Absentismus bezeichnet das wiederholte und gewohnheitsmäßige Fernbleiben von Mitarbeitenden am Arbeitsplatz, ohne dass medizinische Gründe oder dienstliche Verpflichtungen vorliegen. Diese Art der Abwesenheit spiegelt vielmehr eine geringe Motivation oder Bindung an das Unternehmen wider und kann dem Betrieb erheblich schaden. Im Gegensatz dazu steht Präsentismus, bei dem Beschäftigte trotz Krankheit zur Arbeit erscheinen. Beide Phänomene belasten Unternehmen sowie die Gesamtwirtschaft.
Mehr zur Bedeutung von Arbeitgeberattraktivität und wie die emotionale Bindung im Unternehmen durch vorausschauende Personalpolitik gestärkt werden kann, finden Sie unter
Arbeitgeberattraktivität entlang der Lebensphasen
Gründe und Auslöser für Absentismus
Die Ursachen für Absentismus lassen sich in drei grundlegende Modelle unterteilen:
1. Rückzugsmodell: Mitarbeitende meiden belastende Arbeitssituationen und ziehen sich daher zurück.
2. Medizinisches Modell: Abwesenheiten dienen als Schutzmechanismus vor möglichen gesundheitlichen Belastungen durch die Arbeit.
3. Modell des abweichenden Verhaltens: Fehlende Sozialisation oder Anpassung kann dazu führen, dass Angestellte ihrer Arbeit regelmäßig fernbleiben.
Konkrete Ursachen sind häufig in folgenden Bereichen zu finden:
Private Probleme: Persönliche Krisen wie familiäre Konflikte, Krankheiten oder Belastungen durch neue Arbeitsformen wie Homeoffice können das Arbeitsverhalten beeinflussen und zu häufigen Fehlzeiten führen. Hier ist der Blick auf individuelle Situationen wichtig, um adäquat zu unterstützen.
Warum Bindung und gute Vereinbarkeitsstrategien Retention und Motivation erhöhen, erfahren Sie hier:
Bildungsbegleitung: Die vergessene Lebensphase in vielen Retention-StrategienBerufliche Gründe: Mangelnde Führung, unzureichende Kommunikation und fehlende Wertschätzung wirken sich negativ auf die Motivation und das Engagement aus. Ein demotiviertes Arbeitsumfeld begünstigt Absentismus und sollte daher frühzeitig erkannt und adressiert werden.
Zur Relevanz von Unternehmenskultur und Employer Branding finden Sie weitere Impulse unter
Employer Branding & UnternehmenskulturGesundheitliche Gründe: Suchtprobleme, insbesondere Alkoholabhängigkeit, sind ein bedeutender Risikofaktor. Studien zeigen, dass hiervon betroffene Mitarbeitende deutlich häufiger und länger fehlen als der Durchschnitt.
Zur Rolle mentaler Gesundheit im Unternehmen und präventiven Maßnahmen mehr hier:
Mentale Gesundheit im Unternehmen
Mögliche Konsequenzen von Absentismus
Absentismus kann Unternehmen auf verschiedene Weisen schaden und betrifft sowohl wirtschaftliche als auch soziale Aspekte.
Finanzielle Auswirkungen: Wiederholte und unerwartete Ausfälle einzelner Mitarbeitender führen zu Mehrbelastung im Team, Verzögerungen bei Projekten und einem Anstieg der Personalkosten. Besonders gravierend sind die Auswirkungen in arbeitsintensiven Phasen oder bei Schlüsselpositionen.
Mitarbeiterbindung: Wenn Führungskräfte nicht präsent sind, fehlt den Mitarbeitenden die nötige Orientierung und Förderung. Ein niedriges emotionales Engagement führt zu mentaler Distanz und kann Produktivitätsverluste im Milliardenbereich verursachen.
Nähere Betrachtung der Rolle von Führung, Bindung und Unternehmenskultur unter:
Emotionale Bindung & FührungBeschäftigungssicherung: Dauerhafte Demotivation und fehlende Perspektiven begünstigen die innere Kündigung und erhöhen die Fluktuation von Fachkräften. Das erschwert die Personalplanung und gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.
Warum Employer Branding und echte Glaubwürdigkeit Fluktuation verhindern können lesen Sie hier:
Employer Branding – GlaubwürdigkeitGesundheitliche Folgen: Belastungen durch die Arbeitsumgebung, Über- oder Unterforderung sowie fehlende Entwicklungschancen können zu gesundheitlichen Problemen wie psychischen Erkrankungen oder physischen Beschwerden führen.
Praxiswissen, welche Maßnahmen Unternehmen für mentale Gesundheit einführen können, finden Sie unter
Prävention & Gesundheit
Wie lässt sich Absentismus aufdecken?
In vielen Fällen bleibt die tatsächliche Ursache von Absentismus im Verborgenen, da betroffene Mitarbeitende ihre Situation selten offen ansprechen. Geeignete Methoden zur Analyse sind etwa die Einführung von Zeiterfassungssystemen, die einen Überblick über die Arbeits- und Fehlzeiten ermöglichen. Solche Tools schlagen bei regelmäßigen oder längeren Ausfällen Alarm und erleichtern so die Einleitung von Gesprächen einzelner Vorgesetzter mit den Betroffenen, um gezielt nach Ursachen zu suchen.
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Maßnahmen gegen Absentismus im HR-Management
Aktives Fehlzeitenmanagement ist ein wichtiger Bestandteil der Vorbeugung. Dazu zählen die Anerkennung guter Anwesenheitsquoten, Unterstützung bei privaten und beruflichen Problemlagen sowie das Festlegen klarer Anwesenheitsregeln, die allen Mitarbeitenden transparent kommuniziert werden.
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Praxisbeispiele PräventionVorgehen bei Einzelfällen: Um individuelle Situationen zu verbessern, sollten Führungskräfte mit den Betroffenen offene Gespräche suchen, Verständnis zeigen und gemeinsam Lösungsmöglichkeiten wie flexible Arbeitszeiten oder Teilzeitmodelle prüfen. Manchmal hilft auch das Angebot von zusätzlicher Unterstützung, beispielsweise bei der Kinderbetreuung.
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Flexible Arbeitsmodelle & UnterstützungStrategien bei strukturellem Absentismus: Entwickeln Sie nachhaltige Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens im Unternehmen, wie etwa Betriebsärzte oder betriebliches Gesundheitsmanagement. Eine wertschätzende Unternehmenskultur mit transparenten Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten sowie leistungsgerechter Vergütung fördert ebenfalls die Bindung und Motivation der Mitarbeitenden.
Sollten präventive Maßnahmen scheitern und das Fehlverhalten weiterhin auftreten, kann der Einsatz arbeitsrechtlicher Schritte wie Abmahnungen notwendig werden, um klare Grenzen aufzuzeigen und die Fürsorgepflicht gegenüber allen Mitarbeitenden zu erfüllen.
Fazit
Absentismus stellt Unternehmen vor vielseitige Herausforderungen, die sich wirtschaftlich und zwischenmenschlich auswirken. Die Ursachen sind oft vielschichtig, weswegen die Kombination aus frühzeitiger Analyse, offener Kommunikation und gezielter Unterstützung essentiell ist. Ein wertschätzendes Arbeitsumfeld und gezielte Präventionsmaßnahmen tragen entscheidend zur Reduzierung von Fehlzeiten und einer nachhaltigen Mitarbeiterbindung bei.
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Langfristige Arbeitgeberattraktivität
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen Absentismus und Präsentismus?
Absentismus ist das wiederholte Fernbleiben ohne medizinische Gründe, Präsentismus ist das Erscheinen zur Arbeit trotz Krankheit. Beide wirken sich negativ auf Produktivität und Unternehmenskultur aus.
Wie können Unternehmen Absentismus frühzeitig erkennen?
Digitale Zeiterfassung, regelmäßige Gruppengespräche und Mitarbeiterbefragungen geben Hinweise auf sich wiederholende Fehlzeiten. Wichtig ist die Kombination aus Zahlenanalyse und persönlichem Kontakt.
Welche Rolle spielt Führung beim Umgang mit Absentismus?
Führungskräfte sind entscheidend, da sie Wertschätzung und Entwicklung bieten, Probleme früh erkennen und offen ansprechen können. Eine konstruktive Fehler- und Feedbackkultur ist essenziell.
Wie sieht ein erfolgreiches Fehlzeitenmanagement aus?
Es umfasst zielgerichtete Prävention, transparente Regeln, individuelle Unterstützungsangebote und im Bedarfsfall konsequentes, aber faires arbeitsrechtliches Vorgehen.
Welche Maßnahmen helfen gegen strukturellen Absentismus?
Betriebliches Gesundheitsmanagement, gezielte Förderung der Work-Life-Balance, Weiterbildung sowie eine glaubwürdige und wertschätzende Unternehmenskultur gehören zu den wirksamsten Schritten.
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