Verständnis durch Haptik: Die 5 Sinne-Strategie von Karl Werner Schmitz

woman sitting at table
Foto von Campaign Creators

Kolumbus löste sein Problem mit einem gekochten Ei: Als man ihm vorwarf, jeder an seiner Statt hätte über den großen Ozean ins neue Land segeln können, da forderte er seine Missgönner auf, einmal ein Ei zum Stehen zu bringen. Nachdem das niemandem gelang, klopfte Kolumbus eine Seite des Eis an und stellte dasselbe auf den Tisch. Großer Protest: Das hätte ja jeder gekonnt. Kolumbus konterte: Klar, aber er habe es schließlich getan.

Mit dieser launigen Anekdote stellt Karl Werner Schmitz in seinem Buch sein Thema vor: Warum der Mensch besser begreift, wenn er alle seine fünf Sinne gebraucht oder entsprechend angesprochen wird. Der Autor gilt als Erfinder der haptischen Verkaufshilfen, die er auch in „Die Strategie der 5 Sinne“ vorstellt. Dazu nimmt er im ersten Teil etwas Anlauf, um auch Leser einzuführen, die nicht in Marketing und Vertrieb bewandert sind. Für alle, die nicht nochmal studieren wollen, warum eine Fenjala-Shampooflasche durch ihre haptische Griffigkeit besticht oder dass die Beck´s Bierwerbung funktioniert, weil es den Machern gelingt, ihr Produkt zu emotionalisieren: Das Buch beginnt auf Seite 113. Dann geht es mitten in die Materie der Haptik: Wie verdeutliche ich spielerisch …

… ein verzwicktes Thema?
… ein unbeliebtes Thema?
… abstrakte Ideen?
… Handlungsbedarf?
… Abläufe?
… Konsequenzen?
… Vorteile?

Schmitz haptische Lösungen führen buchstäblich zurück an den Legotisch. Der Autor stellt Holzfiguren, Klotzspiele, Puzzleteile, Thementeppiche (Geld z.B.), Metallkörper und anderes vor.

Die Idee hinter dem Haptikkonzept veranschaulicht das Buch durch eine Hilfe, die Karl Werner Schmitz mit dem renommierten Designer Jürgen R. Schmid entworfen hat. Zu sehen ist im Buch ein Bild von einer glatten weißen Kugel. Würde sie nun vor uns liegen, forderte uns Schmitz auf, sie zu öffnen. Das ließe sich leicht erreichen. Einfach die oberste Kappe abheben. Zum Vorschein käme eine schwarze innere Kugel. Schmitz würde die Kugel wieder an sich nehmen, die Kappe erneut aufsetzen, die Kugel auf den Tisch stellen, diese mit einem speziellen Handschwung drehen und violà: Zum Vorschein käme nun ein kleiner glänzende Gegenstand, der sich in der schwarzen Kugel befand. Diese haptische Hilfe verdeutlicht: Das reine Abheben bedeutet nur an der Oberfläche einer Sache zu kratzen, das andere aber heißt, sich eine Sache wirklich zu erschließen.     

Erstaunlich viele haptische Hilfen lassen sich auch in der Personalarbeit verwenden: zur Motivation, im Coaching, zur Problemdiskussion und vielem mehr. Schmitz‘ Argument gegenüber dem klassischen Einwurf „Am Flipchart zeigen und sagen reicht doch!“: Der Mensch begreift vor allem durch seinen Tastsinn, weil dieser bei allen Lebewesen ein dominanter ist. Die moderne Bürokultur bedient ihn leider zu wenig. Das erzeugt folgendes Phänomen: Hat der Mitarbeiter etwas verstanden? Ja, ja, ja. Hat er es auch begriffen? Nein.  Da könnten es Personaler einmal mit haptischen Hilfen probieren.  Die machen Konsequenzen sicht- und erlebbar.

Fazit: Das Buch ist ein echter Frischekick, bringt auf kluge Weise ein ungewöhnliches Thema zur Sprache und sorgt für viele Aha-Effekte. Mit vielen anschaulichen Beispielen und Ideen zur Verwendung. Nützlich für Personaler, Coaches und Trainer. Kaufen!

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