Warum Digitalisierung nicht ohne Diversity gelingt

group of people sitting on chair in front of brown wooden table
Foto: Memento Media, Unsplash

Neue digitale Technologien stellen Unternehmen vor wachsende Herausforderungen. Sie stoßen komplexe Veränderungen an. Ungewohnte Formen der Kommunikation und neue Geschäftsmodelle entstehen, Strukturen, Prozesse und Anforderungen wandeln sich. Transformation ist aber nicht nur ein Technik-, sondern auch ein Kulturthema. Firmen, die konsequent auf Diversität und Vielfalt setzen, tun sich auch leichter mit dem digitalen Wandelund finden jene Fachkräfte, die sie dafür benötigen.

Kultur entscheidet: Vielfalt, Freiräume und Offenheit für Fehler

Was zeichnet Unternehmen aus, die sehr erfolgreich mit der digitalen Transformation umgehen? Ihnen gemeinsam ist, dass sie die kulturelle Ausrichtung der Herausforderung in den Vordergrund stellen – und diese Kultur auf Diversität bedacht ist.

Die Erfahrungen des Frauen-Karriere-Index zeigen, dass eine diversitätsfördernde Kultur Eigenschaften aufweist, die für Digitalisierung und Innovation grundlegend sind. Digitalisierung und Diversität verstärken sich gegenseitig. Teams, die aus einem erweiterten Talentpool schöpfen und auf verschiedene Sichtweisen setzen, sind nicht nur kreativer und damit innovativer, sondern können auch besser auf dynamische Umwelten reagieren.

Die Digitalisierung kann dabei unterstützen, mit Silos zu brechen, neue Kooperationen zuzulassen und starre hierarchische Verhaltensmuster aufzuweichen. Sie ermöglicht, „vielen Perspektiven Raum zu geben“ und agiles Arbeiten zu erleichtern, also Voraussetzungen für „ein Klima für Innovation“ zu schaffen, betont Anabel Ternès von Hattburg, Professorin und Hochschuldozentin an der SRH Berlin und Unternehmerin.

„Es ist wichtig, Freiräume zu gewähren. Das bedeutet auch Freiräume zum Scheitern“. Nur in einem solchen Klima könnten Unternehmen schnell, flexibel und offen auf neue Ideen und Entwicklungen reagieren. In Organisationen mit hohem Innovationspotenzial etablieren sich daher diverse Teams besonders gut – und die Offenheit, die das Arbeiten in diversen Teams erfordere, erhöhe wiederum auch die Offenheit für Innovationen.

Vielfalt ohne Chaos: Rahmenbedingungen für Kreativräume schaffen

Allerdings bedeute Diversität nicht Chaos, erklärt Ternès von Hattburg, sondern auch immer feste Verantwortungen und Regelungen, nach denen gehandelt werde. Der virtuelle Raum macht eine viel größere Perspektivenvielfalt möglich. Digitale Kommunikationskanäle haben immense Reichweiten, man ist unabhängig von Zeitzonen und die Teilnehmerzahl ist nahezu unbeschränkt. Menschen können in Konstellationen zusammenkommen, die so bisher vielleicht noch nie möglich waren. In neuen, digitalen Kreativräumen – auch über Ländergrenzen hinweg – werden Ideen leicht gebündelt und geteilt. Dies kann den Wissenstransfer effizienter machen und neue Möglichkeiten für projektbezogenes Arbeiten eröffnen. Dies gelingt jedoch nur, wenn die Rahmenbedingungen passen.

Neue Diskriminierungen durch Digitalisierung vermeiden

So dürfe das Verlagern des Sozial- und des Arbeitslebens in virtuelle Räume nicht zu einer zusätzlichen Benachteiligung bestimmter ‚Sub-Gruppen‘ führen, betont Diversity-Expertin Sabine Sommer vom Berater-Netzwerk Diversity Works. Diversität und Chancengleichheit setzen Barrierefreiheit voraus. Dies bedeutet auf technischer Seite die Voraussetzung einer stabilen Internetverbindung sowie Lösungen, die es hör- oder sehbehinderten Menschen ermöglichen, zu arbeiten. Hinzu kommt die persönliche Komponente im Umgang mit Programmen und Devices. Manche Personen haben etwa den Umgang mit dem Computer nicht oder erst spät im Leben gelernt oder können sich in virtuellen Räumen weniger gut präsentieren.

Laut einer Umfrage des Frauen-Karriere-Index steigt die empfundene Belastung bei Remote Work tendenziell mit dem Alter. Auch, wenn Mitarbeitende Kinder oder ältere Angehörige zu betreuen haben, kann dies die Arbeit im Homeoffice erschweren. Notwendig sind deshalb flexible Rahmenbedingungen, die es allen erlauben, an sämtlichen Prozessen teilzuhaben.

Führungskräfte als Inspiration, Katalysatoren und Coaches für Diversität

Ein weiterer entscheidender Faktor ist die Rolle der Führungskraft. Sollen Digitalisierung, Diversität und Innovation sich gegenseitig befruchten, muss auch das Verständnis von Führung stimmen. Eine Leadership-Mentalität, die ein starkes Commitment für die Themen Diversität und Inklusion beinhaltet, ist unerlässlich, wenn Unternehmen alle Talente erreichen und mitnehmen möchten. Innovationen fördern bedeutet, Neugier, Fähigkeiten und verschiedene Perspektiven zuzulassen und zu fördern. Wertschätzende Kommunikation und transparente Entscheidungen sind zwei elementare Schlagworte. „Es braucht absolutes Commitment des Managements und die Überzeugung, dass Diversity nicht nur richtig ist, sondern für den Unternehmenserfolg von entscheidender Bedeutung“, so Jan Ising, Managing Director Life Science und Women Initiative Lead bei Accenture.

Eine Feedback- und Fehlerkultur zu etablieren gelingt nur, wenn die Kommunikation zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden auf Augenhöhe geführt wird. Zudem muss die Führungskraft dazu fähig sein, trotz des zunehmenden Arbeitens in virtuellen Räumen die einzelnen Stärken in diversen Teams zu einem großen Ganzen zusammenzufügen und fördernd einzubinden. Damit werden herausragende Führungsqualitäten zu einer sehr wichtigen Währung, um aus Talenten großartige Teams zu formen, die Besonderes leisten. Leadership ist eine Haltung und ein bestimmtes Mindset.

Fazit: Digitalisierung, Diversität und Innovation zusammenführen

Wenn Unternehmen diesen von Soft Skills und einem eindeutigen Commitment zu Heterogenität geprägten Managementansatz konsequent verfolgen und vorleben, wird das Unternehmen auch die Talente anziehen, die es braucht. So lassen sich Digitalisierung, Diversität und Innovation gewinnbringend zusammenführen. Gefragt sind Menschen mit Mut, Offenheit, Eigenverantwortung sowie technischen und kommunikativen Fähigkeiten, welche die ‚Culture Fit‘- durch eine ‚Culture Add‘-Mentalität ablösen und so den Weg für Innovation ebnen. „Wenn eine starke, gleichberechtigte Arbeitsplatzkultur oberste Priorität hat, gewinnen alle – Mitarbeitende genauso wie das Unternehmen, das von mehr Innovationskraft.

Webtipp
Weitere Informationen bietet das Whitepaper “Digitalisierung, Diversität und Innovation: Schafft Digitalisierung mehr Chancengleichheit und Diversität im Unternehmen?“.

Veronica Wolters

Managing Director bei Accenture Cloud First Design DACH, Global Cloud Advisory Lead, Inclusion & Diversity Lead DACH bei Accenture

Barbara Lutz

Geschäftsführende Gesellschafterin bei FKi - Diversity for Success

Melde dich jetzt zum HRM Newsletter an