Manchmal kommt eine Nachricht einfach zur falschen Zeit. So rieben sich kürzlich die Empfänger der „Premium Post“ die Augen: Die Mitarbeiterzeitung der Deutschen Post präsentierte im Februar einen Bericht über den glorreichen Auftritt des Firmenlenkers Klaus Zumwinkel auf der Führungskräftetagung „Top Executives’ Meeting“ in Berlin. „Der wahre Schlüssel zum Erfolg ist der Führungsstil“, zitiert die hauseigene Postille den Konzernchef. Und weiter, an seine Zuhörer gerichtet: „Sie sind der Schlüssel zum Erfolg, Sie sind die Top-Führungskräfte, die Vorbilder.“

Hehre Worte – nur leider, leider waren einige Tage zuvor mit großem Bäng die kriminellen Machenschaften des Gefeierten ans Licht gekommen. Und nach Platzen dieser Bombe erscheint der Artikel in einem völlig neuen Licht. Das großformatige Bild der „gelben Eminenz“ mit ausladender Geste und die Aufnahme der munter in die Kamera lachenden Anzugträger machen die Peinlichkeit perfekt. Denn von „gelöster Stimmung“, wie in der Bildunterzeile zu lesen ist, kann zu diesem Zeitpunkt keine Rede sein.

Die Redaktion, die den ungeahnt brisanten Bericht nicht mehr stoppen konnte, sah sich zum Handeln gezwungen: Wenige Tage nach Zustellung der regulären Ausgabe folgte eine Sonderveröffentlichung, in der vor allem der neue Mann zu Wort kam. Und überhaupt: Dem Konzern habe Zumwinkel schließlich immer treu gedient.

Auch auf der Versammlung hat Zumwinkel nichts Falsches gesagt. Es stimmt: Führungskräfte sind Vorbilder. Und deshalb werden sie auch mit anderem Maß gemessen als Normalsterbliche. Von den Ereignissen überrollt wurde nicht nur die Redaktion der „Premium Post“ – landesweit nahm das Volk die Botschaft ungläubig auf; schließlich galt der Manager des Jahres bis dato zu den Vorzeigekräften der deutschen Wirtschaft. Bescheiden, solide und aufrichtig wirkte der Mann – eine perfekte Fassade, von der sich viele gründlich getäuscht sehen. Und in Zeiten, in denen eine werteorientierte Unternehmenskultur zu den Erfolgsfaktoren zählt, ist Zumwinkels unehrenhafter Abgang schon bitter. Hämisch freuen können sich jene, die ohnehin nicht an integre Persönlichkeiten in Politik und Wirtschaft glauben.

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Foto von Adeolu Eletu