich" vorzunehmen. Diesen Suchfilter kann ich dann auch als Jobagent speichern. Bei der Suche an sich ist zu bemängeln, dass man jedes Mal, wenn man einen Filter festgelegt hat, zurück auf die Startsuchmaske muss. Bis man das allerdings raus hat, hat man die Job-App schon lange verflucht und deinstalliert. Intuitive Nutzerführung geht wahrlich anders! Nun sei es drum, irgendwann hat man es dann doch heraus gefunden und vielleicht sogar einen Job gefunden (der eigentliche Sinn und Zweck einer Job App – oder liege ich da sooo falsch?). Und dann will man was tun? Eine Bewerbung könnte man da durchaus mal ins Auge fassen …

„Um Job-Apps einzelner Unternehmen
ist eher schlecht bestellt.“

Wir stellen also fest: Ein Bewerber möchte ganz im Sinne eines “Candidatus Oeconomicus” auf dem schnellsten Wege zu den relevanten Informationen, respektive Stellenangeboten kommen. Kommt er dahin über Job-Apps von einzelnen Unternehmen?
Ich würde sagen, nein. Während es in meinen Augen also durchaus sinnvoll sein kann, Job Apps von Stepstone oder meinestadt zu installieren und darüber nach Jobs zu browsen, ist es für die Job-Apps von einzelnen Unternehmen eher schlecht bestellt. Ideal wäre nach Crosspro und dem Gedanken des ökonomischen Bewerbers ohnehin die Job App einer Meta-Suchmaschine. Und da gibt es derzeit nur die von indeed.

ABER – nähmen wir mal an, ich irrte mich (was durchaus möglich sein kann :-)) und die Vertreter der Gen Y hätten auf nichts anderes gewartet, als auf die mobile Jobsuche und das von möglichst vielen Unternehmen, damit man sich sein Smart- respektive iPhone mal so richtig schön zukleistern kann mit solchen Apps, dann wäre da ja noch die Frage nach dem Mehrwert respektive Nutzen dieser Apps. Da ich “leider”, wie ich oben schon schrieb, nur über ein Android-Handy verfüge, konnte ich nur solchen Apps aus Google Play auf den Zahn respektive auf den Touchscreen fühlen. Und da ich natürlich keine Kosten und Mühen scheue, die geneigte Leserschaft mit Informationen zu versorgen und Transparenz zu schaffen, habe ich die Apps von E-Plus, Tectum und Median einem Quickcheck unterzogen.

Was aber bringt jetzt so eine mobile Job App? Auch auf kununus fünftem Geburtstag haben wir lebhaft über das Thema diskutiert. Daher werde ich jetzt mal ein tollkühnes Experiment wagen: Ich versetze mich in die Rolle eines der Generation Y respektive Z-Zugehörigen - der, wie wir alle wissen, das Internet zunehmend rapide ersurft - und darüber hinaus werde ich in die Rolle eines Bewerbers schlüpfen. Folgendes werde ich tun: Ich werde mir jetzt alle greifbaren Job-Apps herunterladen, die es für Android gibt. Klar, Android. Ist doch naheliegend, dass es für das am meisten verbreitete mobile Betriebssystem auch die meisten Job-Apps gibt und nicht für diese überbewerteten zu Unrecht hoch gejubelten Apple-Produkte, oder? Abgesehen davon habe ich kein iPhone, ergo kann ich - selbst, wenn ich wollte - keine iPhone-App installieren. Also schauen wir mal, was da so geht … Telekom? Fehlanzeige! SMA? Fehlanzeige! Daimler? Fehlanzeige. Hm, das wird eng … E-Plus? Bingo! Tectum? Lottogewinn! Na, das ist doch schon mal was. Eine Suche im Appstore - hoppla, das heißt ja jetzt Google Play - fördert noch die Job Apps von Median (Kliniken) und und Robert Half (Personaldienstleistungen) zutage. Also gesucht, gefunden? Werde ich jetzt als Bewerber dahin gehen und mir jetzt jede Job-App von jedem Unternehmen installieren? Und dann regelmäßig nutzen? Wirklich? Welchen Mehrwert bieten mir diese Apps denn? Und warum setzen die Unternehmen eigentlich überwiegend auf iOS? Dürfen die anderen (die dazu in der Überzahl sind) nicht mobil nach Jobs surfen? Verprellt man da mal wieder eine wesentliche Zielgruppe?

Candidatus Oeconomicus

Versetzen Sie sich doch mal in die Lage eines Bewerbers! Der Mensch an sich - so haben wir gelernt - ist ein Homo Oeconomicus (zumindest in der Theorie). Er will also ökonomisch handeln, seinen Nutzen maximieren und ist im Idealfall vollständig informiert. Heißt nun für unsere Verhältnisse was? Wird er jetzt jede einzelne Stellenbörse konsultieren? Ruft er nacheinander Stepstone, Monster, Jobware, Stellenanzeigen etc. pp. hastenichtgesehen auf? Oder ist er nicht so clever und nutzt Meta-Suchmaschinen wie kimeta, icjobs, jobrapido, indeed, goodmonday und wie sie alle heißen? Da müssen wir nicht lange spekulieren, da schauen wir uns einfach mal an, was Crosspro-Research dazu sagt (Stand 2012): siehe Grafik 1.

Was haben Unternehmen wie E-Plus, Daimler, Telekom, Tectum und SMA Solar Technology gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel, das ist richtig. Hm, schauen wir mal … Da sind schon mal zwei Telekommunikations-Unternehmen. Und alle bis auf Tectum haben eine Karriere-Website. Ebenso haben alle eine Facebook-Karriereseite. Alle twittern. Und bis auf Tectum bloggen die sogar.

„Da simma dabei, dat is prima –
mobile Job Apps, Mobile Recruiting um jeden Preis?


Und alle haben eine mobile Job-App. Super, oder? Damit sind sie nicht alleine. Auch andere Unternehmen lassen sich derzeit so eine Job-App von findigen Agenturen und Beratern aufschwatzen (findig bezieht sich jetzt nicht unbedingt auf die Inhalte der App, eher für das Gespür, aus – sagen wir mal dezent – ausgeschiedenem Verdautem Geld zu machen). Und springen damit genau so unbedacht auf einen Zug auf, den sie bei Facebook Karriereseiten schon besteigen wollten. Auch hier ist der Wunsch nach mehr oder neuen Bewerbern Vater des Gedankens. Aber ist es nicht vielmehr der sportliche Ehrgeiz respektive der olympische Gedanke? Da simma dabei, dat is prima – mobile Job Apps, Mobile Recruiting um jeden Preis?