Wiener Resilienz-Modell für Burnout-Prävention in Unternehmen

Das „Wiener Resilienz Modell“ (WRM)

Experten der Fachgruppe „Personenberatung und Personenbetreuung Wien“ haben im Vorjahr das „Wiener Resilienz Modell (WRM)“ entwickelt. Dieses neue Beratungsangebot soll Unternehmen und ihre Belegschaften unterstützen, die Dysstress-Probleme der modernen Lebens- und Arbeitswelten zu meistern. Unter Dysstress-Dynamik verstehen wir den „destructive stress“, der sich in Summe aller Belastungen aus dem Wechselspiel zwischen den Stressoren der Lebens- und Arbeitswelt bildet. Biologisch betrachtet braucht unser Organismus ein gesundes Maß an Belastung, das in Fachkreisen als Eustress (euphoric stress) bezeichnet wird. Das Wiener Resilienz Modell (WRM) zeigt, wie Menschen durch ein neues Lebensrollenmanagement Dysstress reduzieren können. Mit dem WRM erschließen die Personenberaterinnen und -berater psychosoziale Kraftquellen für Unternehmen. Sie unterstützen Organisationen dabei, ein modernes Gesundheitsmanagement aufzubauen, das Ernährung (FOOD), körperliche Fitness (MOVE) und Einstellung/Haltung (MIND) kombiniert. Ziel ist es, mit gesunden Methoden und natürlichen Ressourcen die Selbstheilungskräfte des Organismus zu optimieren.

Resilienz entwickeln

Manche Menschen sind von Natur aus in der Lage, mehr Probleme „wegzustecken“. Sie sind ganzheitlich sehr widerstandsfähig und kehren nach kurzen Perioden starker Belastung wieder ganz in ihre ursprüngliche Form zurück. Das ist vermutlich teilweise genetisch bedingt und in frühen Phasen der eigenen Biografie erworben worden. Diese „Resilienz“ (lat. resilire: zurückspringen‚ abprallen) oder psychische Widerstandsfähigkeit ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und sie durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen als Anlass für Entwicklungen zu nutzen. Resilienz ist ein Ausdruck der inneren Widerstandskraft, die wir uns in unserem bisherigen Leben angeeignet haben. Begünstigende Faktoren in der Kindheit sind zum Beispiel eine enge emotionale Herzensbindung zu mindestens einer Bezugsperson, erlebter Respekt und der Wunsch, als autonome Persönlichkeit akzeptiert zu werden, sowie erlebte soziale Unterstützung von außen. Doch auch Erwachsene können Resilienz lernen – durch gezielte Handlungen und Übungen.

Sieben Schlüsselfaktoren

Wir gehen heute davon aus, dass folgende sieben Schlüsselfaktoren Resilienz ausmachen:

1. Akzeptanz: Akzeptieren Sie, was passiert ist. Was geschehen ist, ist geschehen. Nehmen Sie die Chance zur Veränderung wahr. Dazu gehört auch die Fähigkeit, loslassen zu können. Es ist, was es ist. In Unternehmen ist diese Akzeptanz vor allem bei Veränderungen im Betrieb selbst oder in dessen Umfeld relevant. Wegschauen und ignorieren führen in diesen Situationen nicht weiter.

2. Optimismus: Vertrauen Sie darauf, dass es besser wird. Krisen sind zeitlich begrenzt und lassen sich überwinden. Im Unternehmen ist es wichtig anzuerkennen, dass die Situation gerade schwierig ist, aber wieder besser werden wird. Der Fokus auf positive Emotionen stärkt die Zusammenarbeit im Team.

3. Selbstwirksamkeit: Machen Sie sich sowohl Ihre Stärken und Fähigkeiten als auch Ihre Bedürfnisse bewusst. Bei der Übernahme von neuen Aufgaben ist es oftmals hilfreich, Vertrauen in seine Fähigkeiten zu haben und sich Dinge zuzutrauen, auch wenn Sie anfänglich noch Unterstützung benötigen.

4. Verantwortung: Übernehmen Sie Verantwortung für sich und Ihr Handeln. Erkennen Sie Ihre eigenen Leistungsgrenzen und stärken Sie Ihre Selbstreflexion. Es ist wichtig, die eigenen Überzeugungen immer wieder zu hinterfragen, neue Perspektiven einzunehmen und auch aus vergangenen Fehlern zu lernen.

5. Netzwerkorientierung: Was können Sie selbst aktiv angehen und wo benötigen Sie Unterstützung? Suchen Sie sich diese und nehmen Sie die Hilfe auch an. Dabei geht es vor allem um die Fähigkeit, mit anderen Kontakt aufnehmen zu können, sich in andere hineinzuversetzen, mit verschiedenen Persönlichkeiten zurecht zu kommen und somit letztlich etwa eine gute Führungskraft zu sein.

6. Lösungsorientierung: Gehen Sie proaktiv an Ihre Probleme heran! Schwierigkeiten sind da, um gelöst zu werden. Legen Sie den Fokus auf die Lösung, aber machen Sie sich bewusst, dass Sie diese nicht sofort parat haben müssen.

7. Zukunftsorientierung: Richten Sie den Blick auf Ihre Möglichkeiten und nutzen Sie diese mit Blick auf die Zukunft. So sollten Unternehmen eine Vision und strategische Ausrichtung verfolgen, ihre Ziele und Prozesse danach ausrichten, aber auch regelmäßig hinterfragen, ob der Weg noch stimmt.

Anwendungsbereiche: Die Faktoren im Zusammenspiel

Berufsaufgaben, die mit sitzender Computerarbeit zu tun haben, führen signifikant häufig zu Verspannungen und Schmerzen im Nacken-, Schulter- und Rückenbereich sowie zu Beschwerden der Augen. Diesen können Arbeitgeber entgegen wirken, wenn sie neben ergonomisch passenden Arbeitsplätzen und der entsprechenden Beratung durch den Betriebsarzt zusätzlich individualisierte Bewegungsprogramme für die Mitarbeiter anbieten. Die notwendigen Inhalte vermitteln sportwissenschaftliche Beraterinnen und Berater, zum Beispiel in Form von Übungen für das „bewegte Sitzen“ in Verbindung mit „Augenyoga“, die Mitarbeiter in ihren täglichen Pausen anwenden können.

Ernährungswissenschaftliche Berater informieren zusätzlich darüber, wie Mitarbeiter ihre Selbstheilungskräfte durch eine ausgewogene und gesunde Ernährung aktivieren können. So helfen sie dabei, Übergewicht oder Fehlernährung entgegen zu wirken und Probleme mit Energieabfall, Völlegefühl oder Magenbeschwerden zu lösen.

Ein weiteres Beratungsfeld betrifft psychophysische Beschwerden durch psychosoziale Stressoren (wie Zeitdruck, Mobbingdynamiken, Ängste und Sorgen), die in der Wirkungskette der „Sozio-Psycho-Neuro-Biologie“ (SPNB) zu Kopfschmerzen, Ermüdung oder zu Schlafstörungen wegen sorgenzentriertem Denken bis hin zur emotionalen Verstimmung (zwischen aggressiven und depressiven Episoden) führen. Bevor diese soziopsychosomatischen Beschwerdebilder in eine Krankheit münden, kann der psychosoziale Berater des WRM helfen, diese Dysstress-Spirale aufzuhalten. Dabei werden lösungsorientierte „Sinn-, Hoffnungs-, & Bewältigungsberatungen“ Anwendung finden, etwa durch das Bewusstmachen der eigenen Stress-Spirale und Anregungen dazu, wie man sie individuell auf allen Stationen heilsam umdrehen kann.

Tipp: Arbeitgeber können sich den ersten Schritt – die Beratung zum Anstoß dieses Prozesses – auch fördern lassen, zum Beispiel über fit2work, ein Programm des Sozialministeriums, das die AUVA mitfinanziert.

Zahlen & Fakten: Personenberatung in Wien

Im Jahr 2016 waren in Wien 995 Lebens- und Sozialberaterinnen und -berater aktiv (2012: 795). Außerdem gibt es aktuell 177 ernährungswissenschaftliche sowie 87 sportwissenschaftliche Beraterinnen und Berater in der Bundeshauptstadt (2012: 148 bzw. 50).

Webtipp

Weitere Infos zum Wiener Resilienz-Modell finden Sie im Dokument unten zum Download.

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