Als Hauptansprechpartner für den Berufseinstieg nennen 71 Prozent die eigenen Eltern, 23 Prozent Freunde und Verwandte. Insgesamt haben 235 Teilnehmer und Absolventen des Programms der Junior Management School an einer Befragung teilgenommen, was einer Rücklaufquote von 66 Prozent entspricht. Abgefragt wurden Vorstellungen vom Berufsleben wie Erwartungen an Arbeitgeber. Mehrfachnennungen waren möglich.

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Foto von Carl Heyerdahl

Auffällig ist, dass Lehrer und Unternehmen mit sechs und acht Prozent verhältnismäßig selten als Ansprechpartner genannt werden. Schüler nutzen bis dato demnach hauptsächlich Quellen, zu denen sie ein persönliches, vertrauensvolles Verhältnis pflegen. So formt sich dann auch der Plan, wie es allgemein nach der Schule weitergehen soll. Ein Großteil der Gymnasiasten strebt einen universitären (76 Prozent) oder einen dualen Studiengang (28 Prozent) an. Dabei ist die Zahl der weiblichen Teilnehmer, die ihre Zukunft in einem regulären Studium sehen (81 Prozent) höher als die der männlichen (72 Prozent).

Bei den Gründen für ein reguläres Studium geben 50 Prozent der Befragten an, sich durch die höhere Qualifizierung bessere Gehaltsaussichten in der Zukunft zu verschaffen, 20 Prozent halten ein theoretisch fundiertes Grundwissen für sehr wichtig, wobei männliche Jugendliche den Gehaltsaspekt höher einschätzen als weibliche (53 zu 46 Prozent). Auffällig ist, dass die Nachfrage nach einer regulären Ausbildung bei den Schülern der Klasse 10 bis 13 mit elf Prozent verhältnismäßig gering ausfällt.

Die Interessenvielfalt ist groß, doch stechen Banken/Versicherungen (41 Prozent) und Medien (33 Prozent) in den Nennungen hervor. Die nähere Betrachtung zeigt allerdings deutliche Unterschiede zwischen Schülern und Schülerinnen. Junge Frauen hegen ein überdurchschnittliches Interesse an den Medien (47 Prozent), an Hotel und Tourismus (29 Prozent) sowie Gesundheit, während Männer besonders Banken und Versicherungen (43 Prozent) sowie die Industrie (33 Prozent) für die berufliche Zukunft ins Auge gefasst haben.

Besorgnis und Ängste empfinden die Jugendlichen, wenn sie an eine grundsätzlich falsche Berufsentscheidung (63 Prozent) denken, an ein schlechtes Arbeitsklima (25 Prozent), die geografische Trennung von Freunden und Familie (20 Prozent) sowie daran, Aufgaben übernehmen zu müssen, die den eigenen Werten widersprechen (16 Prozent). Junge Frauen messen dem Punkt „schlechtes Arbeitsklima“ eine höhere Bedeutung (31 Prozent) bei als Männer, die wiederum häufiger die räumliche Trennung fürchten (23 Prozent).

Gleichzeitig sprühen die jungen Menschen vor Tatendrang. Auf die Frage „Wenn Du an deinen Berufsalltag denkst, auf welchen Aspekt freust Du dich am meisten?“ wollen sich 37 Prozent persönlich weiterentwickeln, 29 Prozent etwas bewegen und 25 Prozent etwas Eigenes schaffen. Während für 60 Prozent der jungen Männer entscheidend ist, eigenes Geld zu verdienen, nannten die meisten jungen Frauen die persönliche Weiterentwicklung (43 Prozent).

Nichtmonetäre Anreize

Zur Dauerdiskussion um die monetären Anreize trägt die jMS-Studie bei, dass nur 15 Prozent der Befragten „hohe Gehälter“ und 20 Prozent „angemessene Gehälter“ als konkrete Erwartung an Arbeitgeber haben. Stellt man die Prozentzahlen von 53 Prozent für die Auswahlkriterien „Perspektiven/ spannende Aufgaben“ und 40 Prozent für „gutes Arbeitsklima“ dagegen, spielt die Höhe des Gehaltes eine untergeordnete Rolle. (Abb. 1)

Abb.1: Das erwarten Schüler und Schülerinnen von den Branchen

Das entscheidende Kriterium für die Arbeitergeberwahl sind zu 40 Prozent die Entwicklungsmöglichkeiten im Unternehmen und zu jeweils 22 Prozent die Branche des Unternehmens sowie das Aufgabengebiet. Das Gehalt nennen hier lediglich sechs Prozent der Befragten: Auch Firmengröße, Image und Standort werden äußerst selten als ausschlaggebendes Kriterium angesehen (bis drei Prozent). Schüler, die ein duales Studium anstreben, haben mit 48 Prozent überdurchschnittlich hohe Erwartungen an Entwicklungsmöglichkeiten.

Ebenso wichtig wie die positiven Erwartungen der Schüler und die Kriterien für einen Einstieg in ein Unternehmen ist die Frage danach, wann Unternehmen von der Auswahlliste gestrichen werden: 57 Prozent nennen aktuelle Skandale und vermutete illegale Aktivitäten, weitere 21 Prozent geben ein negatives Image an. Bei weiblichen Befragten steigt der erste der beiden Werte gar auf 74 Prozent. (Abb. 2)

Abb. 2: Das nimmt Schüler und Schülerinnen gegen Unternehmenein

Konzerne sind in der Gruppe künftiger Mitarbeiter noch besser angesehen als mittelständische Unternehmen. Sie punkten an erster Stelle mit der Annahme, es gäbe bessere Perspektiven und Chancen (69 Prozent) sowie eine stärkere Internationalität (67 Prozent). Wechselnde Aufgaben erwarten nur 39 Prozent der Jugendlichen und eine größere Sicherheit sogar nur 26 Prozent. Kleine Unternehmen bieten in der Wahrnehmung der Schüler ein besseres Arbeitsklima (59 Prozent) und einen größeren Kollegenkreis (36 Prozent), zu dem sie unmittelbaren, also direkten Kontakt pflegen.

Die befragten Schüler der Klassen 10 bis 13, die durch die jMS-Projekte wirtschaftliche Vorkenntnisse haben, informieren sich schon jetzt über die Arbeitgeber in spe – insbesondere im Internet (47 Prozent), bei Studien- und Berufsmessen (45 Prozent) und in Zeitschriften (42 Prozent). Verschiedene Angebote der Schule werden hingegen von nur einem knappen Viertel der Befragten genutzt. Bemerkenswert ist zudem, dass etwa ein Fünftel der Schüler angibt, „alles auf sich zukommen zu lassen“ und (noch) keine aktive Suche betreibt. Letzteres trifft in höherem Maße auf Männer als auf Frauen zu.

58 Prozent der Schülerinnen und 55 Prozent der Schüler haben das ambitionierte Ziel, sich in zehn Jahren in einem Angestelltenverhältnis und in einer leitenden Position zu befinden. Lediglich 12 Prozent der jungen Männer und sieben Prozent der jungen Frauen sehen sich in einem Angestelltenverhältnis ohne Leitungsfunktion. Immerhin knapp ein Fünftel der männlichen und 22 Prozent der weiblichen Befragten möchten unternehmerisch tätig werden und stellen sich eine selbstständige oder freiberufliche Tätigkeit vor.

Ausblick

Es gibt sie also, die motivierten und ehrgeizigen Jugendlichen, die so wichtig für die erfolgreiche Zukunft von Unternehmen und deren nachhaltige Entwicklung sind. Und sie sind auf der Suche nach einer Zukunft in Unternehmen, die für sie in erster Linie persönliche Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten bereit hält und erst nachgeordnet ein hohes Gehalt.

Die Umfrage zeigt aber auch, dass sich die Jugendlichen oftmals nicht ausreichend informiert fühlen, über das, was Unternehmen ihnen anbieten können und wie die berufliche Zukunft aussehen könnte. Der Wunsch, in diesen Fragen der beruflichen Orientierung Unterstützung mit einem starken persönlichen Charakter zu erhalten, ist in dieser Zielgruppe flächendeckend vorhanden, da sich gerade in diesem Alter die grundlegenden Vorstellungen der beruflichen Zukunft herausbilden.

Quelle: PERSONAL - Heft 07-08/2009