Zur Einleitung zum Gravesmodell folgen Sie diesem Link.

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Foto von Annie Spratt

Im Gravesmodell bilden die gruppenorientierten Werteebenen 2,4,6,8 den Zusammenhalt einer Gesellschaft bzw. Unternehmenskultur und die individuumsorientierten Werteebenen 1,3,5,7 den Freiheitsgrad des Individuums innerhalb dieser Gesellschaft bzw. Unternehmenskultur.

Die elementarste Form des Zusammenhalts ist die Graves2-Stammeszugehörigkeit, z.B. „Ich bin ein Berliner, ich bin ein Kärntner, ich bin ein IBM’ler, etc.“. Auf der Graves4-Ebene wird der Zusammenhalt durch starke Organisationsstrukturen intensiviert, durch klare Gesetze und gerechte Spielregeln im Zusammenleben. Hier bringt sich der Einzelne mit seiner Kraft (Graves3) in das Ganze ein. Er ordnet sich in die Hierarchie des Staates bzw. der Unternehmensführung ein und akzeptiert deren gesetzgebende Autorität. Auf der humanistischen Graves6-Ebene wird der Zusammenhalt im wesentlichen durch die gute Beziehungsqualität, die soziale Vernetzung und das daraus resultierende, harmonische Gruppen-Wir-Gefühl gebildet.

Jede Variante dieses Zusammenhalts benötigt eine bestimmte Ausdruckform der Freiheit, damit sich der Freiheitsgrad und der Handlungsspielraum des Individuums wieder erhöht. Auf der Graves3-Ebene befreit sich der Mensch mit dem Ellenbogen aus den engen Bindungen der Stammeszugehörigkeit, vergleichbar der Sturm und Drang-Phase eines pubertierenden Jugendlichen. Gelingt dieser Übergang, bildet sich ein Individuum mit einer grundsätzlichen Ich-Stärke. Auf der Graves5-Ebene kommt der Einzelne durch intelligentes Vorgehen zu Erfolg und Wohlstand und damit zu einer finanziellen Freiheit. Auf der Graves7-Ebene gewinnt der Einzelne Unabhängigkeit von dem subtilen Gruppenzwang der Graves6-Wir-Ebene. Durch diese geistige Freiheit kann der Einzelne lernen, sich weiter zu entwickeln und sich selbst zu verwirklichen.

Soweit die Theorie. Betrachten wir jetzt – aus aktuellem Anlass – den Übergang von einem diktatorisch-autoritären System zu einer marktwirtschaftlich gelebten Demokratie. In einem diktatorisch-autoritären System ist die machtorientierte Graves3-„Cowboy“-Ebene die stärkste Werteebene. Die zweitstärkste Ebene ist entweder die Graves2-Stammeszugehörigkeit, oder eine ungesunde Graves4-Ebene, die funktionalisiert wird, um eine öffentliche Ordnung herzustellen. Durch diese Graves2- und Graves4-Ebenen wird ein diktatorisch-autoritäres System zusammengehalten. Der Freiheitsgrad des Diktatoren-Clans und seines Machtapparats ist maximal und der Freiheitsgrad des Volkes ist minimal. Ein diktatorisch-autoritäres System wird revolutionär gesprengt, wenn die Graves3-Kraft des Volkes explodiert. Eine Gesellschaft mit Jugendüberschuss (engl.Youth bulge) hat starke Graves3-Kräfte. Wenn weit mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter 25 Jahren alt ist, dann kann man nur über breites Wirtschaftswachstum diese Graves3-Kraft kanalisieren. Wirtschaftswachstum, d.h. eine starke Graves5-Ebene, kann aber nur auf der Rechtsstaatlichkeit einer starken und gesunden Graves4-Ebene aufgebaut werden. Durch die Rigidität des diktatorisch-autoritären Systems kann man der Masse der jungen Menschen damit keine attraktive Zukunft geben. Mit der Graves6-Ebene finden jungen Menschen eine neue Form des Zusammenhalts, in Form von Gruppen-Wir-Gefühl, sozialen Netzen und Social Media. Damit ist Facebook, Twitter & Co nicht die Ursache, aber der nötige Katalysator für eine Revolution, durch die diktatorische Machthaber vertrieben und deren Machtapparate aufgelöst werden. Nach einer Revolution liegt die größte Herausforderung im Aufbau von

1. Recht und Ordnung, d.h. Rechtsstaatlichkeit (gesunde Graves4-Ebene)
2. Wirtschaftswachstum (gesunde Graves5-Ebene)
3. Gleichberechtigung, Demokratisierung und soziale Sicherungssysteme (gesunde Graves6-Ebene)

Dabei ist natürlich der kulturelle Reifungsgrad der jeweiligen Kultur zu beachten, der die Möglichkeiten bestimmt bzw. definiert wo Neuland liegt oder wo auf kulturelle Erfahrungen aufgebaut werden kann.
Was wir auf staatlicher Ebene sehen, kann man mit Hilfe des Graves-Modells leicht auf die Ebene der Unternehmenskultur übertragen. Unternehmen mit ausgeprägten, autoritären Strukturen haben es in der immer dynamischer werdenden Weltwirtschaft schwer. Besonders große, international agierende Systeme benötigen eine gesunde Unternehmenskultur, wo Zusammenhalt und Freiheit auf allen Ebenen gut ausgebildet ist. Das Zusammenspiel der Graves5,6,7-Ebenen macht aus einem Unternehmen eine lernende Organisation und erzeugt dadurch die nötige Flexibilität und Zukunftsfähigkeit.

Mehr Info’s zum Gravesmodell auch im Buch: “Neue Wege im Recruiting: Mehr Effektivität mit Gravesmodell und Metaprogrammen. Ein praxisorientiertes Handbuch” – http://www.ecruiting.at/buch