Talentmanagement-Software und Fachkräftemonitor strategisch einsetzen

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Foto von Product School

Webtipps

Der HR Trend Report 2015:
www.softselect.de/it-studien/
Talentmanagement-Software-2015

Talent Shortage Survey 2015:

www.manpowergroup.at/studien

Fachkräftemonitor Oberösterreich:
www.fachkraeftemonitor.at

Fachkräftemonitor Niederösterreich:
www.fachkraeftemonitor-noe.at

Ober- und Niederösterreich stellen 
Fachkräftemonitor bereit

Doch wo beginnt überhaupt Talentmanagement, wie lässt sich zukünftiger Bedarf und ein Mangel an talentierten Mitarbeitern auch ohne Talentmanagement-Software erkennen? Seit zwei Jahren bietet Oberösterreich für sein Bundesland eine Lösung an: Der webbasierte Fachkräftemonitor. Das Prognose-Tool für den Arbeitsmarkt erlaubt einen kostenlosen Einblick in die Fachkräftesituation in Oberösterreich und listet das Angebot vom Lehrabschluss bis zum Universitätsabschluss bis zum Jahr 2030 auf. Die Plattform ermittelt Angebot und Nachfrage von Fachkräften, stellt die daraus resultierenden Größen aus Fachkräfteangebot- und -nachfrage dar, und veranschaulicht individuell Engpässe und Überschüsse nach Branchen und Region im zeitlichen Ablauf. Zur jährlichen Berechnung der Daten nutzt die Plattform Daten von Statistik Austria, der Landesstatistik, des Arbeitsmarktservice, der Industriellenvereinigung und der Wirtschaftskammer. Für die Umsetzung ist die Darmstädter Wirtschaftsforschung GmbH (WifOR) verantwortlich. Der Fachkräftemonitor wendet sich an Unternehmen, die Politik, Sozialpartner, Berufsverbände und an diejenigen, die sich beruflich orientieren möchten.

Erst kürzlich, im Juni, hat auch Niederösterreich seinen Fachkräftemonitor (Abbildung 5) vorgestellt – dieser ist mit dem Fachkräftemonitor Oberösterreich identisch. „Es geht uns gemeinsam darum, wie wir den Wirtschaftsstandort und den Arbeitsplatzstandort Niederösterreich für die Zukunft fit machen können. In den letzten 20 Jahren konnten allein in Niederösterreich rund 90.000 Arbeitsplätze neu geschaffen werden“, bemerkt Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka. „Wir haben heute rund 6.000 Fachkräfte zu wenig in Niederösterreich, auf der anderen Seite fast 60.000 Menschen, die Beschäftigung suchen“, führt Sobotka weiter aus. Darum sei es erfreulich, dass mit dem Fachkräftemonitor ein Instrument zur Verfügung stehe, das auf Basis der Fakten der Gegenwart und den Erfahrungen der Vergangenheit neue Szenarien des Arbeitsmarktes für die Zukunft berechnen könne. Dadurch sei es möglich, Qualifizierungsprogramme zu optimieren, Arbeitsuchende besser ser zu informieren und auch Unternehmen optimaler zu beraten.

Die Präsidentin der Wirtschaftskammer Niederösterreichs, Sonja Zwazl, sieht es ähnlich. Niederösterreichs Wirtschaft brauche dringend qualifizierte Fachkräfte, diese seien der Schlüssel zum Erfolg. „Wir setzen mit dem Projekt Fachkräftemonitor einen wichtigen Schritt für den weiteren Erfolgsweg unseres Wirtschaftsstandortes“, blickt die Präsidentin voraus. AMS NÖ-Chef Karl Fakler ergänzt: „Jetzt haben wir ein gemeinsam vereinbartes und abgestimmtes Rechenmodell, wo wir wissen, wie viele zukünftige Fachkräfte in die HTL oder in eine Fachschule gehen.“ Daraus lasse sich dann ein Planungshorizont für Ausbildung, Berufsorientierung und für die Steuerung von Aus- und Weiterbildungsaktivitäten ableiten, beschreibt der AMS-Landesgeschäftsführer. Sandra Hofmann von WifOR meint: „Die differenzierte Betrachtung des Arbeitsmarktes trägt dazu bei, die Fachkräftediskussion zu entemotionalisieren. Damit wird eine Datengrundlage geschaffen, auf deren Basis entsprechende Maßnahmen abgeleitet werden können“.

Nach Oberösterreich und Niederösterreich könnten indes bald weitere Länder folgen. „Wir stehen aktuell mit anderen österreichischen Bundesländern in Gesprächen zum Fachkräftemonitor“, berichtet Hofmann. Ähnlich wie in Deutschland strebe WifOR auch in Österreich eine Ausbreitung des Fachkräftemonitors an, um auch hier bundeslandübergreifende Entwicklungen in den verschiedenen Branchen, Tätigkeitsfeldern und Qualifikationen zu ermöglichen.

„Der Fachkräftemangel nimmt weltweit zu“, weiß Erich Pichorner, Managing Director der ManpowerGroup Österreich. Heuer sei der höchste globale Wert seit Beginn der Wirtschaftskrise erreicht (Abbildung 1). „Auch wenn in Österreich die Zahl leicht zurückgegangen ist, bedeutet dies keine Entspannung“, mahnt er an.

Die größten Schwierigkeiten haben Österreichs Arbeitgeber laut den Studienergebnissen bei der Besetzung von Facharbeitern/Handwerkern, Technikern und Fahrern. Darauf folgen Assistenz/Bürokräfte, Manager und Executives sowie Vertriebsmitarbeiter. Ingenieure, IT-Fachkräfte, Finanz- und Rechnungswesen sowie Krankenschwestern/-pflegern schließen die Top Ten ab.

Platz  1   | Facharbeiter/Handwerker
Platz  2   | Techniker
Platz  3   | Fahrer
Platz  4   | Assistenz/Bürokräfte
Platz  5   | Manager und Executives
Platz  6   | Vertriebsmitarbeiter
Platz  7   | Ingenieure
Platz  8   | IT-Fachkräfte
Platz  9   | Finanz- und Rechnungswesen
Platz  10 | Krankenschwestern/-pfleger

Anzahl der Befragten: 752
Besetzungsprobleme: 39 %
Keine Besetzungsprobleme: 61 %

Österreichs Unternehmen sehen vor allem
einen Mangel an Facharbeitern/Handwerkern und
an Technikern. (Quelle: ManpowerGroup Österreich)

46 Prozent der österreichischen Arbeitgeber geben an, dass sich der Fachkräftemangel negativ auf die Befriedigung der Kundenbedürfnisse auswirkt – 20 Prozent berichten über einen starken, 15 Prozent über einen mittleren und elf Prozent über einen geringen Einfluss. Die Konsequenzen von Fachkräftemangel seien neben der verminderten Fähigkeit, Kundenbedürfnisse zufriedenzustellen (78 Prozent), eine minimierte Wettbewerbsfähigkeit/Produktivität (55 Prozent), eine geringere Mitarbeiterloyalität/Arbeitsmoral (49 Prozent), eine minimierte Innovationskraft und Kreativität (47 Prozent), höhere Kompensationskosten (44 Prozent) sowie erhöhte Mitarbeiterfluktuation (43 Prozent).

Als Gründe für den Fachkräftemangel nennen österreichische Arbeitgeber das Fehlen von geeigneten Kandidaten beziehungsweise Bewerbern überhaupt (48 Prozent) sowie den Mangel an Hard Skills (43 Prozent) und Soft Skills (20 Prozent). „Alarmierend ist für mich“, sagt Pichorner, „dass 31 Prozent der Befragten derzeit noch keine Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel setzen, obwohl mit fast 46 Prozent fast jeder zweite heimische Arbeitgeber angibt, der Fachkräftemangel wirke sich negativ auf die Befriedung der Kundenbedürfnisse aus.“

Einsatz von Talentmanagement-Lösungen steigt 

Dabei verfolgen bereits 91 Prozent eine systematische Strategie zur Gewinnung, Bindung und Förderung von qualifizierten Mitarbeitern – davon 77 Prozent mit Unterstützung einer professionellen Talentmanagement-Software. Einen Zugewinn versprechen sich die Unternehmen damit insbesondere in den Bereichen Personalentwicklung, Recruiting und Performancemanagement. Die Nutzung von Software in HR hat damit in den letzten Jahren zugenommen. 2013 hatte noch nicht einmal die Hälfte (45 Prozent) der befragten Unternehmen Softwarelösungen im Einsatz. Am häufigsten setzen Unternehmen Talentmanagement-Lösungen heute im Bereich Recruiting und Bewerbermanagement (70 Prozent) sowie für die Personalentwicklung (63 Prozent) ein (Abbildung 3). „Mit dem Fachkräftemangel steigt die Nachfrage nach Recruiting- und Talentmanagement-Lösungen, um im wachsenden Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt talentierte und qualifizierte Mitarbeiter zu identifizieren, anzuwerben, fachlich zu fördern und dauerhaft dauerhaft an das Unternehmen zu binden“, macht Michael Gottwald, Geschäftsführer von SoftSelect, deutlich.

Jedes sechste Unternehmen plant darüber hinaus in den kommenden 36 Monaten Investitionen in diesen Bereichen. Bei anstehenden Investitionsentscheidungen nennen die Befragten dabei insbesondere einen hohen Funktionsumfang, Durchgängigkeit, Ergonomie, Standardisierung und niedrige Gesamtbetriebskosten als wichtige und sehr wichtige Kriterien. 

Ganzheitliche Talentmanagement-
Strategien für nachhaltigen Erfolg

Dabei ist den Personalabteilungen bewusst, dass sie Talentmanagement für einen langfristigen Erfolg stets ganzheitlich begreifen müssen. Das bedeutet, dass Firmen vor allem die Bereiche Recruiting, Personalentwicklung und Performancemanagement übergreifend betrachten sollten, um die fähigsten Köpfe für sich zu gewinnen und zu fördern (Abbildung 4, S. 17). „Denn die besten Employer-Branding-Kampagnen und ansprechendsten Karrieresites auf Facebook nützen wenig, wenn die anschließenden Bewerbermanagement- und Onboarding-Prozesse nicht darauf abgestimmt sind“, so Sascha Grosskopf, Demand Generation Manager EMEA bei Cornerstone OnDemand und Initiator der Studie. „HR muss sich vom Denken in starren Silos verabschieden und in integrierte Prozesse investieren“, fordert er.

Die Ergebnisse der Studie stimmen Michael Gottwald hoffnungsfroh: „Die Unternehmen in der DACH-Region sind offenbar auf einem guten Wege, Talentmanagement und Personalentwicklung zu systematisieren und auf eine neue Stufe zu heben. Dies steigert nicht zuletzt die Mitarbeiterzufriedenheit deutlich und wird sich über kurz oder lang in Form von Produktivitätszugewinnen auswirken.“

Immer mehr Unternehmen schätzen
die Bedeutung von Talentmanagement
als hoch oder sehr hoch ein


Ein Gegenrezept könnte ein professionelles Talentmanagement sein. Der im Juni veröffentlichte HR Trend Report 2015 des Beratungs- und Marktforschungshauses SoftSelect in Kooperation mit dem Talentmanagement-Softwareanbieter Cornerstone OnDemand zeigt, dass Talentmanagement als strategisches Instrument für die Identifikation, Gewinnung und Entwicklung von Talenten in den Unternehmen immer mehr an Bedeutung gewinnt. 92 Prozent der Unternehmen stufen die Relevanz von Talentmanagement heute als hoch oder sehr hoch ein (Abbildung 2). In der Vorgängerstudie aus dem Jahre 2013 lag dieser Wert noch bei 78 Prozent. An der Studie nahmen 163 große und mittelständische Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teil.

Quelle: personal manager | Ausgabe 5/2015 | www.personal-manager.at

Sebastian Ofer

Chefredakteur bei HRM Research Institute

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