long table with Eiffel chair inside room
Foto von Pawel Chu
Die besinnlichste Zeit des Jahres ist für viele Menschen eine bedrückende Zeit und nicht ein Freudenfest. Denn beim Familienfest am 24. oder 25. Dezember gilt nur ein Motto: Weihnachten muss um himmels (und der lieben Eltern) willen perfekt werden: Das stimmungsvollste Fest, das exklusivste Essen und die herzlichste Stimmung sollen hingezaubert werden. Wenn irgendetwas nicht annähernd perfekt wird, droht schlechte Laune, Stress oder gar Streit. Aber da sind ja noch die vielen Geschenke. Schließlich will man den anderen die eigene Liebe zeigen. Für viele andere Menschen ist die besinnliche Zeit die schwierigste Zeit des Jahres – vor allem, wenn sie diese Zeit alleine verbringen müssen. Ist diese Weihnachtszeit nicht unglaublich besinnlich? Wenn vor den Häusern die rosa und blau leuchtenden Plastik-Rentiere vor sich hin blinken. Oder man an einem 24. Dezember ein großes Kaufhaus betritt. Da ist nichts mit leise und still. Und starr ruht da auch niemand. Stress, Hektik und – kurz vor Ladenschluss – kann man die Panik in den Augen der Menschen sehen. Man muss noch Geschenke haben. Egal was. Da werden Duschsets beworben, die bereits feierlich mit einer schönen, roten Schleife eingepackt sind. Gekauft. Und dann noch eine Wärmflasche mit einem niedlichen regenbogenfarbigen Einhorn darauf. Da wird sich die Kleine (oder Große) bestimmt sehr darüber freuen. Hauptsache, die Geschenke kommen von Herzen. Jeder von uns hat die Möglichkeit, sich in dieser besinnlichen Zeit auf Wesentliches zu besinnen. Sich Gedanken zu machen, was wichtig ist und was wirklich zählt im Leben. Nicht Geschenke und schon gar nicht weihnachtlich vorverpackte Duschsets. Was wirklich zählt, sind Momente im Leben. Menschen. Gespräche. Erlebnisse. Warum schenken wir nicht Zeitgutscheine? Zeit ist das Kostbarste, was wir jemandem schenken können. Tiefsinnige Gespräche, ohne das Smartphone in der Hand halten zu müssen. Gemeinsam kochen, ohne Anspruch auf Perfektion. Und dem Partner oder der Partnerin erzählen, was man an ihm oder ihr jeden Tag liebt, bewundert und genießt. Solche Geschenke gehen nach innen und perlen nicht auf der Haut ab wie ein Duschset. Wenn wir diese besinnliche Weihnachtszeit nutzen, um uns darauf zu besinnen, um was es wirklich geht im Leben, in einer Partnerschaft, in der Rolle als Eltern, Freund, Kollege und Mensch, kann diese Zeit wirklich etwas bewirken und unser Leben immer wieder neu besinnen. Was wir dazutun können? Wenn wir am 24. Dezember wirklich in einem Warenhaus stehen: Lächeln! Lächeln wir die Menschen um uns herum ebenso an wie die Verkäuferin, die den ganzen Tag mit sehr gestressten Zeitgenossen zu tun hat. Oder noch besser: Bleiben wir am 24. Dezember zu Hause. Bei den Menschen, die wir lieben. Schreiben wir eine handgeschriebene Karte an eine Person, die gerade nicht auf der Sonnenseite des Lebens steht. Und wenn wir den Sinn von Weihnachten wirklich leben wollen: Laden wir diese Person an Weihnachten zu uns ein. Zwischen Weihnachten und Neujahr bleibt dann bestimmt noch etwas Zeit, um über das eigene Leben nachzudenken. Darüber zu sinnieren, was von unserem Leben noch wirklich uns gehört und was wir vielleicht verändern möchten. Ein Ziel im neuen Jahr könnte ja sein, jeden einzelnen Tag bewusster und mit etwas mehr Sinn zu erleben.

Besinnen wir uns also nicht nur zu Weihnachten. Besinnen wir unser Leben. Fröhliche Weihnachten.