Mit einem „Jetzt sei mal motivierter“ lassen sich Mitarbeiter wohl kaum zu mehr Engagement und Motivation antreiben. Dabei entscheidet aber gerade eine gute Personalführung darüber, ob Mitarbeiter nun motiviert oder demomotiviert ihrer Arbeit nachgehen, ist sich Marco Nink, Strategic Consultant bei Gallup sicher. Laut der Anfang des Jahres veröffentlichten Studie der Beratungsfirma Gallup* haben neun von zehn Beschäftigten in Deutschland kaum Bezug zu ihrem Unternehmen. 67 Prozent der Arbeitnehmer sind nur gering an ihre Firma gebunden und machen bestenfalls Dienst nach Vorschrift. 20 Prozent haben sogar innerlich bereits gekündigt. Bleiben 13 Prozent der Beschäftigten, die sich laut Umfrage ihrem Unternehmen gegenüber verpflichtet fühlen und sich auch entsprechend engagieren. Beschäftigte mit geringer emotionaler Bindung kommen auf zwei bis vier Fehltage mehr im Jahr als emotional hoch gebundene Mitarbeiter. Laut Ninks Auffassung hat das Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der Unternehmen. So hat ein Unternehmen mit 1000 Mitarbeitern der Studie zufolge jährliche Mehrkosten von 485 000 Euro. Eine Menge Geld, für die es sich lohnt, die Mitarbeitermotivation aktiv anzukurbeln.

Viele Arbeitnehmer vermissen Anerkennung und Lob. Andere wiederum fühlen sich in ihren Möglichkeiten beschnitten, erfahren, dass ihre Meinung immer wieder ungehört bleibt oder werden der Verantwortung beraubt. Das fördert sicherlich nicht gerade die Motivation, sondern baut sie eher ab. Das Problem liegt vielfach darin, dass Vorgesetzte viele Aufgaben selbst erledigen wollen und diese nicht an ihre Mitarbeiter abgeben möchten. Dadurch werden Mitarbeiter nicht mit einbezogen, fühlen sich ausgeschlossen und unterfordert. Da hilft es dann wenig, Betriebsausflüge zu machen. Selbst wenn sie das Gemeinschaftsgefühl fördern, werden die Mitarbeiter sich nach dem Ausflug nicht unbedingt begeistert in die Arbeit stürzen wollen.

Mitarbeitermotivation ließe sich schon dadurch erhöhen, dass viele Führungskräfte sich von der Furcht verabschieden, dass es ohne sie einfach nicht geht. Stattdessen übertragen sie ihren Mitarbeitern einfach mehr Verantwortung. Ein guter Chef geht seiner eigentlichen Aufgabe nach und führt seine Leute so, dass es auch läuft, wenn er mal nicht da ist. Damit fördert ein Vorgesetzter einerseits die Mitarbeitermotivation, andererseits lädt er nicht alles auf seinen Schultern ab, um dann letztendlich selbst überfordert zu sein. Werden Mitarbeitern je nach Leistungsfähigkeit mehr Aufgaben übertragen, steigert das sicherlich nicht nur deren Motivation, sondern trägt nebenbei auch zur Verbesserung des Betriebsklimas und der Mitarbeiterbindung bei.


* Gallup GmbH erhebt seit 2001 jährlich die Studie zum Engagement und zur Motivation deutscher Arbeitnehmer. Für die letzte repräsentative Untersuchung wurden von Ende Oktober bis Ende November 2008 knapp 2000 zufällig ausgewählte Arbeitnehmer ab 18 Jahre telefonisch interviewt.

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Foto von bruce mars