Sachsens Ministerin Christa will mit 3,9 Millionen Euro den Anteil weiblicher Führungskräfte in Unternehmen erhöhen. Gut so. Frauen im Topmanagement sind nach wie vor rar. Laut einer Studie der Europäischen Kommission in 2008, die den Frauenanteil in Top-Entscheidungspositionen der größten börsennotierten Unternehmen europäischer Länder vergleicht, platzieren sich deutsche Frauen mit 13 Prozent knapp über dem europäischen Durchschnitt (11 Prozent). Norwegen nimmt mit 41 Prozent den Spitzenplatz ein, gefolgt von Schweden mit 27 Prozent. Sind Männer doch die besseren Manager, oder weshalb gibt es so wenig Frauen in den oberen Etagen der Unternehmen? Die traditionellen Vorstellungen zur Rolle der Frau prägen auch das Weltbild, das Frau von sich selbst hat.  Dieses Bild wirkt sich noch durch unbewusste Vorurteile und Zuteilen von Eigenschaften und Fähigkeiten zum Nachteil der Frauen bis in die Unternehmen hinein aus. Hinzu kommt die Doppelbelastung von Familie und Beruf, die in einer bundesweiten Befragung von Führungskräften in Unternehmen und Wirtschaftsverbänden als Hauptursache für die schlechten Karrierechancen von Frauen angesehen wurde. Frauen wird im Beruf häufig weniger zugetraut, sie erhalten oftmals eine geringere Förderung als ihre männlichen Kollegen.

Dabei muss Mutter sein nicht Karriereverzicht  heißen. Laut der  Studie "Strukturelle Barrieren für Absolventinnen und Absolventen technisch-naturwissenschaftlicher Fächer im Beruf", die das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Jahr 2006 bei 9000 Absolventinnen der Technischen Universität Darmstadt durchführte, sind Mütter (knapp 40 Prozent) erfolgreicher als kinderlose Frauen (27 Prozent). Im Vergleich dazu haben es mit 61,8 Prozent berufstätige Väter  mit einer nicht berufstätigen Partnerin noch leichter, erfolgreicher zu sein als kinderlose Männer (34,4  Prozent).  An den Kindern kann es also nicht liegen. Im Gegenteil, Kinder scheinen eine Karriere durchaus zu beleben.  

Sind die Herren der Schöpfung die kühlen und besseren Zahlenmenschen, werden  Managerinnen mit mütterlicher Wärme schlicht  als Mutter Teresa eingestuft. Großes Herz, aber schlechte Zahlen. Studien sehen das anders, denn  eine in 2008 erneut aufgelegte McKinsey-Studie "Women Matters"  besagt, dass Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil im Vorstand im Vergleich zu solchen ohne weibliche Manager um 48 Prozent höhere Umsatzrenditen erwirtschaften. Und das amerikanische Gender-Forschungs- und Beratungsinstitut Catalyst ermittelte bei einer Analyse der 500 größten börsennotierten Unternehmen in den USA eine bis zu 53 Prozent höhere Eigenkapitalrendite bei Unternehmen mit Frauen an der Führungsspitze. Unternehmenserträge steigen bereits dann, wenn Frauen zum Vorstand gehören. Gemischte Führungsgremien erwirtschaften also nachweislich bessere Zahlen. „Es gibt so viele Studien, die belegen, dass “MixedLeadership“-Firmen unternehmerisch deutlich erfolgreicher arbeiten. Aber an der Spitze bewegt sich nichts!“, so die Initiatorin des Netzwerkes EWMD Gabriele Hantschel, Services Managerin IBM Deutschland GmbH und Vorstandsvorsitzende der Helga Stödter-Stiftung. Zum Erfolgsrezept der Frauen auf dem Weg zum Gewinn spielt zweifelsohne auch ihre soziale Kompetenz eine nicht unerhebliche Rolle. Hinter jeder Zahl stehen nämlich auch Menschen, also Kunden, Geschäftspartner und Mitarbeiter. Das berücksichtigen Männer dagegen beim Blick auf die eigene Profilierung oftmals nicht. 

Warum es keine oder nur wenige Frauen in den Chefetagen beschäftigt auch die Autoren  Barbara Bierach und Heiner Thorburg in ihrem Buch "Oben ohne", eine empfehlenswerte Lektüre:
www.ullsteinbuchverlage.de/econ/buch.php

man and woman laughing while sitting in front of laptops
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