Hausordnung für Geistesblitze

three men laughing while looking in the laptop inside room
Foto von Priscilla Du Preez

Dann stoppen Sie den Unsinn doch. Ersetzen Sie ineffektive und gefühlsgesteuerte Meetings durch zielführende, lustvoll-kreative. Oder noch zukunftsorientierter: Nutzen Sie Weiterentwicklungen in Sachen Brainstorming, die auf den Schultern von Brainstorming- Erfinder Alex Osborn gewachsen sind. Verbessern Sie die Ideenfabrikation durch professionelle Spielregeln: 1-Minute-Storm-Techniken anwenden, sich reihum äußern, bewerten in der ersten Phase verboten; aus seltsamen und (scheinbar) falschen Einfällen methodisch interessante Ideen herstellen können.

Allein schon durch solche Werkzeuge lässt sich die Arbeit mit systematischer Gruppen-Klugheit und Schwarm-Intelligenz anreichern. Leitende und Teams können es so schaffen, zeitstehlende Bedenkenträgerei, kraftraubendes Zerreden, destruktive oder verletzende Kritik mit Storm-Tool-Hilfen zu stoppen und verdeckte oder offene Neidereien, lähmende Eifersucht, Motivationsraubende Spielchen in nutzbringende Energien umzuwandeln.

Stormen ist der Schlüssel

Viele Menschen, die mit dem Mund ihr Geld verdienen, verstehen einiges vom Unterschied zwischen Kicken und Profi-Fußball oder zwischen Auto und Rennen fahren. Sie wissen genau, dass bei allen Hochleistungen – ob im Fußball, bei Formel-1-Piloten oder in der Musik – Verbesserungen nur durch tägliches Trainieren entstehen: „Meisterschaft entsteht durch Wiederholung und Vertiefung“ (LaoTse). Das bringt’s auch beim Mundwerk und ebenso beim Führen. Der virtuose Kniff liegt auch hier – außer im Know-what und Know-how – in den kleinen täglichen Schritten.

Wer die Grundlagen für die systematische Hausordnung für Geistesblitze einmal beherrscht, kann die Resultate, die eigene Kultur und die von Gruppen entlastend und dauerhaft wandeln. Bedingung: „Wer Veränderung will, muss sich verändern wollen“. Und die geschieht nicht wirklich durch Einsicht sondern seriös nur durch regelmäßiges Training.

Die gute Botschaft: Es braucht drei einzelne Minuten pro Tag, eingebaut in die Alltagsarbeit. Schon nach drei Monaten können alle schneller, effektiver, offener, kreativer, innovativer Ideen erzeugen. Die Anwendungsfelder sind vielfältig: Telefonate oder Gespräche vordenken, ein Konzept vorstormen, einen besseren Begriff finden, Sackgassen verlassen, eine Leistung/ein Ergebnis/eine Sache gewinnbringend kommentieren oder konservieren. Schöner Nebeneffekt: Wer Gesagtes methodisch positiv umnutzen kann statt es als dumm abzukanzeln, ärgert sich weniger über sich selbst und über andere. Das führt zu dauerhaftem Entstressen – und das wiederum zu besseren Ergebnissen.

Kann das stimmen? Und ob. Die Storm-Methoden sind praxiserprobt und leicht erlernbar. Sie führen bei regelmäßigem Training zu noch mehr:

  • in einer Minute zwischen 20 und 60 Einfälle pro Thema schaffen,
  • gleichzeitig mit allen Köpfen des Teams schöpfen können,
  • Schrott zu Steigbügeln verarbeiten; das Motto lautet „Ahhh statt Oh, ein Fehler“ und „Dung zu Dünger“ kompostieren lernen,
  • in einer Minute ebenso klar wie respektvoll Feedback geben und erhalten.

Und nun die Einschränkung: Nur durch Übung wird der Unterschied zwischen Denken und Assoziieren zugänglich. Denn es handelt sich um zwei menschliche Fertigkeiten, die so verschieden voneinander sind wie Schlafen und Gehen. Das Denken kramt und verknüpft neu im nur relativ kleinen linken Hirn, dem Gedächtnis, in dem sich Bekanntes finden lässt. Das Stormen hingegen erlaubt und fordert sogar den Zugang zum Unbewussten, dessen Ausmaße und Originalität schier unendlich sind.

Die sokratische Provokation wirkt noch immer – nicht nur für Virtuosinnen und Virtuosen: „Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden.“ Denn: Ändern funktioniert – mit Stormen sogar auf Dauer. Mit anderen zusammen noch besser. Aber genauso ganz allein. Nur leider nicht von allein.

Quelle: PERSONAL – Heft 09-08/2008

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