Thesen für die Qualitätssicherung für berufliche Weiterbildung

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Foto von Carlos Muza

1. These

Qualitätsmanagementsysteme (z.B. DIN ISO 9000) sagen einem Bildungsinteressierten nur peripher etwas über die pädagogische und didaktische Qualität eines Anbieters. Sie dokumentieren vielmehr, dass er seine Arbeitsprozesse und sein Management permanent überarbeitet.

2. These

Aufgrund der undurchsichtigen Fülle an Prüf- und Zertifizierungsverfahren wäre es sinnvoll, den Bildungsinteressierten dahingehend zu bilden, dass er eigenständig Angebote bewerten kann, ohne sich dabei an Experten halten zu müssen. Zum Beispiel durch Vermittlung von Grundlagenwissen in Didaktik, Aufbau des Erwachsenenbildungsmarktes oder pädagogische Konzepte. Und durch Erläuterung der Qualitätssicherungssysteme und dem, was sie bewerten.

3. These

Es ist für den Bildungsinteressenten wichtig, sich bei der Auswahl die Komplexität des Lernens und Lehrens immer wieder zu verdeutlichen und sich anzuhalten, sehr individuell gemäß seinen Bedürfnissen auszusuchen. Irrationale Pauschalisierungsforderungen gegenüber Prüfungskommissionen sind ungeeignet. So dürfen zum Beispiel die Freiheit der Lehre oder die individuellen Qualitätsvorstellungen der Verbraucher nicht eingeengt werden.

4. These

Prüfungskommissionen sollten mehr als bisher offen legen, wie sie was genau bei einem Anbieter geprüft haben, damit auch der Anwender sich ein Bild machen kann und nicht einfach nur ein Siegel hinnehmen muss.

5. These

Am Beispiel der Coaching-Zertifizierungen zeigt sich: es kann immer nur eine generelle Aussage über die fachliche Eignung eines Anbieters geben. Ob und wie dieser zu verschiedenen Firmen passt, kann aufgrund der Subjektivität und Zwischenmenschlichkeit in diesen Auswahlprozessen nicht attestiert werden. Andernfalls würde die Attestierung zu einem diskriminierenden Diktat einzelner Gesellschaftsgruppen gegenüber anderen geraten.

6. These

Es darf erwartet werden, dass Beteiligte von Prüfungskommissionen in dem, was sie prüfen, selbst eine fachliche Kompetenz besitzen, die bestenfalls durch ein Diplom oder langjährige Berufserafhrung gesichert ist. Und es darf erwartet werden, dass angekündigte wiederholte Überprüfungen tatsächlich stattfinden.

7. These

Die rechtmäßige Führung von Zertifikats- und Siegelführungen sollten in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden, um Missbrauch vorzubeugen. Der Verbraucher sollte bei den Prüfkommissionen nachfragen, wer was genau prüft, da sich herausgestellt hat, dass Kontrollen teilweise nur punktuell verlaufen, obwohl sie offiziell als flächendeckend angekündigt werden.

8. These

Einige Zertifikate erscheinen nur als Marketinginstrumente tauglich, dem Verbraucher bringen sie keinen Nutzen. Er vermutet hinter dem verkaufsanregenden Moment keine Verbesserung von Bildungsqualität.

9. These

Der Verbraucher muss bei seiner Angebotsauswahl bedenken, dass die Zertifizierung eines Anbieters nicht immer zwingend bedeutet, dass seine Angebote eine exzellente Qualität haben. Es stellt sich also die Frage: Was hat die Zertifizierung eines Anbieters mit seinem Angebot zu tun?

 

Sebastian Ofer

Chefredakteur bei HRM Research Institute

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