Mobbing am Arbeitsplatz: Was kann die Personalabteilung tun?
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Key Takeaways
- Mobbing ist weit verbreitet – fast ein Drittel der Erwerbstätigen in Deutschland ist betroffen.
- Früherkennung und klare Kommunikationswege können Mobbing verhindern.
- Die Personalabteilung muss Vorfälle konsequent aufklären und gegen Mobbing vorgehen.
- Prävention beginnt bei klaren Werten und offener Unternehmenskultur.
- Rechtliche Schritte und Unterstützungsangebote leisten entscheidende Hilfestellung für Betroffene.
Inhaltsverzeichnis
Definition: Was versteht man unter Mobbing am Arbeitsplatz?
Mobbing am Arbeitsplatz beschreibt gezielte und anhaltende feindselige Aktionen, Schikanen oder Ausgrenzung gegenüber Beschäftigten – sei es durch Vorgesetzte oder Kollegen. Solch wiederholtes Verhalten kann für Betroffene enorme seelische und gesundheitliche Schäden verursachen und stellt ein ernstzunehmendes Problem in zahlreichen Unternehmen dar.
Statistiken zeigen: Fast ein Drittel aller Erwerbstätigen in Deutschland haben bereits Mobbing am Arbeitsplatz erlebt. Am häufigsten kommen diese Angriffe von Kolleginnen und Kollegen, gefolgt von Vorgesetzten. Damit Prävention möglich ist, sollte jeder im Unternehmen wissen, wo Mobbing beginnt und wie es sich äußert.
- Mobbing betrifft Unternehmen jeder Größenordnung
- Deutliche Zeichen sind schlechte Arbeitsatmosphäre und sinkende Leistungen
- Rechtliche Konsequenzen können folgen – Arbeitgeber sind zum Handeln verpflichtet
- Klare Werte und Unternehmenskultur können vorbeugen
- Vergehen müssen konsequent sanktioniert werden
Der Anfang: Wo beginnt Mobbing am Arbeitsplatz?
Nicht jedes Fehlverhalten zählt sofort als Mobbing. Oft ist es ein schleichender Übergang von alltäglichen Reibereien zu systematischem Mobbing. Erst wenn wiederholte Einschüchterung, Beleidigung, Entwürdigung oder Belästigung über Monate hinweg auftreten und die betroffene Person ernsthaft darunter leidet, spricht man von Mobbing.
Der entscheidende Punkt: Die Handlungen müssen absichtlich und regelmäßig geschehen. Ziel dabei ist häufig, die betroffene Person aus dem Team oder sogar dem gesamten Unternehmen zu drängen. Die Folgen zeigen sich meist in geringerer Motivation, Leistungsabfall und gesundheitlichen Problemen.
Beispiele für Mobbing im Unternehmen
- Eine Führungskraft kritisiert eine Mitarbeiterin regelmäßig vor dem Team und verbreitet persönliche Gerüchte
- Ein Teamleiter grenzt einen Kollegen systematisch von Projekten und Informationen aus
- Teammitglieder machen eine Kollegin schlecht, sabotieren ihre Arbeit oder versuchen gezielt, sie zu isolieren
Dabei wiederholen sich stets ähnliche Muster: Fachliche Kompetenz wird infrage gestellt, das Opfer ausgegrenzt, Leistungen werden absichtlich falsch dargestellt, und Gerüchte werden gestreut, um den Ruf gezielt zu schädigen.
Warnsignale und Ursachen für Mobbing am Arbeitsplatz
Um Mobbing frühzeitig zu stoppen, sollten Führungskräfte und Personalabteilung hohe Aufmerksamkeit für kritische Zeichen entwickeln. Dazu zählen:
- Sinkende Stimmung im Team oder in Abteilungen
- Leistungsabfall einzelner oder der gesamten Gruppe
- Steigender Krankenstand
- Häufiges Petzen über Kollegen
- Wiederholtes Fokussieren auf einzelne Personen
Oft liegen die Ursachen für Mobbing in Neid, Missgunst oder einem geringen Selbstwertgefühl. Kollegiale Konkurrenz und ausgeprägte Egos können einen Nährboden bieten. Die Betroffenen finden sich nicht selten völlig überraschend in einer Mobbingssituation wieder, weil etwa hohe Leistung oder ein gutes Verhältnis zur Führungskraft andere provozieren.
Folgen von Mobbing für Betroffene und Unternehmen
Mobbing bleibt nicht ohne Folgen. Betroffene Menschen zeigen oft Symptome wie Schlaflosigkeit, Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, und es kann zu ernsthaften psychischen und physischen Erkrankungen kommen. Auch das Unternehmen leidet:
- Leistungs- und Motivationsverlust einzelner sowie des gesamten Teams
- Steigende Fehlzeiten und Ausfälle durch Krankheit
- Kosten für Personalbeschaffung und Einarbeitung nach Kündigungen
- Nachhaltiger Imageschaden
- Verlust des Vertrauens der Mitarbeitenden in das Unternehmen
Mobbing am Arbeitsplatz: Gibt es rechtliche Konsequenzen?
Mobbing ist keineswegs eine Lappalie. Arbeitgeber sind laut Gesetz verpflichtet, für den Schutz der Persönlichkeitsrechte ihrer Mitarbeitenden einzustehen und Störungen wie Mobbing aktiv zu unterbinden. Verstöße können zu Abmahnung, Versetzung oder sogar Kündigung führen.
Auch arbeitsrechtliche und zivilrechtliche Schritte sind möglich, etwa wenn Beleidigungen, üble Nachrede oder sogar Körperverletzung im Spiel sind. Betroffene sollten frühzeitig handeln – idealerweise durch das direkte Gespräch mit Tätern (gegebenenfalls mit Zeugen), die Information von Vorgesetzten oder der Personalabteilung. Es ist wichtig, sich nicht unter Druck setzen zu lassen und im Zweifelsfall Unterstützung des Betriebsrats oder rechtlichen Beistands zu suchen.
Handlungsmöglichkeiten: Was kann die Personalabteilung gegen Mobbing tun?
Der wirkungsvollste Ansatz gegen Mobbing ist eine präventive Unternehmenskultur, die Werte wie Fairness, Respekt und Offenheit schon beim Onboarding neuer Mitarbeitender klar vermittelt. Es empfiehlt sich, Anlaufstellen wie eine Vertrauensperson oder unabhängige Beschwerdestellen einzurichten.
- Führungskräfte sollten regelmäßig für die Sensibilisierung gegenüber Mobbing geschult werden
- Klare Regeln und transparente, gerechte Arbeitsbedingungen beugen Konflikten vor
- Überlastung und ungleiche Arbeitsverteilung müssen vermieden werden
Kommt es doch zu einem Vorfall, muss die Personalabteilung handeln: Mit Gesprächen zwischen den Beteiligten, Sammeln und Bewerten der Fakten sowie konsequentem Einschreiten bei Fehlverhalten. Gegebenenfalls kann eine Mediation hilfreich sein. Ziel ist es, die Situation zügig zu klären, die Betroffenen zu schützen und klare Zeichen gegen jedes Mobbing zu setzen.
Fazit
Mobbing am Arbeitsplatz ist ein ernstzunehmendes Thema mit oft gravierenden Folgen für Betroffene und Unternehmen. Eine präventive Unternehmenskultur, aufmerksame Führungskräfte und eine engagierte Personalabteilung sind die wichtigsten Bausteine, um Mobbing zu verhindern und im Ernstfall entschlossen dagegen vorzugehen. Frühzeitiges Eingreifen und klare Maßnahmen können helfen, ein respektvolles Miteinander zu sichern und Motivation sowie Gesundheit aller Mitarbeitenden zu erhalten.
Weiterführende Impulse zur Führung und zum Umgang mit herausfordernden Situationen, die auch Mobbing-Prävention fördern, finden Sie in unserem Beitrag HRM Hacks: Führung in unsicheren Zeiten.
Zur tieferen Teamentwicklung und wie eine gute Teamdynamik Mobbing und Konflikte vermeiden hilft, empfehlen wir den Artikel Wenn Teams montags gern zur Arbeit kommen – was Teamentwicklung wirklich bedeutet.
Da Mobbing oft mit schlechten Arbeitsatmosphären und Kommunikationsproblemen einhergeht, ist es sinnvoll, die Bedeutung von ehrlicher Kommunikation und empathischer Führung nicht zu unterschätzen. Denkanstöße dazu gibt unser Beitrag HRM Hacks: Führung in unsicheren Zeiten.
Wichtig im Zusammenhang mit Mobbing ist auch das Thema Motivation trotz Unsicherheit im Arbeitsumfeld. Näheres dazu lesen Sie in HRM Hacks: Führung in unsicheren Zeiten.
Für eine nachhaltige Lösung von Konflikten innerhalb von Teams ist der systemische Ansatz geeignet, der im Artikel Wenn Teams montags gern zur Arbeit kommen – was Teamentwicklung wirklich bedeutet ausführlich behandelt wird.
FAQ
Wie erkenne ich Mobbing im Unternehmen?
Anzeichen sind u.a. wiederholte Ausgrenzung, ständiges Kritisieren, Verbreiten von Gerüchten oder systematische Demütigungen. Achten Sie auf die genannten Warnsignale im Team oder das Verhalten einzelner Mitarbeitender.
Was sollte ich als Betroffener tun?
Protokollieren Sie Vorfälle, holen Sie sich Unterstützung bei Betriebsrat, Vertrauensperson oder der Personalabteilung, und suchen Sie gegebenenfalls rechtliche Beratung. Warten Sie nicht, bis sich die Lage verschärft.
Ist Mobbing ein Kündigungsgrund?
Ja – sowohl Täter als auch Unternehmen sind rechtlich in der Verantwortung. Bei nachgewiesenem Mobbing sind arbeitsrechtliche Konsequenzen bis hin zur Kündigung möglich.
Wie kann die Unternehmenskultur helfen?
Eine offene Feedbackkultur, klare Werte und transparente Kommunikation fördern ein respektvolles Miteinander und erschweren Mobbing von Anfang an.
An wen kann man sich wenden?
Neben der Personalabteilung und Vorgesetzten stehen externe Beratungsstellen, der Betriebsrat und spezialisierte Beratungen für psychosoziale Gesundheit zur Verfügung.
