Willkommenskultur braucht Offenheit Beschäftigter. Die aber plagen Ängste

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Foto von Austin Distel

Alle Beteiligten mitnehmen –
Sorgen Einheimischer ernsthaft behandeln

Die letzte Erhebung aus dem Dezember 2014 und unter Beteiligung von 1010 Personen zeigte, dass die Befindlichkeiten der Befragten auf einer Skala von 34 Sorgen vor allem im Bereich Arbeitsmarkt, Zuwanderung und Asylwesen liegen; also bei Themen, die unweigerlich das Aufgabengebiet von Willkommenskultur-Management in Unternehmen tangieren.  Werden Zuwanderer als gesellschaftliches Problem wahrgenommen? Erweckt der hohe Ausländeranteil Ängste?  Wie besorgt sind Schweizer generell um ihren Joberhalt? Ein sensibles Management muss an diesen Fragen mit seinen Massnahmen ansetzen, um Offenheit und Toleranz bei Beschäftigten zu fördern; beziehungsweise auf Ablehnungen einzugehen.

Sorgen und daraus resultierende blockierende Verhaltensweisen sind keine Idiotie – wie Beschimpfungen in manchen Social media-Foren zum Syrien-Konflikt jüngst glauben machen, sondern sie sind allzu menschlicher Natur. Wer sich sorgt, möchte das äussern dürfen und oft sucht er  Entlastung. Dazu verhelfen ihm eine vernünftige Diskussion, Geduld, Fakten und Empathie. Je präziser Sorgen und Ängste benannt werden, desto besser lässt sich intervenieren. Furcht kann nur mit Fakten und Verständnis aus der Welt geräumt werden.  

Identitätsgefühl der Schweizer

Zuwanderung fordert immer und egal wo das Identitätsgefühl der Einheimischen heraus. Wie es mit diesem bestellt ist, darüber klärt die Umfrage ebenfalls auf. Schweizer definieren sich unter anderem über die Begriffe „Neutralität“ (20 Prozent), „Heimat“ (18 Prozent), „Sicherheit“ (18 Prozent), „Demokratie“ (acht Prozent) und „Patriotismus“ (sieben Prozent).

Das bedeutet für den Diskurs der zu gestaltenden Willkommenskultur in Unternehmen, dass Menschen je nach Migrationshintergrund (islamisch geprägte Staaten, Diktatur, Kriegsgebiet etc.) Gefühle bei Beschäftigten herausfordern könnten, weil sie mit völlig anderen Werten, Gegebenheiten oder gesellschaftlich gültigen Kodexen gelebt haben; und dies vielleicht auch zum Teil fortzusetzen wollen. Dass die kulturelle Vielfalt allerdings auf einem guten Weg ist, zeigt der Fakt, dass Schweizer laut Umfrage mehrheitlich stolz über das Zusammenleben im Lande sind (91 Prozent); eine gute argumentative Grundlage für die Willkommenskultur. Diese positive Nachricht lässt sich nur noch durch eine populäre Erkenntnis der Hirnforschung zuspitzen:Menschen generell sind nicht primär auf Konkurrenz eingestellt, sondern auf das friedliche Gelingen menschlicher Beziehungen.  


Die Sorgen im Einzelnen

Der Sorgenbarometer zeigt, dass 51 Prozent der Schweizer Arbeitslosigkeit als Hauptsorge definieren. Dies hinterfragt Credit Suisse kritisch: Möglicherweise stellten die Angaben eine nationale Solidaritätsbekundung dar. Lediglich sieben Prozent der Teilnehmer befürchteten nämlich den Verlust ihres Arbeitsplatzes im Laufe des Jahres 2015, und nur 14 Prozent stuften ihre Arbeitsstelle generell als eher oder gar nicht sicher ein.

Dabei will der Versicherer nicht abstreiten, dass die tatsächliche Arbeitslosenquote von zum Befragungszeitpunkt gültigen drei Prozent durchaus Besorgnisse befeuern kann. Umso wichtiger ist es, hervorzuheben, dass die Marke die Rekordergebnisse von 1993 (4,5 Prozent) und 2010 (3,9 Prozent) unterschreitet. Die laufende Quote für den August 2015 beträgt 3,2 Prozent.   

Auf Top zwei liegen Sorgen, die mit dem nach wie vor hohen Ausländeranteil verbunden sind. Ganze 40 Prozent der Befragten beschäftigen sich laufend mit der Zuwanderung. Zum Umfragezeitpunkt lag der Migrantenanteil bei 23,8 Prozent; bei den 20- bis 39-Jährigen sogar bei 33,2 Prozent.  

Auf Platz vier und damit nach dem Thema Altersvorsorge liegt das Asylthema. Nach wie vor werden sie von 26 Prozent der Bevölkerung als Problem wahrgenommen. Credit Suisse kommentiert: Die Sorgen stiegen und fielen parallel mit der tatsächlichen Anzahl an Asylgesuchen in der Schweiz; wobei der Spitzen-Sorgen-Wert von 45 Prozent aus dem Jahr 2004 weit unterschritten worden sei.

Vor allem Versicherer und Banken wollen aus geschäftlichen Gründen wissen, wovon Bürger sich bedrängt fühlen. Was diese ermitteln, interessiert auch die Öffentlichkeit. So verwundert es nicht, dass die alljährliche und bundesweite Umfrage des Forschungsinstitut gfs.bern im Auftrag der Credit Suisse unter stimmberechtigten Schweizern von Presse und Medien prominent aufgegriffen wird. 

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