von Dr. Daniel Schwarzenberger und Anja Rücker
Die gesundheitliche Lage in deutschen Betrieben bleibt angespannt. Laut aktuellen Daten der
Krankenkassen markieren die krankheitsbedingten Fehlzeiten ein anhaltend hohes Niveau. Analysen
des IGES Instituts zeigen für das erste Halbjahr 2026, dass Krankschreibungen aufgrund psychischer
Diagnosen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um weitere neun Prozent gestiegen sind.
Besorgniserregend für das Personalmanagement ist vor allem die lange Ausfalldauer, die laut BKK
Dachverband bei psychischen Leiden im Schnitt mehr als fünf Wochen pro Fall beträgt. Ein
systematisch gesteuertes Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) darf hier ansetzen und
Mechanismen nutzen, die sich im Hochleistungssport seit Jahren bewähren: Die gezielte Steuerung
biologischer Regenerationsprozesse.
Anja Rücker, ehemalige Spitzensportlerin und BGM-Beraterin, sowie Dr. Daniel Schwarzenberger,
Sportökonom und Corporate-Health-Experte , übersetzen die erprobten Strategien des
Leistungssports in pragmatische, wissenschaftlich fundierte BGM-Systeme für Unternehmen.
Physiologische Grundlagen: Das Prinzip von Reiz und Erholung
In der Trainingswissenschaft ist unumstritten, dass Anpassungsprozesse, ob Muskelaufbau oder
neuronale Stressresilienz, nicht während der Belastung, sondern in der anschließenden
Erholungsphase stattfinden. Im modernen Berufsalltag wird dieses biologische Gleichgewicht häufig
gestört. Permanent hohe Cortisolspiegel blockieren die körpereigene Regeneration.
„Auf der Laufbahn entscheiden Bruchteile von Sekunden. Spitzensport erfordert die perfekte Taktung
von Reiz und Erholung“, betont Sprint-Legende Anja Rücker.
Für das BGM bedeutet dies einen Perspektivenwechsel. Dr. Daniel Schwarzenberger ordnet dies aus
trainingswissenschaftlicher und beratender Sicht ein:
„Gesundheit und Leistungsfähigkeit im Unternehmen sind keine statischen Zustände, sondern das
Ergebnis eines kontinuierlichen, aktiven Managements. Wer im Arbeitsalltag durch anhaltende
Stressoren mit ‚Hot Iron‘ reizt, darf im Nachgang durch ‚Cold Ice‘ das physiologische System
strategisch zurücksetzen.“
BGM-Praxis: Kälteexposition als Tool für psychische und physische Resilienz
Die gezielte Kälteexposition (mittels Kryotherapie oder Teilbädern) ist ein wissenschaftlich gut
untersuchtes Verfahren zur Beeinflussung des autonomen Nervensystems. Kältereize optimieren die
vaskuläre Dynamik, unterstützen die Senkung der Herzfrequenzvariabilität (HRV) und beschleunigen
den Abbau von Stoffwechselabfallprodukten.
Für Personalverantwortliche und BGM-Manager ergeben sich daraus drei konkrete, im Betriebsalltag
umsetzbare Ansätze zur Unterstützung der Mitarbeitergesundheit:
Ansatz 1: Steuerung des mentalen Fokus am Morgen
Eine kurzzeitige Kälteexposition triggert eine signifikante Ausschüttung von Dopamin und
Noradrenalin. Dies unterstützt die kognitive Klarheit und die Fokussierungsfähigkeit für den
Arbeitstag.
Umsetzung im Betrieb: HR-Abteilungen dürfen im Rahmen von Gesundheitstagen
wissenschaftlich begleitete „Mindset-Challenges“ anbieten, um die Selbstregulation der
Beschäftigten zu fördern.
Ansatz 2: Achtsamkeit und Stressregulation im Tagesverlauf
Ein intensiver Kältereiz zwingt das Nervensystem in den gegenwärtigen Moment. Durch die
physiologische Reaktion werden kreisende Alltagsgedanken und Stressparameter effektiv
unterbrochen; die Konzentration reduziert sich auf die Atmung.
Umsetzung im Betrieb: Die Integration von mobilen Kälte-Anwendungen oder Kooperationen mit
lokalen Kryo-Zentren im Rahmen von BGM-Projekten bietet Teams eine direkte Erfahrung im
Umgang mit akuten Stressreizen und schult die Selbstkontrolle.
Ansatz 3: Systemischer Ausgleich nach Belastungsspitzen
Der Wechsel zwischen Kältereiz und anschließender Wiedererwärmung führt zu einer
reaktiven Hyperämie (verstärkten Durchblutung). Nährstoffe werden effizienter in
beanspruchte Gewebsstrukturen transportiert, was die körperliche Regeneration nach
physischer oder psychischer Belastung beschleunigt.
Fazit für das Personalmanagement: Regeneration aktiv gestalten
Die biologischen und mentalen Mechanismen von High-Performance sind im Spitzensport und der
Wirtschaft identisch. BGM-Verantwortliche dürfen ihren Fokus darauf richten, den Mitarbeitenden
Evidenz und Praxistools an die Hand zu geben, um auch unter hohem Projektdruck handlungsfähig
und resilient zu bleiben.
Anja Rücker und Dr. Daniel Schwarzenberger resümieren:
„Ein zeitgemäßes Betriebliches Gesundheitsmanagement darf die Infrastruktur dafür bereitstellen,
dass Beschäftigte ihre Belastbarkeit eigenverantwortlich steuern können. Die Investition in
evidenzbasierte Regenerationskonzepte ist eine ökonomisch messbare Präventionsstrategie gegen
chronische Erschöpfung und langwierige Ausfälle.“
Die Autoren:
Dr. Daniel Schwarzenberger ist promovierter Sportökonom, wissenschaftlicher Berater im
Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) und Natural Bodybuilder. Er verknüpft
Managementwissenschaften mit angewandter Trainings- und Gesundheitslehre.
Anja Rücker ist Sprint-Weltmeisterin und Olympionikin. Sie berät Betriebe und
Führungskräfte im Bereich mentaler Stärke und High-Performance-Konzepte.
Als Experten-Duo übersetzen sie die erprobten Strategien des Leistungssports in pragmatische,
wissenschaftlich fundierte BGM-Systeme für Unternehmen.
Kontakt für maßgeschneiderte Keynotes, Workshops oder strategische BGM-Konzeptionen.













