Mit integrativen Maßnahmen den Zusammenhalt stärken

Unter Beschäftigten ist die Bereitschaft zum Sport auf einem historischen Tief. Gleichzeitig ist das Angebot an gesundheitlichen Aktivitäten von Unternehmensseite während der Pandemie nicht merklich gewachsen. Ein Grund dafür ist die mangelnde Motivation, sich zum Sport aufzuraffen. Unternehmen müssen also gegensteuern. Welche Möglichkeiten bestehen, wieso es gerade jetzt Handlungsbedarf gibt und wie sich Sportmuffel doch begeistern lassen, möchte ich im folgenden Beitrag erklären.

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In diesem Jahr ist die Gartenarbeit das beliebteste Hobby der Deutschen: Einer Erhebung von Statista zufolge gehen 27,7% der Bevölkerung dieser Beschäftigung in ihrer Freizeit regelmäßig nach. In jeder Stunde Holz hacken, Rasen mähen; Beete umgraben oder Blumen schneiden verbrennen sie je nach Aufgabe zwischen 100 und 500 Kalorien und machen de facto ein grünes Fitnessprogramm. Ein wichtiger und nicht zu unterschätzender Faktor, der sich positiv auf Gesundheit auswirkt und auch zur Entspannung beiträgt. Denn im Laufe der letzten beiden Jahre hat die Bereitschaft Sport zu treiben allgemein abgenommen.[1] Diese Problematik sollte nicht an Arbeitgebern vorbeigehen, da diese aktuell mit höheren Fehltagen, einer wachsenden Tendenz zum Burnout und Kündigungswellen unter ihren Angestellten zu kämpfen haben. Dennoch hat sich das gesundheitliche Angebot seit der Pandemie dahingehend nicht merklich verändert und ist in manchen Unternehmen sogar rückläufig. Daher muss in den Organisationen ein Umdenken stattfinden, um Mitarbeitende für gesundheitliche Angebote zu begeistern und eine zufriedenere und leistungsfähigere Belegschaft, sowie generell ein besseres Arbeitsklima zu schaffen. Sonst drohen noch deutlich höhere Ausfalltage als in den Jahren zuvor.

Einfache Integration in den Alltag hilft gegen Motivationstief

Beschäftigte gaben noch vor der Schließung von Indoor-Sportanlagen und Fitnessstudios während der Lockdowns an, dass fehlende Motivation zum Training Hauptgrund für mangelnde Bewegung sei. Unternehmen können dahingehend auf Mitarbeitende eingehen und niedrigschwellige Angebote schaffen, die sich einfach in den Alltag integrieren lassen. Schrittzähler oder Tätigkeiten, die sowieso erledigt, aber nicht als sportliche Aktivität wahrgenommen werden, können ein geeigneter Einstieg sein, um Menschen für gesundheitliche Aktivitäten zu sensibilisieren. Wenn jede Art der Bewegung zählt, so zum Beispiel auch tägliche Schritte, Gartenarbeit oder Hausarbeit, ist der Beginn denkbar leicht und auch für Personen, die in der Vergangenheit wenig Sport gemacht haben, gut zu meistern. Unternehmen müssen ein so breit gefächertes Angebot anbieten, dass für jeden etwas dabei ist und man sich langsam steigern kann. Zusätzlich kann die Einteilung in Gruppen und ein damit einhergehender Wettbewerbsgedanke für das bisschen extra Motivation sorgen. Dabei geht es um ein freundschaftliches Miteinander mit gewissem Wettbewerbscharakter und nicht um ein wirkliches Gegeneinander. Am Ende müssen die Maßnahmen die Belegschaft zusammenbringen und allen Teilnehmer:innen ein Gefühl der Wertschätzung für die geleistete Aktivität vermitteln, um nachhaltig Motivation zur Bewegung zu schaffen.

Demografischer Wandel: Umdenken bei betrieblichen Gesundheitsmaßnahmen nötig

In Deutschland ist der Betriebssport seit Jahren auf dem Rückzug. Nur unter jüngeren und meist weiblichen Angestellten, finden Online-Angebote wie Yogakurse vermehrt Anklang. Bei den unter 40-Jährigen, die in der Pandemie mit angeleitetem Home-Training und Online-Sport begonnen haben, nutzen weiterhin etwa 40% digitale Sportmöglichkeiten. Anders sieht es bei älteren Mitarbeiter:innen aus. Diese nehmen digitale Angebote des Arbeitgebers deutlich seltener wahr. Für Unternehmen, die in Zukunft produktive älter werdende Mitarbeitende beschäftigen wollen, reichen daher sportliche Einzelmaßnahmen im digitalen Bereich nicht aus. Um Ausgrenzung vorzubeugen und eine breite Ansprache von der älteren Zielgruppen zu garantieren, sollte die Auswahl an Aktivitäten daher möglichst weit gefasst sein. Also sollten nicht nur Sportprogramme, sondern auch Module für Achtsamkeitstrainings oder zur Sensibilisierung für nachhaltiges Verhalten angeboten werden, welche Arbeitnehmer:innen ansprechen, die sonst aus dem digitalen Raster fallen würden. So können gesundheitliche Maßnahmen auch jenseits des Sports etabliert werden.

Passende Kommunikation & Führungsbereitschaft gefragt

Um Mitarbeitende langfristig von den Angeboten zu überzeugen, seien aus Unternehmenssicht einige Hygienefaktoren zu beachten. Zuerst gilt es, die richtige Ansprache zu finden. Es darf weder mit Druck noch mit Verpflichtung gearbeitet werden. Die Aktionen müssen immer freiwillig sein und wer nicht mitmachen möchte, muss dies auch nicht. Das muss immer deutlich kommuniziert werden, schließlich soll im Unternehmen eine positive Wahrnehmung gefördert werden, was nur auf freiwilliger Basis gelingen kann. Ein weiterer Punkt liegt in der Bereitschaft der Führungskräfte, die mit gutem Beispiel vorangehen müssen und zeigen, dass sie selbst auf ihre körperliche und seelische Gesundheit achten. So können Maßnahmen glaubwürdig vermittelt werden – wobei sogar ein bisschen Gartenarbeit helfen kann.