Im Portrait: Dr. Stephan Götze. Was lange währt, wird endlich gut

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Foto von Antonio Janeski

Überall dort, wo zum ersten Mal eine politische Öko-Plattform an den Start geht, ist meist ein Stephan Götze zu finden. Er bleibt nie zu lange und hinterlässt lauter Anknüpfungspunkte für jene, mit denen er arbeitet. Und damit wurde er zum Netzwerker, der heute Verbindungen zwischen Top-Konzernen, kleinen Unternehmen, Politik und Wissenschaft  unterhält. So jemand ist eigentlich ein Interim Manager. Stephan Götze nimmt das Wort nie in den Mund. Er gehört zum Urgestein der Nachhaltigkeitsfürsprecher Deutschlands und auch international. Darin und seiner Profession – Marketing, Research und Consulting – ist er seit den 80er Jahren treu. Götzes Familie betrieb damals in Mannheim das erste “Bio-Center” Deutschlands. Es gab ökologischen Gartenbau, baubiologische Baustoffe und Farben nebst einem Naturkostladen. Für den damals 21-Jährigen Götze zeigte sich: Es gibt zwar ökologische Probleme. Aber auch immer die passenden Lösungen. Die aber verbreiteten sich nicht von ganz alleine. Götzes Grundidee für seinen späteren Berufsweg war geboren: Ökologie ist ein Marketingproblem. Und das obwohl die meisten Mitbürger lieber auf Wiesen als auf Betonwüsten schauen. Marketing wird Götzes Steckenpferd.

Doch zuvor studiert er ein bisschen Mathematik und Volkswirtschaft in Heidelberg. Wechselt nach Mannheim und sattelt um auf Soziologie und Psychologie mit dem Schwerpunkt Wirtschaftspsychologie. Schon während des Studiums gründet er mit einem Freund die erste kleine Werbeagentur. Wo für die meisten akademischen Berufstätigen der Weg abbricht, hält Götze lebenslang den Kontakt zur Wissenschaft. Er trat an Mannheimer Hochschulen ans Dozentenpult, zum Beispiel zu den Themen „Social Marketing“ und „Grundlagen der Marktpsychologie und Marktforschung für ökologische Produkte“. In 2010 promovierte er mit 48 Jahren berufsbegleitend an der Universität Gießen über sozialpsychologische Verhaltensforschung in der Markt- und Sozialforschung mit dem Schwerpunkt Ökologie. Privat hat er sein Herz in den Indianerreservaten Süd-Dakotas verloren und schließt dort lebenslange Freundschaften.

Doch zurück zum Beginn: Seinen ersten Job nach dem Studium erhält er in einer kleinen aber renommierten Werbeagentur, in der Design nach der Art der Basler Schule gepflegt wird. Er lotet die Kluft zwischen Verhalten und Einstellung im Konsummarkt aus. Entwickelt Marketinginstrumente und baut die erste Öko-Marketing-Division in einer Werbeagentur auf. 1995 macht er sich wieder selbständig, in der Gegend die schon seiner Familie die Startrampe für ihr Unternehmen war: In der Metropolregion Rhein-Neckar, die damals noch nicht so hieß, dieses Mal in der Heimatstadt des Fußballstars Uli Stielike, in Ketsch am Rhein. Mittlerweile hat er unter anderem für Hersteller von nachhaltigen Dämmstoffen, Naturfarben und Böden Marktpotentialanalysen gemacht und die Markteinführungen solcher Produkte durchgeführt. Aber immer wieder arbeitet er auch für konventionelle Unternehmen, um dazu zu lernen und flexibel zu bleiben. Zum Beispiel für McDonalds arbeitete er in der Wettbewerbsbeobachtung, der „Competitive Intelligence“. Für Melitta forschte er global zum Einsatz von Espressomaschinen. Markenpositionierung, Pressearbeit und neues Corporate Design waren Götzes Aufgaben beim Unternehmen Livos Naturfarben. Für Infraserv Höchst erstellte er eine Marktanalyse für „Blended Learning für Arbeitschutz Anlagensicherheit“ und konzipierte und leitete die Markteinführung dafür. Er übernahm aber auch die Aufgabe, für DaimlerChrysler einen insolventen Zulieferer zu betreuen und die Lage zu retten. Über 500 Studien und Marketingaufträge für ca. 130 Adressen aus dem Konsumgüter- und Industriebereich, aber auch viele rein ökologisch orientierte mittelständische Betriebe hat er in über 20 Jahren begleitet.   

Im Ehrenamt engagierte sich der heute 51-Jährige unter anderem im Berufsverband der Markt- und Sozialforschung als Fachbeirat und Bundesvorstand, und konziperte und launchte die Verbandszeitschrift „BVM inbrief“, die sich zu einer der führenden Fachzeitschriften in der Markt- und Meinungsforschung entwickelte. In 2013 also der nächste Schritt: Er wird sein Knowhow im MBA „Sustainable Management“ als Lehrbeauftragter weitergeben. Was Stephan Götze stets am Ball hielt ist, dass er ein gesellschaftliches Grundproblem verstanden hat und zu dessen Lösung in vielen Branchen ansetzt. Es ist sein Dreh- und Angelpunkt. Darin bleibt er konzentriert. Die Vielfältigkeit seines Portfolios überzeugt auch andere, es selbst einmal zu versuchen: Grenzen zu überschreiten und neue Wege zu gehen. Götze macht das  selbst mit einer guten Portion Menschenkenntnis. Er sei und bleibe auch ein eingefleischter Soziologe. Mit dem Blick für das Kann, aber auch Soll im Leben.

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Sebastian Ofer

Chefredakteur bei HRM Research Institute

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