Die helle und die dunkle Seite von Konflikten

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Foto von Van Tay Media

Die meisten Menschen nehmen zwischenmenschliche Spannungsfelder wahr, wenn sie andere betreffen. Die eigenen Konflikte hingegen werden gern verharmlost oder gar verleugnet. Zu stark ist das negative Gefühl, wenn jemand zugeben muss, dass er oder sie nicht mit einer anderen Person oder einer Situation klarkommt. Schnell läuft man dann Gefahr, auf andere unsozial zu wirken oder fehlende Fähigkeiten in der Zusammenarbeit mit anderen zu haben. Teamfähigkeit ist eine Eigenschaft, die in unserer heutigen Arbeitsgesellschaft immer wichtiger wird. Hat jemand erst den Stempel ‚unfähig zur Teamarbeit‘, so neigen wir dazu, diesem Menschen alle Unzulänglichkeiten diesbezüglich anzulasten.

Dabei haben artikulierte Konflikte in der Regel auch positive Seiten. In diesem Artikel wollen wir uns mit drei konkreten Vorteilen beschäftigen, die ein Arbeitgeber hat, wenn Konflikte offen angesprochen werden:

1.      Es ist durchaus üblich, dass ein Problem nicht nur eine Person allein betrifft. Durch ein kollektives Verschweigen ist dabei niemanden wirklich gedient. Spricht ein Betroffener offen über die unangenehme Situation, so öffnet er auch für die anderen Beteiligten eine Tür zur Darstellung ihrer Sichtweisen zum Thema. Die emotionelle Last auf jeden Einzelnen mit ‚Ich bin der einzige, der damit ein Problem hat.‘ wird zu einem gemeinsamen Problem ‚Wir sind mit der aktuellen Situation unglücklich.‘ Die Chance auf gemeinsame Lösungen wird dadurch deutlich größer.

2.      Manchmal sind Veränderungen von Arbeitsaufgaben arbeitsbedingt notwendig und sinnvoll. Menschen, die mit Ihrer aktuellen Situation zufrieden sind, wollen sich aber nicht verändern. Sind dann individuelle Interessen mit Firmeninteressen nicht vereinbar, so treten zwangsläufig Konflikte auf. Können diese Unterschiede offen diskutiert werden, so ist es einfacher, notwendige Veränderungen so zu gestalten, dass sie von den betroffenen Personen akzeptiert werden können. Bei einer fehlenden Gesprächsbasis erleben sie eher die demotivierende Seite der Änderungen, die ‚von oben herab‘ angeordnet werden.

3.      Spannungsfelder können Kreativität fördern. Widersprüche regen zur Weiterentwicklung an, Einheitsmeinungen hingegen können nur Einheitslösungen hervorbringen. Der engagierte Umgang mit unterschiedlichen Einstellungen und Werthaltungen bringt neue Anregungen und Ideen in unsere Arbeit. Nachhaltige Innovationen brauchen offen diskutierte Konflikte, damit unterschiedliche Aspekte einfließen können.

Erkennen Führungskräfte auch das positive Potenzial von Konflikten, so versuchen sie nicht automatisch, jedem Streit aus dem Weg zu gehen. Sie analysieren dessen Hintergründe und erforschen dessen Ursachen. Sie erkennen, wann Beteiligte selbst in der Lage sind, anstehende Probleme zu lösen und organisieren im Bedarfsfall professionelle Unterstützung. So vermeiden sie unnötige persönliche Kränkungen und nutzen die Dynamik von Konflikten zur besseren Realisierung von gesetzten Zielen.

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