Onboarding zum Anfassen und ein Willkommen, das bleibt!

Fachkräftemangel hin oder her: Viele HR-Abteilungen verlieren junge Talente ausgerechnet dort, wo sie sie eigentlich binden müssten: beim Onboarding. Neue Mitarbeitende ziehen sich innerlich zurück, weil der Einstieg lieblos oder schlicht egal wirkt. Dabei wäre genau hier der Moment, um ein klares Signal zu senden. Eine neue, strategisch gedachte Geschenkekultur kann mehr sein als eine nette Geste, sagt Gastautor Oriol Badia, Experte für Mitarbeiter-Benefits und Mitgründer von Gift Campaign.

HR-Teams zerbrechen sich den Kopf darüber, wie sie junge Talente entwickeln und bei Laune halten. Führungskräftetrainings und Karrierepfade – alles steht auf der Agenda. Und trotzdem scheitert die Bindung im Alltag oft an einer simplen Frage: Fühlt sich unsere Wertschätzung eigentlich echt an?

Denn Motivation entsteht nicht nur im Jahresgespräch oder auf der PowerPoint-Folie, sondern in den Momenten am Anfang und dazwischen. Genau dort verschenken viele Organisationen Potenzial, weil bewusst gesetzte Gesten zwar Wirkung zeigen, aber kaum strategisch genutzt werden.

Mitarbeitende schwanken zwischen stabiler Zufriedenheit und wachsender Distanz

Die Datenlage zeigt zunächst ein positives Bild. Laut dem arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft wiesen 2022 rund 48 Prozent der Beschäftigten eine hohe und 49 Prozent eine mittlere Arbeitszufriedenheit auf. Gleichzeitig fühlen sich viele Menschen engagiert und ihrem Arbeitgeber verbunden. Dennoch berichten Unternehmen zunehmend von sinkender Loyalität und höherer Wechselbereitschaft. Dies ist insbesondere bei jüngeren Mitarbeitenden der Fall.

Wertschätzung wird zwar häufig betont, aber nicht immer konsequent gelebt. Gerade in Phasen, in denen Beziehungen entstehen oder gefestigt werden müssten, bleibt sie oft abstrakt.

Onboarding als wohl kritischster Moment der Bindung

Besonders sichtbar wird das beim Onboarding. Die ersten Tage und Wochen entscheiden darüber, ob neue Mitarbeitende Orientierung finden, Anschluss erleben und Vertrauen aufbauen oder innerlich bereits schnell wieder auf dem Absprung sind. Viele Unternehmen und HR-Teams haben ihre Prozesse dahingehend professionalisiert mit klaren Abläufen, Verantwortlichkeiten, Feedbackschleifen und digitaler Unterstützung.

Doch die emotionale Komponente des Ankommens ist unterbelichtet. Denn neue Mitarbeitende brauchen nicht nur Informationen, sondern auch Signale, dass sie willkommen sind. Fehlen diese, entsteht schnell Distanz, selbst wenn die formalen Prozesse stimmen.

Die Rolle kleiner Gesten im organisationalen Alltag

In diesem Kontext gewinnen gut gewählte Gesten an Bedeutung. Sie ersetzen keine strukturierten Onboarding-Prozesse, ergänzen sie aber um eine Dimension, die sich nicht standardisieren lässt: persönliche Aufmerksamkeit und echte Erlebnisse.

Nicht bloß symbolische Nettigkeiten wie ein Blumenstrauß oder ein Willkommensgruß sind entscheidend, sondern durchdachte Signale. Eine hochwertige, personalisierte Erstausstattung – vom gebrandeten Hoodie über eine individuell bedruckte Thermoflasche bis hin zu Technik, die im Alltag wirklich genutzt wird – macht Zugehörigkeit erlebbar und sendet eine klare Botschaft: Wir haben uns auf dich eingestellt.

Diese Dinge begleiten neue Mitarbeitende nicht nur im Büro, sondern auch im Homeoffice und darüber hinaus. Gerade in hybriden Arbeitsumgebungen, in denen spontane Begegnungen fehlen, schaffen sie greifbare Anknüpfungspunkte und stärken früh die Identifikation. Wertschätzung wird so nicht erklärt, sondern sichtbar und bleibt präsent, lange über den ersten Arbeitstag hinaus.

Geschenkkultur als Teil einer professionellen HR-Praxis

Eine reflektierte Geschenkkultur ist kein Marketinginstrument, sondern ein Baustein moderner Personal- und Organisationsarbeit. Sie unterstützt HR dabei, wichtige Übergänge bewusst zu gestalten – vom ersten Arbeitstag über Projektstarts bis hin zu besonderen Teammomenten. Entscheidend ist nicht der materielle Wert, sondern die Passung: Die Geste sollte zur Kultur, zur Zielgruppe und zur Situation passen.

Unternehmen, die diesen Ansatz verankern, schaffen eine Form der Wertschätzung, die im Alltag spürbar wird. Und sie stärken damit genau das, was viele Organisationen heute brauchen: Bindung, Zugehörigkeit und ein positives Erleben der eigenen Arbeitsumgebung.

Zum Autor

Oriol Badia ist Experte für Mitarbeiter-Benefits. Als Mitgründer verantwortet er die Bereiche IT und Marketing bei Gift Campaign, einem 2014 gegründeten europäischen E-Commerce-Unternehmen für individuelle Werbeartikel und einem Produktsortiment von mehr als 25.000 Produkten.

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