Energie-Audits: Sparpotenziale erkennen, bevor es teuer wird

Angesichts der hohen Energiekosten ist ein sparsamer Umgang mit Strom, Wärme und Kälte gerade im deutschen Mittelstand ein Thema für die nächsten Jahre. Doch bevor vorschnell Dächer saniert oder Heizungen ausgetauscht werden, braucht es eine gründliche Bestandsaufnahme, erklärt Gastautor André Heid.

In den Chefetagen der deutschen Unternehmen herrscht seit Langem angespannte Stimmung. Besonders die Entwicklung der Energiepreise sorgt für Unruhe. Dieser Preisauftrieb ist nicht neu, hat sich aber seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine im Frühjahr 2022 nochmals massiv verschärft. Hinzu kommen die verschärften Auflagen und Abgaben, die Emissionen klimaschädlicher Gase teuer machen. Die gute Nachricht: Es gibt ein Patentrezept gegen immer höhere Ausgaben für Strom, Wärme oder auch den Kältebedarf gerade im industriellen Bereich. Das Zauberwort lautet „Effizienz“. Und hier sind viele Unternehmen bereits auf einem sehr guten Pfad.

Bereits im Jahr 2035 will die Hälfte aller Industrieunternehmen in Deutschland klimaneutral arbeiten. Das zeigt der Ende 2024 veröffentlichte „Energieeffizienz-Index“ (EEI), den das Institut für Energieeffizienz in der Produktion EEP der Universität Stuttgart seit 2013 halbjährlich erstellt. Befragt wurden dafür exakt 861 Teilnehmer. Das Energiemanagement gewinnt in Konzernen und im Mittelstand rasant an Bedeutung.

Viele Industrieimmobilien sind heute noch regelrechte Energie- und Stromschleudern

Die Energiefrage betrifft dabei nicht nur den Stromverbrauch von Maschinen – auch und besonders der Zustand der Werkshallen, Lager und übrigen Industrieimmobilien entscheidet über den Grad der Energieeffizienz und damit das reale Einsparpotenzial in Kilowattstunden und Euros.

Industrieimmobilien stehen bislang selten im Fokus der Energieeffizienz-Debatte. Dabei machen sie ein Drittel des Bestands aller Objekte bundesweit aus. Ein große Zahl an Hallen und Werken wird dabei noch immer mit fossilen Brennstoffen wie Öl oder Gas beheizt. Mal abgesehen von der bedenklichen Klimabilanz der Gasverbrennung: Zwar sind die Gaspreise zuletzt gesunken, doch das dürfte kaum von Dauer sein. Weiter schwelende oder offen ausgetragene globale Krisenherde lassen keine verlässliche Prognose für Energiepreise zu. Wer jetzt spart, sollte das Geld in energetische Sanierung investieren – nicht in Stillstand.

Beim Energieaudit schaut der Fachmann auf alle Prozesse – und mögliche Wärmebrücken

Das Energieeffizienzgesetz setzt klare Vorgaben für kleine und mittlere Unternehmen, aktiv zu werden – mit klaren Vorgaben und Fristen. Es fordert Einsparungen, Managementsysteme und ein Umdenken in der Gebäudestrategie. Energieeffizienz ist keine Kür mehr, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Besonders in Bereichen wie Druckluft, Pumpen und Lüftung schlummert enormes Einsparpotenzial.


Bis zu 44 Milliarden Kilowattstunden Strom könnten mit einer verbesserten Energieeffizienz jährlich eingespart werden. Das entspricht dem Jahresverbrauch ganzer Großstädte.

Häufig wird unterschätzt, wie viel Einsparpotenzial ein effektiver Umgang mit der Ressource Energie bietet. Unter dem Begriff Energiemanagement verstehen Experten daher die Planung, Überwachung und Kontrolle des gesamten Energieverbrauchs. Dies gelingt durch die Erfassung aller Verbräuche und deren Analyse. Die Idee ist es, die Energieeffizienz zu steigern, indem Einsparpotenziale ausgeschöpft werden. Dabei gilt: Gründlichkeit geht vor Tempo. Nur wer – ob Privathaushalt oder Unternehmen – seinen aktuellen Energiestatus exakt erfasst und Schwachstellen identifiziert, kann auf dieser Basis die Weiche in Richtung mehr Energieeffizienz legen. Wichtig ist es, die Stellschrauben zu entdecken, die den größten „Impact“ in Bezug auf eingesparte Energie und damit Kohlendioxidemissionen aufweisen. Maßnahmen lassen sich viele tätigen – es gilt die wirklich wirksamen herauszuarbeiten.

Und bei dieser Frage sind auch viele mittelständische Unternehmen oft auf sich allein gestellt. Gerade deshalb lohnt es sich für Unternehmen, ein professionelles Energieaudit erstellen zu lassen – um fundierte Entscheidungen zur Energieeinsparung zu treffen. Dies ermöglicht es, Schwachstellen zu erkennen und gezielte Maßnahmen zur Energieeinsparung zu ergreifen. Ein Energieberater analysiert den energetischen Zustand eines Gebäudes, identifiziert Schwachstellen und entwickelt individuelle Vorschläge zur Steigerung der En­er­gie­ef­fi­zi­enz – inklusive Wirt­schaft­lich­keits­be­rech­nung und För­der­mit­tel­be­ra­tung. Für qualifizierte En­er­gie­be­ra­tun­gen gibt es attraktive Förderprogramme – zum Beispiel vom BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Aus­fuhr­kon­trol­le) oder der staatlichen Förderbank KfW.

Energieeffizienz wird für deutsche Unternehmen immer entscheidender. Lassen Sie sich von der aktuell etwas entspannteren Preissituation etwa für Gas oder Strom nicht täuschen. Schaut man sich die Prognosen führender Marktbeobachter an, so herrscht große Einigkeit, dass die Strom- oder Gaspreise tendenziell wieder und weiter steigen werden. Daher duldet das Thema Energiemanagement keinen Aufschub – und sollte die häufig vergessenen Industrieimmobilien miteinschließen.

Zum Autor

André Heid ist Geschäftsführer der Heid Immobilien GmbH. Der Immobiliensachverständige hat sich auch auf Energieberatungen und Energieaudits spezialisiert.

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