Wenn bei der HUK-COBURG Versicherungsgruppe von E- Learning (elektronisch unterstütztes Lernen) gesprochen wird, dann wissen die Mitarbeiter: Es geht für sie darum, in der hauseigenen „huk-lernwelt“ sogenannte WBT´s (Web Based Trainings) zu bearbeiten. Im Mittelpunkt der geschlossenen Kursumgebung steht das Lernprogramm, zusätzlich gibt es für den Tutor und die Seminarteilnehmer die Möglichkeit, über bestimmte Tools (Diskussionsforum, Konferenz, Pinnwand, Tutor-Mail) miteinander in Kontakt zu treten. Die Teilnahme an diesen Tools ist freiwillig, sie dienen aber auch der Informationen, dem Erfahrungsaustausch und der Kommunikation in diversen Arbeitsgruppen, zu denen nur zugangsberechtigte Mitglieder eine Freischaltung erhalten und in denen gemeinsam Wissen generiert wird.

Bereits in den 1990er Jahren wurden Lernprogramme für Auszubildende und Mitarbeiter entwickelt und auf Stand-Alone-Rechnern zur Verfügung gestellt. Die Zielstellungen waren:

a) Für die Auszubildenden sollten per CBT (Computer Based Trainings) Grundinhalte und Basiswissen vermittelt werden, um den Präsenzunterricht effizienter durchzuführen (Zeit für mehr Übungsanteile und mehr Diskussionsmöglichkeiten). Gleichzeitig sollten auf diese Weise auch Reisekosten eingespart werden. b) Mitarbeiter sollten mit einem CBT auf Seminare vorbereitet werden.
Mit der Einführung von grafischen Anwendungen durch die Anwendungsentwicklung entstand eine verstärkte Nachfrage nach Lernprogrammen, um den Mitarbeitern die „neue Technik“ der Computernetzwerke näher zu bringen. Wirtschaftliche Aspekte traten in den Vordergrund: große Zielgruppen mussten innerhalb kürzester Zeit qualifiziert werden. Da kam die Methode E-Learning/WBT „gerade recht“. In einem gemeinsamen Projekt führten die Abteilungen IT und PE ein Projekt mit dem Titel „Lernen im Netz“ durch.

Die „huk.lernwelt“

Das Projekt „Lernen im Netz“ führte schließlich zur Einführung einer unternehmensweiten Lernplattform. 2001 wurde die Entscheidung gefällt, die Prozesse des E-Learning auf der Technologie der time4you GmbH aufzusetzen. Zur Auswahl standen drei Unternehmen, die sich um die Ausschreibung beworben hatten. Der Auftrag ging an die time4you GmbH. Ihre IBT® SERVER-Technologie erfüllte die Anforderungen der HUK-COBURG genau. Das System sollte unter anderem folgende Eigenschaften aufweisen:
- Kompatibilität und volle Integration in die vorhandene IT-Landschaft
- Modulares System
- Perspektivisch erweiterbar und damit zukunftssicher
- Die Möglichkeit der spezifischen Anpassung an die vorhandenen HUK-Inhalte.


Über die „huk.lernwelt“, so der Name der Lernplattform, werden alle E-Learning- Aktivitäten zentral gesteuert. Neben den traditionellen WBTs gibt es Arbeitsgruppen: Mitarbeiter mit ähnlichen Interessen wie zum Beispiel in der AG-Trainer tauschen in moderierter Form Erfahrungen aus, stellen Informationen zur Verfügung und machen so aus der E-Learning-Plattform in Ansätzen ein Werkzeug zum Wissensmanagement, mit dem Wissen wird generiert und Informationen dokumentiert werden sowie Erfahrungen weitergegeben.

Bereits 2002 folgte die Einführung der huk.lernwelt für die Sparte Krankenversicherung und für die Geschäftsstellen mit einem WBT „Einführung der grafischen Angebotsanwendung für die Krankenversicherung“. Mittlerweile haben alle Mitarbeiter Zugriff auf die huk.lernwelt, beispielsweise steht allen das WBT „E-Learning-Führerschein“ offen, das gemeinsam mit time4you entwickelt wurde, um sich mit dem Thema E-Learning vertraut zu machen. Darin werden Fragen beantwortet wie „Wie navigiere ich und wie bearbeite ich ein WBT? Wie lerne ich richtig und welche Tipps gibt es zu beachten?“. Diese und ähnliche Fragen werden beim E-Learning-Führerschein beantwortet.
Nach wie vor wird in der huk.lernwelt zwischen Kursen (mit WBT) und Arbeitsgruppen (Kommunikationsforen und Dokumentationstools) unterschieden. Die Kurse vermitteln gezieltes Wissen in drei möglichen Varianten:

- WBT zum ausschließlichen Selbststudium
- WBT mit tutorieller Betreuung
- Blended Learning: WBT mit tutorieller Betreuung und Präsenzphasen.

Die Methode des Blended Learning steht im Mittelpunkt. Durch die Mischung von Präsenz- und Online-Anteilen im Lernprozess soll der Lernerfolg gesteigert werden. Die kognitive Wissensvermittlung erfolgt schwerpunktmäßig über das WBT, Übungsphasen und praktische Fragen werden in der Präsenzphase durchgeführt bzw. bearbeitet. Interne Trainer bieten dazu eine tutorielle Betreuung an. Alle Trainer in der Personalentwicklung (PE) sind bislang bereits zu E-Tutoren weiterqualifiziert worden. Für Blended Learning Prozesse hat die PE Standards definiert.

Blended Learning

Mittlerweile werden über das integrierte Seminarmanagement auch die Blended Learning- Bildungsveranstaltungen von der Anmeldung bis zur Evaluation organisiert: der Seminarteilnehmer wird in der Online-Phase über ein Mail-System an die Bearbeitung erinnert (zwei Wochen vor Seminarbeginn, vier Tage und dann noch einmal zwei Tage vor Seminarbeginn) und alle Beteiligten (Führungsverantwortliche, der Trainer als Tutor, PE und die IT-Administration) können sich über „Sichten“ über den aktuellen Stand informieren. Damit wird die nachhaltige Bearbeitung von vorbereitenden Lernprogrammen sichergestellt. Tests und Zertifikate runden die WBT-Bearbeitung ab, die erfolgreiche Absolvierung und die Teilnahme fließen in die Bildungshistorie des Teilnehmers ein. Durch die nachhaltige Umsetzung gewinnt das Lernen mit WBTs innerhalb von Blended Learning-Szenarien deutlich an Verbindlichkeit.

Die Einsatzfelder sind vielfältig. Von Softwareanwendungen über Compliance-Themen bis zu Softskill- Themen, Office-Programmen und allen Versicherungs-Produktsparten werden viele Inhalte per E- Learning abgedeckt, denn keine andere Methode ist so flexibel und kann so schnell aktualisiert und angepasst werden. Eine Betriebsvereinbarung regelt die Rahmenbedingungen für zum Beispiel Lernen am Arbeitsplatz und während der Arbeitszeit. Die Führungskräfte haben dabei eine besondere Verantwortung: Sie stellen sicher, dass ihre Mitarbeiter ungestört und ausreichend lange lernen können.

Im Rahmen der Bildungsbedarfsermittlung werden Themen identifiziert, für die E-Learning geeignet ist. Je nach Ziel, Inhalt, Zielgruppe und Rahmenbedingungen entscheidet die Personalentwicklung nach didaktisch-methodischen und wirtschaftlichen Aspekten, ob für Qualifizierungsmaßnahmen die Methode E-Learning eingesetzt wird oder nicht. Dies erfolgt in enger Abstimmung mit den Fachabteilungen. Die Lerninhalte wurden zunächst extern erstellt. Die HUK-COBURG ging jedoch schnell dazu über, auch eigene Produktionen zu entwickeln, um damit intern flexibler agieren zu können. So existiert inzwischen ein kleines Team von WBT-Autoren, die in Zusammenarbeit mit der Fachabteilung und Personalentwicklung WBTs nach eigenen definierten Standards erstellt. Fachautoren aus den Fachabteilungen erstellen mit Hilfe eines Autorensystems inhaltlich die Lernprogramme. Konzeptionell, methodisch und technisch werden sie dabei von der Personalentwicklung (PE) und der Anwendungsentwicklung (AE) begleitet und beraten. Die Umsetzung erfolgt unter anderem über die Konzeption und Produktion sowie die Koordinierung aller am Prozess Beteiligten, wie zum Beispiel Fachabteilung, AE und Personalentwicklung.

Die huk.lernwelt war von Anfang so konzipiert, dass sie für jeden Mitarbeiter des Unternehmens grundsätzlich zugänglich ist. Das E-Learning-Angebot wird jedoch bedarfsgerecht erstellt. Jeder Mitarbeiter findet unter „seinen Kursen“ und „seinen Arbeitsgruppen“ die WBTs bzw. die Arbeitsgruppen, die er benötigt. Zusätzlich existiert ein Angebot von frei zugänglichen WBTs (z.B. E-Learning-Führerschein, Ergonomie, IT-Sicherheit). Ca. 8800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren davon. Es gibt derzeit ca. 70 Kurse und 20 Arbeitsgruppen.

Zukünftig Softskills und Integration der Seminarverwaltung

Welche Inhalte werden das E-Learning von morgen bestimmen? Was sind die Trends? Bei der HUK- COBURG gibt es eine Tendenz, E-Learning noch mehr für Softskill-Themen zu öffnen: Über ein WBT soll Faktenwissen (z.B. Grundlagen der Kommunikation) vor dem Seminar vermittelt werden, um in der Präsenzphase mehr Zeit und Raum für praktische Übungen und Rollenspiele zu gewinnen. Damit ändern sich die Anforderungen an die Programme: Sie müssen künftig mehr Betroffenheit vermitteln, die Mitarbeiter werden auf verschiedenen Ebenen mit dem zu vermittelnden Wissen konfrontiert. „Wir wollen nicht alles machen, was technisch möglich ist, sondern was didaktisch-methodisch sinnvoll ist“, heißt es bei den Verantwortlichen. E-Learning und Wissensmanagement rücken immer mehr zusammen. Virtuelle Besprechungen und Konferenzen stehen noch am Beginn der Entfaltung ihres vollen Nutzenpotenzials, die Mitarbeiter müssen sich erst an den Umgang mit neuen Lern- und Arbeitsmethoden gewöhnen.

Ein wichtiges Thema der Zukunft bleibt Nachhaltigkeit. Für das E-Learning bedeutet das, die Qualität der Umsetzung sicherzustellen. Im Rahmen von Qualifizierungsmaßnahmen organisieren die Führungsverantwortlichen mit ihren Mitarbeitern die WBT-Bearbeitung. Die Vermittlung folgt dabei nicht mehr nur dem Prinzip „lernen, wann, wo und wie lange man will“, sondern die Bildungsmaßnahmen sind in einem zuvor bestimmten Zeitraum durchzuführen.

Die Seminarverwaltung lief bislang über eine separate Softwareanwendung und soll zukünftig voll in die huk.lernwelt integriert werden. In der Praxis bedeutet dies eine deutliche Effizienzsteigerung, weil alle lernrelevanten Abläufe (Anmeldung, Durchführung, Umsetzung und Abschluss einer -Bildungsmaßnahme, egal ob es sich um E-Learning oder Präsenz handelt) über das neue System organisiert werden können.

„In der langjährigen Zusammenarbeit mit der HUK-COBURG sehen wir deutlich, wie es sich bewährt, von Anfang an auf eine zukunftssichere, voll integrierte und hochflexible Lösung zu setzen. Wir haben hier im fortlaufenden Austausch die schrittweise Weiterentwicklung der Bildungsprozesse und deren zunehmende technologische Entsprechung mit vollzogen und stets im Dialog die für die HUK- COBURG beste Lösung gefunden. Wir sind sehr stolz darauf, mit der HUK-COBURG bereits in den ‚frühen Jahren’ die ersten Schritte und bis heute den gesamten Weg gemeinsam gegangen zu sein. Auch die nächsten Ausbaustufen in Richtung eines stärker kommunikativ-kooperativ orientierten Lernens werden wir sehr gerne begleiten“, so das Fazit von Ute Scheffer, Leitung Sales, bei der time4you GmbH.


Quelle: time4you GmbH

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