Enterprise 2.0- Quo vadis ?

man in black jacket sitting on chair
Foto von Zaiqiao Ye

Nichts ist stärker als Ideen, deren Zeit gekommen ist- V. Hugo

Was gibt es denn eigentlich Neues am Organisieren 2.0? Organisieren über Internet ist nämlich  ca. 70% billiger als über Hierarchien. Hierarchien sind heutzutage einfach zu teuer, um die Zusammenarbeit zu strukturieren und zu garantieren. Ich sehe das als eine  Bewegung Richtung Arbeitsunternehmer und Supertemps( hochausgebildete Freiberufler). Unternehmen werden also anders arbeiten müssen. So entwickelt sich ein neuer Begriff Organisieren 2.0. Gegen (einander) wird  Mit(einander).

Unternehmen bestehen nämlich, weil sie die Zusammenarbeit billiger als  der Markt organisieren können. Internet ermöglicht  heute Communities, die das viel billiger , schneller und vor allem besser können,  als die ganze Welt von Herren und Knechten. Darum passiert zurzeit das, was wir beobachten, die Geburt von Arbeitsmarkt 2.0.

Diese Bewegung hat schon mal vor 30 Jahren als Befreiung vom Taylorismus angefangen, worin  Unternehmen intensive Fabrikwirtschaften waren, wie es zutreffend von Jaap Peters formuliert wurde, worin wir wie Pommes in einer riesengroßen Schneidemaschine, genannt Unternehmen,  behandelt wurden.

Man sieht es auch ganz deutlich in der Politik, im Pflegesystem sowie in der Entertainmentbranche. Überall wächst der Einfluss einzelner Bürger und Arbeitnehmer. Bürgernetz, G 500, Social P2P Banken und Crowdfunding, interaktives Fernsehen, wobei Zuschauer selbst den Ablauf bestimmen, Kooperationen, Krankenhäuser, die (endlich!) ihre eigene Versicherung anbieten werden. Sehen Sie ein Pattern ?

Dort liegen meiner Meinung nach interessante Perspektiven für Organisieren 2.0.  Zusammenarbeit nicht als Befehl von oben sondern als persönliche Entscheidung. Von Lean & Mean zu Lean & Meaningful. Chase the vision not the money!

Wenn ich das mit der Zeit vor 15 Jahren vergleiche, wo ich schon mal darüber geschrieben habe, fällt  mir auf, dass wir uns heute solche Sachen nicht nur ausschließlich bedenken sondern auch durch die vorhandene Technologie auch tatsächlich implementieren können. Erst jetzt wird es Realität.

Was ich interessant finde ist eine Beobachtung, ob wir den Schritt  zum Wettbewerb 2.0 tun werden. Wettbewerb 1.0 bedeutet zusammengefasst:  Gewinnen ist Verlieren. Wettbewerb 2.0 ist dagegen Teilhaben ist das neue Gewinnen. Werden wir das wirklich  realisieren, oder wird das Organisieren 2.0 als Feigenblatt benutzt, um viel Geld mit den Wettbewerb 1.0-Prinzipien zu verdienen. Die Zeit wird zeigen. Und ich hoffe persönlich auf Wettbewerb 2.0.

Für viele Betroffenen scheint Teilhaben, Teilen eine richtige  Herausforderung zu sein. Viele sitzen hier noch in der sogenannten Klicks-Kultur,  Im Twitter wird nur das berichtet, was  Klicks für die eigene Clique  bringt. Alle interessanten und relevanten Beiträge werden dann strategisch ignoriert. Das ist nicht das Verhalten, das zum 2.0 -Trend gehört. Fachzeitschriften und Managermagazine verlieren viel durch diese Klicks-Kultur und  den Zwang zur Erhöhung der Leserzahl. Dieses Verhalten  ist sehr reaktiv, und dadurch schreiben diese Magazine oft über Sachen, die für mein Gefühl,  schon vor 10 Jahren allgemein bekannt waren, und was damals noch hätte berichtet werden können. Wenn  man im alten Geschäftsmodell gefangen sitzt, kann man  nichts anders, und man kommt nie auf eine Überholspur. Wer den Kanal hat, hat die Macht, aber fallen kann schmerzhaft und manchmal sogar sehr schmerzhaft sein.

Mehr Einfluss führt zu mehr Verantwortung. Wo man Macht ohne Verantwortungsgefühl ausübt, kann es zu einem großen Problem kommen. Das betrifft ausnahmslos uns alle.

Wir sind auf dem Weg zu Unternehmen  auf Projektbasis. Dadurch wird sich der Begriff  „ Unternehmen “ verändern. Genau wie bei den Dreharbeiten eines Films handelt es sich hier auch um  befristete Koalitionen von Professionals, die zusammen etwas Schönes machen, und dann wieder jeder seinen eigenen Weg  ab zur neuen Inspiration und neuen Kreationen gehen. Spannend, wie das konkret  aussehen wird. Wir werden immer mehr als natürliche Personen im Geschäftsleben auftreten und immer weniger als Rechtsperson.  Sie brauchen heute keine Rechtsperson (GmbH oder AG) mehr zu sein, um eine Finanzierung  mit dem  Crowdfunding  regeln zu können. Rechtspersonen sind heute eine Lösung, um  die Schuld für  eigene Tätigkeiten jemand anderem in die Schuhe zu schieben. Wenn Banken natürliche Personen wären, hätten wir jetzt keine Krise.

Es dauert durchschnittlich rund 40 Jahre, bevor eine Technologie, die uns erreicht hat, sich in unserem ‘DNA’, unseren Gesetzen und Strukturen  verankert hat. Davon hatten wir ca. 15-20 vor Internetzeit gehabt. Spannend, was noch auf uns zukommt!

 

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