Clubhouse: Ist der Hype schon vorbei, bevor er richtig begonnen hat?

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Im Januar 2021 macht plötzlich eine neue App auf sich aufmerksam: Clubhouse. Die exklusive Audio-App, auf die Nutzer nur mit einer Einladung zugreifen können, war der neueste Trend am Social-Media-Himmel. Doch wie sieht es nach einigen Wochen aus, wird die App immer noch so gehypt wie in den ersten beiden Monaten oder hat sich der Trend schon wieder erledigt? Eine Umfrage von HRM gibt einen Hinweis…

Clubhouse: Was ist das überhaupt?

Zunächst ein paar Erläuterungen zu der App an sich: Clubhouse ist eine sogenannte Drop-In-Audio App. Das bedeutet, dass es bei Clubhouse, anders als bei vielen anderen Social-Media-Apps, ausschließlich um das gesprochene Wort geht.

Nutzerinnen und Nutzer können anderen bei Gesprächen zuhören. Die Art und Weise, wie diese Gespräche organisiert sind, unterscheidet sich dabei stark voneinander. Auf der einen Seite gibt es in den Räumen  – so werden die Chaträume genannt – relativ private Gespräche, die nicht moderiert und auch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch professionelle Events, die einer Digitalkonferenz zu vergleichen sind und professionell moderiert und häufig mit hochkarätigen Speakern besetzt sind. 

Daraus ergeben sich für die User der App verschiedene Rollen:

  1. Moderator: Erfüllen die klassischen Funktionen, die Moderatoren in der analogen Welt auch haben. Sie können Nutzerinnen das Rederecht erteilen, es ihnen aber auch wieder entziehen.
  2. Sprecher: Alle Nutzer, die sich aktiv an der Diskussion beteiligen. 
  3. Zuhörer: Die Mehrzahl der Clubhouse-Nutzerinnen und -Nutzer. Diese Personen befinden sich einfach nur in dem Raum und hören zu. Auf Wunsch (per Knopfdruck) können sie sich aber auch zu Wort melden und sich ebenfalls an der Diskussion beteiligen.

Grundsätzlich haben alle, die Clubhouse nutzen, die Möglichkeit, einem beliebigen Raum beizutreten oder zu eröffnen. Doch wie wird man überhaupt Clubhouse-User?

Clubhouse: Künstliche Verknappung und FOMO

Der Unterschied zu anderen Apps liegt bei Clubhouse in der künstlichen Verknappung. Nicht jede Interessentin kann ohne weiteres die App downloaden und sich anmelden. Denn schon der Download stellt die erste Hürde dar. Aktuell ist Clubhouse nur für iPhone erhältlich, an einer Version für Android-Smartphones arbeiten die Entwickler gerade, ist aber noch nicht auf dem Markt.

Aber selbst dann, wenn man ein iPhone besitzt, kann man nicht automatisch die App nutzen. Denn dazu braucht man eine Einladung, einen sogenannten Invite, einer Person, die bereits erfolgreich Clubhouse nutzt. 

Und als wäre das nicht genug, kann jeder User nur zwei weitere Personen zur App einladen. Das führte dazu, dass Anfang des Jahres, als der Hype um Clubhouse am größten war, die Einladungen sogar versteigert wurden. Auf Ebay Kleinanzeigen wurden die Invites teilweise mit bis zu 50 Euro gehandelt. 

Neben der künstlichen Verknappung spielt auch die sogenannte Fear of Missing out (FOMO) eine Rolle dabei, dass Clubhouse so gefragt war und teilweise auch noch ist. Gerade Führungskräfte, Personen, die in der Öffentlichkeit stehen oder solche, die es möchten, mussten natürlich bei der App dabei sein. 

Denn nicht nur innerhalb der App kann man sich als exklusives Mitglied von Clubhouse präsentieren. Das Clubhouse-Profil lässt sich ganz einfach mit anderen Social-Media-Plattformen verknüpfen. So kann man mit ein paar Klicks seinen Follower auf Twitter zeigen, dass man nicht nur bei Clubhouse mit dabei ist, sondern auch in welchem Raum man sich befindet. Denn die jeweiligen Gespräche können über die Verknüpfungen kommentiert werden.

Nicht nur das: Gespräche auf Clubhouse werden nicht aufgezeichnet und können daher später nicht noch einmal angehört werden. Das hat den Hype vermutlich nicht zusätzlich verstärkt. Denn um hören zu können, was in einem bestimmten Gespräch gesagt wird, muss man live dabei sein. Und das geht eben nur, wenn man eine Einladung zu der App bekommen hat.

Spielt die Pandemie für die Verbreitung eine Rolle?

Zusätzlich zu den bereits genannten Marketingkniffen könnte auch die Corona-Pandemie dazu beigetragen haben, dass sich Clubhouse so rasant verbreitete. Denn Clubhouse lebt von dem gesprochenen Wort. Während man sozial weitgehend isoliert im Lockdown lebt, kann man wenigstens über die App eine gewisse Nachbildung persönlicher Gespräche erfahren. Und das nicht nur mit den engsten Familienangehörigen, sondern auch mit weitläufigeren Bekannten und nicht zuletzt sogar komplett fremden Personen.

Alexander Petsch, Geschäftsführer der HRM Institut GmbH & Co.KG, sieht auch in diesem persönlichen Austausch den besonderen Reiz, den die App in den ersten Wochen des Jahres 2021 ausmachte: „Der schnelle Austausch, die Möglichkeit, spannenden Persönlichkeiten sehr nahe zu kommen und ein direkteres Format, waren die Dinge, die mich besonders an der App fasziniert haben“ so Petsch. Als Beispiel führt er denen Clubhouse-Talk zum Wirecard-Fall an, bei dem sich sowohl ehemalige Mitarbeiter des früheren DAX-Konzerns, als auch Mitglieder des Bundestagsuntersuchungsausschusses zu Wort gemeldet haben.

Kritik an der App

Bei all den Vorteilen – ob scheinbar oder tatsächlich – , die die App mit sich bringt, gibt es auch einige Kritikpunkte, die an Clubhouse laut wurden – teilweise schon nach einigen Tagen:

  1. Datenschutz: Wer Clubhouse nutzen möchte, muss der App den Zugriff auf sein Telefonbuch gestatten. Theoretisch müsste jeder Clubhouse-Nutzer dazu vorab das Einverständnis seiner Kontakte einholen.
  2. Nutzung: Eine geschäftliche Nutzung der App ist durch die AGB ausgeschlossen. Trotzdem wird Clubhouse gerade im HR-Bereich von professionellen Anbietern, teilweise sogar als Marketinginstrument, genutzt. 
  3. Barrierefreiheit: Die App setzt ausschließlich auf das gesprochene Wort. Menschen mit Hörbeeinträchtigungen können damit die App nicht nutzen. 

Vielleicht sind auch das Gründe dafür, dass es in den letzten Wochen merklich ruhiger um Clubhouse geworden ist. Verschiedene Studien kommen jedenfalls zu dem Ergebnis, dass die Audio-App nicht mehr so gefragt ist, wie sie es Anfang des Jahres noch war.

Studien und Umfragen: Ist der Clubhouse-Hype vorbei?

Zum Beispiel eine Studie von Prof. Tobias Kollmann von der Universität Duisburg-Essen in Zusammenarbeit mit Civey sieht zumindest eine gewisse Unzufriedenheit der Nutzer mit Clubhouse:

  • Nutzerzahlen und Bekanntheitsgrad der App haben sich seit Anfang Februar kaum weiterentwickelt. 
  • Fast die Hälfte der User (47 Prozent), die die App ein Mal genutzt haben, benutzen diese danach kaum noch oder nur sehr selten.
  • Darüber hinaus ist die aktive Beteiligung der Nutzerinnen und Nutzer sehr gering: Mehr als 40 Prozent der App-Nutzer, so die Studie, übernehmen keinen aktiven Part, sondern beschränken sich auf das Zuhören. 

Zu einem vergleichbaren Ergebnis kommt auch die Umfrage von Alexander Petsch auf LinkedIn: Über die Hälfte der Befragten (52 Prozent) gibt an, dass sie Clubhouse immer weniger nutzen. Was Petsch zu der Prognose führt, dass vermutlich Ende des Jahres Clubhouse entweder verkauft oder von anderen Anbietern oder Plattformen als Feature in die eigenen Dienste integriert werden wird. „Über die App Clubhouse redet dann kaum noch jemand“, prognostiziert Petsch. 

Bildquelle: Foto von Dmitry Mashkin by unsplash

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