Bücher-Tipps der LO 42 – März/ April

man standing in front of group of men
Foto von Austin Distel

SpielArt
Konzepte systemischer Supervision und Organisationsberatung

Von Mohammed El Hachimi und Liane Stephan
jeweils ca. 30 Karten
Vandenhoeck & Ruprecht
ISBN: 978-3-525461-01-3
Preis: 17,40 Euro

Gleich mal vorweg: Diese Karten sind für jeden Trainer sehr praxisorientiert zu handhaben, übersichtlich aufgebaut und leicht „nachzustricken“. An Einfachheit und Struktur also nicht zu überbieten. In mehreren Mappen finden sich darin Anleitungen für typische Trainingssituationen, etwa „Beginnings und Endings“ oder „Kinästhetik und Konstruktion“.
Wie die angebotenen Übungen zur eigenen Haltung, Philosophie und Methodik passen, bleibt der Wahl des Trainers überlassen. Viele Übungen sind meiner Ansicht nach aus dem gruppendynamischen Denken abgeleitet, andere wiederum kommen aus der konstruktivistischen Ecke.
Wie bei vielen Büchern oder Anleitungen ist natürlich hier auch wieder gesagt: Kommt darauf an, wie man es anwendet. Das heißt, aus den Übungen kann alles entstehen, weil sie die Verwendung der Phantasie des Einzelnen überlassen. Und natürlich müssen sie auch an den Kontext angepasst werden: Ich kann mir nicht gut vorstellen, etwa die Übungen aus der Mappe „Kinästhetik und Konstruktion“ unmittelbar in den Leadership-Kontext zu übertragen. Wenn Sie die Übungen aber als Inspiration verwenden…


Lernen lernen – Wie stricken ohne Wolle?
13 Experten streiten über Konzepte und Modelle zur Lernmethodik

Von Wolfgang Endres (Hrsg.)
207 Seiten
Belz Verlag
ISBN: 978-3-407-25442-9
Preis: 20,50 Euro

Ist die Idee, „Lernen lernen“ zu wollen, nur eine „Masche“ – ein Stricken ohne Wolle? Oder geht es dabei um mehr; vielleicht sogar um ein zentrales Modell der Weiterentwicklung? Um das Thema auf die Unternehmenswelt zu beziehen: Reicht es heute aus, zu lernen, zu lernen und wieder zu lernen – also immer wieder aufs Neue das eigene Verhalten zu verändern – oder braucht es ein Innehalten, um das Lernen zu lernen; um nicht immer wieder das Rad aufs Neue erfinden zu müssen (allein: Wer denkt schon, wenn das Projekt endlich erfolgreich zu Ende gegangen ist, daran, den zugehörigen Prozess zu evaluieren, um zu entdecken, wo noch Prozessoptimierungsmerkmale enthalten wären?). In diesem Buch geht es genau darum. Leider ist es ausschließlich auf das Thema Schule fokussiert und betrachtet die Situation sehr stark aus einer „Außerhalb der Welt-Haltung“, sodass für konstruktivistische Trainer daraus nicht sehr viel abzuleiten ist.


Management von Nichtwissen im Unternehmen

Von Andreas Zeuch (Hrsg.)
254 Seiten
Carl Auer Verlag
ISBN: 978-3-89670-576-1
Preis: 30,80 Euro

Ein provokanter Titel für ein provokantes Buch. Und auch von teilweise provokanten Autoren geschrieben. Andreas Zeuch hat geschafft, zu diesem Kontext wichtige aufmüpfige Wegbegleiter in Management und Lernen in einem Buch zusammen zu bringen. Das Ergebnis: Hier treffen sich Wissenschaftler mit praxisorientiertem Hintergrund, wie Claus-Otto Scharmer oder Harrison Owen, mit Praktikern wie dem DM-Chef Götz Werner, Klaus Kobjoll (mehrfacher Unternehmer des Jahres in Österreich) oder Walter Lindemann (Deutsche Post) zum Dialog darüber, wie sie persönlich und Organisationen im Allgemeinen mit Nichtwissen umgehen, also damit, wie Lücken im Fachwissen und Ungewissheiten, mit denen wir heute täglich umgehen müssen, bewusst im Unternehmen aufgegriffen und genutzt werden können. Damit wird „Lernen“ nochmals von einer ganz anderen Seite betrachtet und in den Fokus rückt die Frage, wie mit dem nicht Gelernten gut umgegangen werden kann; was ein Unternehmen tun kann, wenn bestimmte Dinge eben (noch) offen sind. Der Mut zur Lücke – in diesem Buch wird er institutionalisiert und zum Instrument gemacht.


Ich lerne, also bin ich
Eine systemisch-konstruktivistische Didaktik

Von Rolf Arnold
236 Seiten
Carl Auer Verlag
ISBN: 978-3-89670-574-7
Preis: 28,80 Euro

Mit diesem Buch verabschiedet sich Rolf Arnold von herkömmlichen „Vermittlungsmodellen“ und setzt konsequent die Idee um, dass jeder Mensch anders lernt. Dabei wird der Lehrende, der bisherige „Trainer“ zu einer wichtigen Schlüsselperson, die vor allem den notwendigen Raum für das Lernen schafft und die Selbstkompetenz des Schülers stärkt. Auf diese Weise entsteht selbständiges Lernen; eigentlich selbständiges Lernen des Lernens. Denn der Lernende trägt darin die Verantwortung für seinen Lernprozess. Ein Buch, das ausgehend von den Grundlagen beschreibt, wie eine konstruktivistische Didaktik aussehen kann, wie der Inhalt des Lernprozesses entstehen kann und wie „Schulentwicklung“ im weitesten Sinne aussehen könnte. Ein bemerkenswertes Buch, das im Regal eines jeden Trainers noch gut Platz hat, um sich auch einmal mit den grundlegenden Themen zu beschäftigen.


Quelle: Zeitschrift LO Lernende Organisation.
ISCT Institut für systemisches Coaching und Training

Sebastian Ofer

Chefredakteur bei HRM Research Institute

Melde dich jetzt zum HRM Newsletter an