„Corporate Learning Factbook 2011“ sieht Trend zu virtuellen Klassenräumen

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Foto von Romain V

Mehr Investitionen in Lerntechnologie

Mit zunehmender Konjunkturerholung haben laut Bersin die US-Unternehmen angefangen, wieder in ihre Lerntechnologie zu investieren. Diese Investitionen stiegen im Jahr 2010 um zehn Prozent. Derzeit wird in so manchen Unternehmen das alte Learning-Management-System (LMS) durch eine neue, flexiblere Lösung ersetzt. Es gibt aber auch (insbesondere bei den grösseren Unternehmen) den Trend, dem bestehenden LMS neue Funktionen anzugliedern. Offenbar haben die Amerikaner grundsätzlich erkannt, dass die Mehrheit des Lernens informell und vom Lerner selbst initiiert ist. Dieser „natürliche Fluss“ der Weiterbildung quer durch die Organisation wird von fortschrittlichen Personalabteilungen durch moderne Lerntechnologien wie firmeninterne Wikis unterstützt. 30 Prozent der US-Unternehmen gaben im Jahr 2010 Geld für Tools aus, die das informelle Lernen ermöglichen, schreibt Bersin. Die Grosskonzerne nahmen ganz konkret im Durchschnitt 16.000 Dollar zusätzlich in die Hand, um das informelle Lernen zu fördern. Man verspricht sich davon eine Erhöhung ihrer Innovationsfähigkeit. Bersin führt das Beispiel eines Unternehmens an, das Youtube als Plattform für firmeninterne Lehrfilme nutzt, die selbst produziert wurden und zeigen, wie Mitarbeiter Probleme lösten.

E-Learning ist „Performance Support“

Für Josh Bersin, den Gründer des US-Beratungsunternehmens Bersin & Associates, ist E-Learning vor allem „Performance Support“, die direkte Unterstützung am Arbeitsplatz. Etwas völlig anderes sei die grundlegende Ausbildung in bestimmten Kernkompetenzen. Da komme E-Learning eher weniger in Frage. Für Bersin geht der Trend auf dem E-Learning-Markt immer mehr zum „Komplettanbieter“, der Technologie und Content aus einer Hand bietet. Den Erfolg dieser Strategie könne man beispielhaft an Skillsoft sehen. Seit der Übernahme von net-G habe Skillsoft das komplexeste Angebot aller vergleichbaren E-Learning-Unternehmen. Mit dem Produkt „24/7“ sei man jetzt auch noch ins Buchgeschäft eingestiegen. Am Beispiel Skillsoft sehe man auch: Wenn – wie dort geschehen – ein Privatinvestor einsteige, werde die Expansion aggressiver. Der Ausblick auf den E-Learning-Markt ist laut Bersin insgesamt positiv, denn derzeit gibt es recht viele Investoren, die in HR investieren möchten.

Der gesamte US-Trainingsmarkt wächst

Betrachtet man den gesamten US-Weiterbildungsmarkt, dann stiegen laut Bersin die Trainingsausgaben der US-Unternehmen im Jahr 2010 um zwei Prozent. Das Gesamtvolumen des US-Markts für berufliche Weiterbildung liegt jetzt bei knapp 53 Milliarden Euro.
Die Mehrheit der US-Unternehmen sieht schon lange keinen Sinn mehr darin, einzelne Führungsseminare durchzuführen, die keinen Bezug zur Unternehmensstrategie haben. Führungskräfteentwicklungsprogramme werden jetzt über eine Reihe von Monaten oder sogar Jahren geplant. Die dringend benötigten Fähigkeiten werden gezielter als früher vermittelt – in klassischen Trainings und mittels Coaching und E-Learning. Viele Leiter von Trainingsabteilungen sagen laut Bersin, dass sie weniger „Themen“ trainieren, sondern oft nur ein Thema über einen längeren Zeitraum anbieten, um eine hohe Könnerschaft zu erzeugen. Das Motto heisst: „Go deep, not wide!“

www.bersin.com

Sebastian Ofer

Chefredakteur bei HRM Research Institute

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