Gernot Schuster, u.a. (Hrsg.): Executive Compensation. Rezension von Daniela Welle

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Foto von Dose Media

Insgesamt zwölf Autoren widmen sich in den vier Hauptabschnitten des vorliegenden Buches der komplexen Materie „Executive Compensation“. Zunächst geht es um personalwirtschaftliche Aspekte. Der Band bietet Begriffsdefi nitionen und beleuchtet jene Elemente, die in den meisten Gehaltsmodellen enthalten sind, nämlich Funktionsgehalt, Short- beziehungsweise Long-Term-Incentive, Deferred Compensation und Fringe Benefi ts. Schließlich beschreiben die Autoren, wie Unternehmen ein Modell bei vorheriger Feststellung der Marktüblichkeit implementieren können.

Der zweite Abschnitt durchleuchtet die arbeits- und gesellschaftsrechtlichen Aspekte der Executive Compensation sowie Möglichkeiten, die Angemessenheit von Vorstandsvergütungen zu prüfen. Im österreichischen Arbeitsrecht können Executives GmbH-Geschäftsführer, AG-Vorstandsmitglieder oder leitende Angestellte sein. Welche arbeitsrechtlichen Ausformungen kommen in Betracht? Welche Short-Term-Incentives (zum Beispiel Erfolgsbeteiligungen, Bonus- oder Prämienzahlungen), Long-Term-Incentives (zum Beispiel Stockoptions), Deferred Compensations (Betriebspensionen) und Fringe Benefi ts (Dienstwagen) gibt es? Was ist bei der Beendigung des Anstellungsvertrages zu beachten? Welches Organ in einer Gesellschaft entscheidet über die Vergütung von Führungskräften? Was sind die gesellschaftsrechtlichen Rahmenbedingungen für die Vergütung? Was ist der Corporate-Governance- Kodex? Auf all diese Fragen gibt das Buch fundierte Antworten. Weiters beschreibt der Band die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Gewährung von Stockoptions beziehungsweise Stock-Modellen. Die Sorgfaltspfl icht des Aufsichtsrates, die Gesamtvergütung als Bewertungsobjekt der Prüfung, Bewertungsmethoden und die notwendige Suche nach dem Vergleichsobjekt werden ausführlich dargestellt.

Im dritten Abschnitt geht es zunächst um das Thema Steueroptimierung. Hier seien die lohnabgabenrechtliche Behandlung von Prämien, Überstunden, Standardmodellen und speziellen Modellen von Long-Term-Incentives, Deferred Compensations und Beendigungsansprüchen sowie steueroptimale Vorteilszuwendungen (Reisen, Bonusmeilen, Sachbezüge oder Dienstnehmerdarlehen) erwähnt. Weiters erörtern die Autoren die steuerliche und bilanzielle Behandlung der Führungskräftevergütung sowie die Unterschiede zwischen UGB und IFRS. Ein weiteres Kapitel kreist um wichtige steuerliche Aspekte von Auslandsaktivitäten. Klassische Doppelbesteuerungsfragen wie Ansässigkeitsstaat, Methoden zur Vermeidung der Doppelbesteuerung, aber auch Spezialthemen wie zum Beispiel Mitarbeitergestellung oder Split Contracts werden kundig erläutert.

Der letzte Abschnitt befasst sich mit der Kommunikation von Executive Compensation. Einerseits geht es um die Rechtfertigung und das Stakeholder- Management, andererseits um den Umgang mit den Medien.

Meiner Meinung nach stellt dieses Buch eine gelungene und professionelle Annäherung an den wichtigen Themenkomplex Executive Compensation dar. Anzumerken ist, dass dieses Thema erstmals in Österreich in Buchform behandelt wird. Jeder, der mit der Vergütung von Spitzenführungskräften betraut ist, sollte es in seinem Regal stehen haben.

Leserprobe

Executive Compensation
Hrsg. von Gernot Schuster, Bernhard Gröhs und Christian Havranek
Linde Verlag 2008
192 Seiten, 38 Euro
ISBN 978-3-7073-1285-0
www.lindeverlag.at

„Executive Compensation“, die Vergütung von Spitzenführungskräften, ist in jüngster Zeit eines der in der öffentlichen Debatte am intensivsten diskutierten Themen. Was bedeuten „angemessene Bezüge“ in diesem Kontext? Müssen für die Art und Höhe der an Executives gezahlten Vergütungen (zusätzliche) gesetzliche Vorgaben geschaffen werden?

Der vorliegende Band begreift Executive Compensation als interdiziplinäre Themenstellung. Im Rahmen der Gestaltung neuer oder der Überprüfung bestehender Arbeitsverträge von Executives sind neben personalwirtschaftlichen Aspekten auch Fragen des Arbeits- und Gesellschaftsrechts zu lösen. Im Bereich des Aktienrechts ist besonderes Augenmerk auf die Definition des Begriffs der „Angemessenheit“ von Vorstandsvergütungen zu legen.

Aus dem Blickwinkel des Steuerrechts ist naturgemäß auf eine Optimierung der Auszahlungsbeträge für den Empfänger vor nationalem und internationalem Hintergrund sicherzustellen und gleichzeitig die Abzugsfähigkeit der Vergütungskomponenten als Betriebsausgaben zu gewährleisten. Nicht zuletzt durch die medialen Diskussionssysteme gewinnt das Element der unternehmensinternen und -externen Kommunikation einen wesentlichen Stellenwert.

Quelle: personal manager Ausgabe 4/2008

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