Tarifliche Ausbildungsvergütungen 2009: Stärkster Anstieg seit 14 Jahren

Typische Klauseln: Freistellung von der Arbeitspflicht
Typische Klauseln: Freistellung von der Arbeitspflicht

Das BIBB untersuchte die Ausbildungsberufe, in denen 88 Prozent der Auszubildenden ausgebildet werden. Dabei kam es zu folgenden Ergebnissen:

679 Euro brutto im Monat verdienten die Auszubildenden 2009 durchschnittlich in Westdeutschland. Die tariflichen Ausbildungsvergütungen erhöhten sich im Durchschnitt um 3,3 Prozent und damit deutlich mehr als im vorangegangenen Jahr mit 2,0 Prozent. In Ostdeutschland stiegen die tariflichen Ausbildungsvergütungen 2009 um 4,9 Prozent auf durchschnittlich 595 Euro im Monat – und somit wesentlich stärker als im Jahr zuvor (2,9 Prozent). Eine noch stärkere Erhöhung hatte es zuletzt im Jahr 1995 gegeben (West: 3,4 Prozent, Ost: 8,3 Prozent im Vergleich zu 1994).

Der Abstand zum westlichen Tarifniveau hat sich 2009 verringert: Im Osten werden jetzt 88 Prozent der westlichen Vergütungshöhe erreicht (2008: 86 Prozent). Für das gesamte Bundesgebiet lag der tarifliche Vergütungsdurchschnitt 2009 bei 666 Euro pro Monat und damit um 3,7 Prozent über dem Vorjahreswert von 642 Euro.

Erhebliche Unterschiede in der Vergütungshöhe gibt es zwischen den Ausbildungsberufen. Die mit Abstand höchsten Ausbildungsvergütungen wurden in West- und Ostdeutschland im Beruf Binnenschiffer/Binnenschifferin mit jeweils 949 Euro pro Monat erzielt. Hohe Vergütungen sind seit langem auch in den Berufen des Bauhauptgewerbes (zum Beispiel Maurer/Maurerin) tariflich vereinbart: Sie betrugen 2009 in Westdeutschland durchschnittlich 895 Euro und in Ostdeutschland 709 Euro pro Monat. Ebenfalls hoch waren die Vergütungen beispielsweise im Beruf Mechatroniker/Mechatronikerin mit durchschnittlich 842 Euro im Westen und 821 Euro im Osten sowie im Beruf Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzen mit jeweils 831 Euro.

Eher niedrige Ausbildungsvergütungen wurden dagegen zum Beispiel in den Berufen Maler und Lackierer/Malerin und Lackiererin (West: 421 Euro, Ost: 388 Euro), Friseur/Friseurin (West: 449 Euro, Ost: 269 Euro), Florist/Floristin (West: 460 Euro, Ost: 312 Euro) und Bäcker/Bäckerin (West: 478 Euro, Ost: 390 Euro) gezahlt.

Bei den ermittelten berufsspezifischen Durchschnittswerten ist zu beachten, dass häufig auch im gleichen Beruf die tariflichen Ausbildungsvergütungen je nach Region und Wirtschaftszweig erheblich voneinander abweichen. Zudem ist zu berücksichtigen, dass die tariflichen Ausbildungsvergütungen nur in der betrieblichen Ausbildung gelten. In der aus öffentlichen Mitteln finanzierten außerbetrieblichen Ausbildung erhalten die Auszubildenden in der Regel erheblich niedrigere Vergütungen, die hier nicht mit einbezogen sind.

Insgesamt verteilen sich die Ausbildungsvergütungen in den untersuchten Berufen im Jahr 2009 wie folgt: In Westdeutschland bewegten sich die Vergütungen für 52 Prozent der Auszubildenden zwischen 500 und 749 Euro. Weniger als 500 Euro erhielten 9 Prozent der Auszubildenden, wobei Vergütungen unter 400 Euro kaum vorkamen; 750 Euro und mehr gingen an 39 Prozent der Auszubildenden. In Ostdeutschland waren für rund 40 Prozent der Auszubildenden Vergütungen von 500 bis 749 Euro zu verzeichnen. Unter 500 Euro lagen die Vergütungen für weitere 40 Prozent der Auszubildenden, für 10 Prozent sogar unter 400 Euro. 21 Prozent der Auszubildenden erhielten eine Vergütung von 750 Euro und mehr.

Das BIBB errechnete auch die Vergütungsdurchschnitte für die weiblichen und männlichen Auszubildenden: Danach kamen in Westdeutschland die männlichen Auszubildenden auf durchschnittlich 692 Euro, die weiblichen auf 658 Euro. In Ostdeutschland betrug der Durchschnitt für männliche Auszubildende 610 Euro und für weibliche 569 Euro. Die abweichenden Vergütungsdurchschnitte erklären sich dadurch, dass junge Frauen häufiger in Berufen mit einer niedrigeren Ausbildungsvergütung anzutreffen sind als junge Männer.

Auch zwischen den Ausbildungsbereichen bestanden 2009 in West- und Ostdeutschland deutliche Unterschiede im Vergütungsniveau. Überdurchschnittlich hohe Ausbildungsvergütungen wurden in Industrie und Handel (West: 751 Euro, Ost: 656 Euro) und im Öffentlichen Dienst (West: 739 Euro, Ost: 740 Euro) erreicht. Unter dem jeweiligen Gesamtdurchschnitt lagen dagegen die Vergütungen im Handwerk, bei den Freien Berufen und in der Landwirtschaft. Zu berücksichtigen ist hier allerdings, dass insbesondere in den Bereichen Industrie und Handel sowie Handwerk die Vergütungen zwischen den einzelnen Berufen sehr stark differieren.

Bei allen Beträgen handelt es sich jeweils um die durchschnittlichen Vergütungen während der gesamten Ausbildungszeit. Für die einzelnen Ausbildungsjahre ergeben sich für 2009 folgende Werte:

  • In Westdeutschland betrugen die Vergütungen im 1. Lehrjahr durchschnittlich 610 Euro, im zweiten 673 Euro und im dritten 749 Euro pro Monat.
  • In Ostdeutschland beliefen sich die Ausbildungsvergütungen im 1. Lehrjahr auf durchschnittlich 534 Euro, im zweiten auf 597 Euro und im dritten auf 653 Euro pro Monat.

Weitere Informationen im Internetangebot des BIBB unter www.bibb.de/ausbildungsverguetung

Quelle: Pressemitteilung vom 5. Januar 2010

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