Wie deutsche Unternehmen ihre Mitarbeiter überwachen

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,555503,00.html, von Hasnain Kazim, 26.05.2008

(...) Der Fall (Telekom) ist Experten zufolge exemplarisch für das immer komplizierter werdende Umfeld, in dem Konzerne sich bewegen: mehr Technik, weniger Kontrolle, dazu immer aggressivere Wirtschaftsspionage. "Die Sicherheitsrisiken haben enorm zugenommen", sagte Klaus-Dieter Matschke vom Bund internationaler Detektive zu SPIEGEL ONLINE. "Nahezu alle Unternehmen, ob Autohersteller oder Banken, haben deshalb ihre Konzernsicherheit personell verstärkt." Offenbar sind sie dennoch überfordert: Rund 32 Prozent aller Aufträge externer Detekteien im Jahr 2007 waren Aufträge aus der Wirtschaft. Das Ziel: Informationen über Mitarbeiter gewinnen. (...)

"Technisch ist es überhaupt kein Problem herauszufinden, wer wann mit wem vom Bürotelefon aus gesprochen hat, welche Internet-Seiten angesurft und welche E-Mails geschrieben wurden", sagt der Frankfurter Rechtsanwalt Jan-Alexander Fortmeyer. "Arbeitnehmer sind in ihrem Verhalten oft sehr sorglos: Indem man private E-Mails schreibt oder Internetseiten von privatem Interesse ansurft, gibt man enorm viel von sich preis." Der Fall Telekom sei kein Einzelfall, sagt Fortmeyer. "Es gibt ein riesengroßes Dunkelfeld: Viele Firmen, selbst kleine, halten sich nicht an datenschutzrechtliche Bestimmungen." (...)

"Eine wachsende Gefahr, dass Unternehmen sich über Gesetze hinwegsetzen, sieht Oliver Gönner, Rechtsanwalt und Datenschutzexperte aus dem rheinland-pfälzischen Nickenich, in der zunehmend preiswerten Technik: Aus Bequemlichkeit und aus Kostengründen würden Firmen datenschutzrechtliche Bedenken beiseitewischen. "Kamera und Filmmaterial kosten heute kaum noch etwas", sagte er SPIEGEL ONLINE. "Also wird, anstatt erst einmal mit den Verdächtigten zu reden, einfach eine Kamera angebracht, obwohl das nur in ganz wenigen Ausnahmefällen erlaubt ist. Oder es wird gemessen, wie lange ein Vertriebsmitarbeiter telefoniert, um daraus Rückschlüsse auf seine Verkaufsleistung zu ziehen."

Passender Kommentar aus dem Spiegel-Forum: Tschüss BRD - Hallo DDR 2.0
Frei nach der Brecht-Devise: erst kommt das Fressen, dann die Moral.

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