Alexander Siegmund: „bAV wurde jahrzehntelang falsch umgesetzt“

Alexander Siegmund setzt bei der bAV nicht auf Verkauf, sondern auf Verständlichkeit. Für den Gründer und Geschäftsführer der KPM Pensions & Benefits GmbH ist die betriebliche Altersversorgung nämlich kein Versicherungsprodukt, sondern eine Führungsentscheidung mit kultureller Wirkung. Als Führungsaufgabe verstanden, schafft sie Vertrauen bei den Mitarbeitenden. Warum ausgerechnet Unterstützungskassen, klare Logik und einfache Prozesse dabei den Unterschied machen, erklärt Alexander Siegmund im Interview.

Herr Siegmund, viele HR-Abteilungen empfinden bAV als komplex und schwer vermittelbar. Zu Recht?

Alexander Siegmund: Ja, aber nicht, weil das Prinzip kompliziert ist, sondern weil es jahrzehntelang falsch umgesetzt wurde. Die bAV wurde zu oft als Versicherungsprodukt eingeführt, nicht als strategisches HR-Instrument. Für Mitarbeitende bleibt sie dadurch abstrakt, für HR aufwendig. Dabei kann sie eines der wirksamsten Bindungsinstrumente sein.

Was bedeutet das konkret für HR-Entscheider?

Alexander Siegmund: Für HR-Entscheider heißt das, bAV als flexibles Vorsorgekonzept zu verstehen und nicht als starres Versicherungsprodukt. Genau hier lässt sich die Aktivrente logisch integrieren, weil beide auf längere, flexiblere Erwerbsbiografien einzahlen. Eine moderne bAV kann Vorsorgephasen aktiv abbilden und Übergänge ins Alter gestaltbar machen. Das reduziert Komplexität in der HR-Praxis und erhöht die Verständlichkeit für Mitarbeitende. So wird bAV gemeinsam mit der Aktivrente zu einem strategischen Instrument für Bindung und Arbeitgeberattraktivität.

Welche Rolle spielt smart pension dabei?

Alexander Siegmund: smart pension ist kein Produkt, sondern ein Versorgungswerk. Wir setzen auf klare Logik statt auf komplexe Versicherungsversprechen. Mitarbeitende verstehen, wofür ihr Geld arbeitet. Arbeitgeber erhalten Planungssicherheit. Und HR kann das Thema endlich erklären, ohne selbst Aktuar sein zu müssen.

Sie arbeiten häufig mit Unterstützungskassen. Warum?

Alexander Siegmund: Weil sie HR-seitig enorme Vorteile bieten. Unterstützungskassen sind insolvenzgeschützt, flexibel und nicht an Versicherer gebunden. Sie lassen sich individuell auf Belegschaften zuschneiden: vom Mittelstand bis zum Führungskreis. Richtig eingesetzt, sind sie das effizienteste Instrument für betriebliche Altersversorgung.

Viele KMU schrecken dennoch vor der Umsetzung zurück.

Alexander Siegmund: Verständlich und genau hier liegt das Versäumnis der Politik. KMUs brauchen einfache, standardisierte Prozesse und neutrale Beratung. Keine Produktverkäufer, sondern Versorgungskonzepte. Wenn bAV so einfach wäre wie Onlinebanking, hätten wir eine ganz andere Durchdringung.

Welche Verbindung sehen Sie zwischen bAV und Fachkräftemangel?

Alexander Siegmund: Eine direkte. Wer heute gute Leute halten will, muss über das Gehalt hinausdenken. bAV signalisiert langfristige Verantwortung. Sie zeigt: Wir denken nicht nur bis zum Bonus, sondern bis zur Rente. Das schafft Loyalität – gerade in Zeiten hoher Wechselbereitschaft.

Ihr wichtigster Rat an HR?

Alexander Siegmund: Behandeln Sie bAV nicht als Pflicht, sondern als Führungsaufgabe. Wer Versorgung strategisch denkt, stärkt Kultur, Bindung und wirtschaftliche Stabilität zugleich.

Autorenbox:

Alexander Siegmund ist Gründer und Geschäftsführer der KPM Pensions & Benefits GmbH. Er entwickelt mit smart pension praxistaugliche Versorgungskonzepte für Unternehmen und gilt als einer der führenden Experten für betriebliche Altersversorgung.

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