Stellenmarkt-Report 2012: Internet-Kanälen gehört die Zukunft

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Foto von Jesus Kiteque
In der nächsten Ausgabe des Nachschlagewerks „stellenmarkt aktuell“, das Mitte Dezember erscheint, finden Sie weitere Ergebnisse der Studie wie einen ausführlichen Ländervergleich.

www.stellenmarkt-aktuell.at

Diesen ausführlichen Studienbericht stellen wir Ihnen außerdem demnächst hier zum kostenfreien Download zur Verfügung.

Für ihr Recruiting geben die Unternehmen teilweise viel Geld aus. Jeder fünfte Betrieb hat ein jährliches Budget von mehr als 50.000 Euro (20 Prozent) zur Verfügung. Zwischen 10.000 und 50.000 Euro für das Recruiting-Budget bewegen sich 27 Prozent der Personalabteilungen. Mit einem Budget von unter 1.000 Euro müssen 14 Prozent der an der Studie beteiligten Unternehmen auskommen.

Eine eigene Recruitingabteilung beziehungsweise einen HR-Verantwortlichen für ihr Recruiting haben mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen (58 Prozent). In drei Viertel der Fälle hat die Recruitingabteilung bis zu 5 Mitarbeiter (76 Prozent). Es gibt aber auch Abteilungen mit mehr als 30 Beschäftigten, die sich um die Beschaffung neuen Personals kümmern (5 Prozent).

Unternehmen haben ihre Belegschaften vergrößert

Nahezu alle an der Studie beteiligten Unternehmen haben im zurückliegenden Jahr neue Mitarbeiter eingestellt (92 Prozent). Diese neuen Mitarbeiter haben aber nicht nur Mitarbeiter ersetzt, die das Unternehmen verlassen haben. Die meisten Betriebe haben ihren Personalbestand im Jahr 2011 nämlich erweitert (57 Prozent). In 27 Prozent der Unternehmen ist die Zahl der Mitarbeiter gleich geblieben. Nur in 14 Prozent der befragten Unternehmen ist er geschrumpft.

Bemerkenswert: Die meisten Unternehmen rechnen damit, dass sie auch im kommenden Jahr ihre Belegschaft ausbauen. Das trifft auf fast jedes zweite Unternehmen zu (49 Prozent). Dass der Personalbestand abnehmen wird, davon gehen lediglich 14 Prozent aus. Ein knappes Drittel erwartet, dass er gleich bleibt (32 Prozent).

Fachkräfte, Projektleiter und Abteilungsleiter sind „Mangelware“

Vor allem Führungskräfte, Projekt- und Abteilungsleiter benötigen die befragten Unternehmen derzeit am dringendsten: 39 Prozent suchen Mitarbeiter für diese Positionen. Zudem halten sie vor allem nach Mitarbeitern für den Vertrieb und die Kundenbetreuung (36 Prozent) sowie für die Administration und Verwaltung (30 Prozent) Ausschau. Um Fachkräfte für Technik und Produktion bemüht sich nahezu ein Drittel der Studienteilnehmer (32 Prozent). In der Liste des dringend benötigten Personals folgen: IT-Experten (26 Prozent), Mitarbeiter für Controlling, Buchhaltung und Finanzen (24 Prozent) sowie Mitarbeiter für Marketing (13 Prozent).

61 Prozent der Teilnehmer geben zu, dass sie Probleme haben, ihre offenen Stellen zu besetzen. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 58 Prozent. Vor allem bei Fachkräften, Projektleitern und Abteilungsleitern (22 Prozent), Fachkräften für Technik und Produktion (19 Prozent) sowie beim IT-Personal (17 Prozent) haben die Firmen Schwierigkeiten passenden Kandidaten zu finden. Den deutschen Betrieben fällt es offensichtlich schwerer, geeignete Kandidaten zu finden, als denen in den beiden Nachbarländern: Zwei Drittel der deutschen Unternehmen (66 Prozent) geben an, Schwierigkeiten bei der Personalbeschaffung zu haben. In der Schweiz sind es 54 Prozent und in Österreich gar nur 43 Prozent.

Eigene Website stellt andere Recruitingkanäle in den Schatten Die eigene Website hat im vergangen Jahr am stärksten an Bedeutung gewonnen und ist aktuell am beliebtesten, wenn es darum geht, neue Mitarbeiter für vakante Positionen zu finden. 81 Prozent der befragten Unternehmen setzen auf die Firmen-Homepage und deren Karriereseiten. 2011 hatten lediglich 57 Prozent der Umfrageteilnehmer angegeben, dass sie auf diesem Weg versuchen, Mitarbeiter gewinnen. Auf Platz zwei der Recruitingkanäle folgt mit 72 Prozent das Inserat in Jobbörsen. Diese Möglichkeit auf eine offene Stelle hinzuweisen hat damit leicht an Bedeutung verloren: Im Vorjahr entschieden sich noch 78 Prozent dafür. Auch Inserate in Tageszeitungen müssen Federn lassen – vor allem in Deutschland (42 Prozent, Vorjahr 51 Prozent) und in der Schweiz (39 Prozent, Vorjahr 52 Prozent). Empfehlungen von Mitarbeitern, Initiativbewerbungen und interne Stellenausschreibungen nehmen inzwischen einen größeren Raum im Recruitingmix ein.

Bereits jedes vierte Unternehmen schaltet auch Stellenanzeigen auf Social Media. In Deutschland ist dabei ein leichter Zuwachs zu verzeichnen (31 Prozent, Vorjahr 28 Prozent). Zudem recherchieren deutsche Personaler inzwischen häufiger aktiv nach passenden Kandidaten in sozialen Netzwerken (31 Prozent, Vorjahr 26 Prozent).

Inserate in Jobbörsen haben die größten Erfolgsaussichten Bei den Erfolgsaussichten hat sich die Einschätzung der Studienteilnehmer jedoch in die andere Richtung verschoben: In der Studie 2011 lag die Nutzung der eigenen Website noch auf dem Spitzenplatz unter den erfolgreichen Recruitingkanälen. Nun erreicht sie zwar exakt dasselbe prozentuale Ergebnis (40 Prozent), rutscht damit aber auf den dritten Platz ab. Überholt wurde die „eigene Website“ vom „Inserat in Jobbörsen“ (47 Prozent) sowie den „Empfehlungen von Mitarbeitern“ (43 Prozent), mit denen die Unternehmen zumindest laut Studie bessere Erfahrungen gemacht haben. Aber auch mit den „traditionellen“ Inseraten in Tageszeitungen scheinen die Firmen durchaus zufrieden zu sein. Mit immerhin 27 Prozent folgt dieser Recruitingkanal gleichauf mit den persönlichen Kontakten auf Platz 4. Headhunter und Personalvermittler belegen mit 23 Prozent Platz fünf.

Stellenanzeige in sozialen Netzwerken tragen bisher noch nicht sehr stark zum Erfolg im Recruiting bei. 6 Prozent der Unternehmen konnten darüber ihre offenen Stellen besetzen.

Social Media auf dem Vormarsch

Das Internet hat als Suchinstrument im Recruiting wie im Vorjahr die besten Zukunftsaussichten. Soziale Netzwerke (32 Prozent), Jobbörsen (30 Prozent) sowie die eigene Website (28 Prozent) stehen auf den ersten drei Plätzen, wenn es um die Recruitingkanäle geht, die Unternehmen zukünftig stärker als bisher nutzen wollen. 24 Prozent der Personaler möchten zudem noch intensiver in sozialen Netzwerken nach geeigneten Kandidaten suchen.

Die „traditionellen“ Rekrutierungswege wie Inserate in Fachmagazinen und Tageszeitungen sind aber nicht ganz passé und können sogar wieder mit Steigerungsraten rechnen – wenn auch in geringerem Ausmaß (10 Prozent beziehungsweise 7 Prozent).

Hochschulmarketing ist im Employer Branding Trumpf Auf die Frage, welche Instrumente im Employer Branding die Unternehmen für die Gewinnung von Mitarbeitern nutzen, äußern 35 Prozent aller Befragungsteilnehmer, dass sie sich vor allem durch Hochschulmarketing positiv als Arbeitgeber darstellen. An zweiter Stelle der Employer-Branding-Aktivitäten steht die Teilnahme an regionalen Karrieremessen (34 Prozent). Auch in ihren Stellenanzeigen möchten die Unternehmen zeigen, warum sie für potenzielle Bewerber anziehend sind: 31 Prozent der Studienteilnehmer nutzen diese Möglichkeit.

Xing bleibt Nummer 1 im Social Web

Erstmals hat der Stellenmarkt-Report auch ermittelt, welche sozialen Netzwerke die Personaler bevorzugen. Xing liegt dabei erwartungsgemäß mit 37 Prozent bisher noch auf Platz 1. Doch jedes fünfte Unternehmen veröffentlicht bereits auch Stellenangebote auf Facebook. LinkedIn spielt hierzulande derzeit keine so große Rolle – in der Schweiz hingegen ist das Netzwerk beliebter als Facebook (Abbildung 5). Die Unternehmen gehen in den sozialen Medien aber auch aktiv auf die Suche nach geeigneten Kandidaten. Abbildung 6 zeigt, welche Social-Media-Anwendungen sie dabei bevorzugen.

Viele Unternehmen nutzen die sozialen Netzwerke auch dazu, Informationen über potenzielle Kandidaten herauszufinden. Laut Studienergebnis nutzt dabei fast jede zweite Firma das Netzwerk Xing, um Informationen über Bewerber zu recherchieren.

Ausblick

Fast alle an der Studie beteiligten Personaler glauben, dass mit dem demografischen Wandel große Veränderungen auf ihr Unternehmen und ihre Arbeit zukommen. Lediglich 7 Prozent vertrauen darauf, dass der demografische Wandel keine Auswirkungen haben wird – noch einmal zwei Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. 70 Prozent hingegen erwarten, dass es in bestimmten Branchen und Qualifikationsstufen schwieriger wird, qualifizierte Mitarbeiter zu finden.

Deshalb werden die meisten Betriebe wohl in Zukunft stärker aktiv werden müssen, um gute Leute in ihren Betrieben zu halten. Dies geben 64 Prozent an, während es für 42 Prozent bereits feststeht, dass ihre Belegschaft im Durchschnitt altern wird. Dass sich aufgrund des demografischen Wandels die Arbeit auf weniger Mitarbeiter verteilen wird, halten aber nur 18 Prozent der Studienteilnehmer für wahrscheinlich.

Einzelne Studienteilnehmer erwarten darüber hinaus einen Verdrängungswettbewerb durch die Abwanderung einheimischen Personals und die Zuwanderung ausländischer Erwerbspersonen. Außerdem gehen sie davon aus, dass sich die Qualität der Bewerber bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen verschlechtert. Viele Betriebe stellen sich bereits heute auf den demografischen Wandel ein: Sie bieten flexible Arbeitszeitmodelle an (43 Prozent), achten auf die ergonomische Gestaltung der Arbeitsplätze (41 Prozent) oder haben ein Gesundheitsmanagement im Unternehmen installiert (37 Prozent).

27 Prozent haben die Altersstruktur ihrer Belegschaft untersucht: Während in manchen Betrieben das Durchschnittsalter bei 23 Jahren liegt, geht es in anderen auf 52 Jahre hoch. Vor allem die Betriebe mit einem hohen Durchschnittsalter der Belegschaft haben weitere Maßnahmen ergriffen. So bemühen sie sich verstärkt darum, viele Nachwuchskräfte einzustellen, starteten Employee-Branding-Aktivitäten oder initiierten bessere Aufstiegschancen für ältere Mitarbeiter.

Über den Stellenmarkt-Report 2012

Der Stellenmarkt-Report untersucht die Rekrutierungsaktivitäten österreichischer, deutscher und schweizerischer Unternehmen. Die jährliche Studie erscheint bereits in der vierten Ausgabe. 444 Teilnehmer füllten den Fragebogen komplett aus – darunter 257 Personalverantwortlich aus Deutschland, 168 aus Österreich und 19 aus der Schweiz. Unter den Teilnehmern an der Studie finden sich auch in diesem Jahr vor allem Personalleiter und Personalchefs, aber auch Geschäftsführer und CEOs, Linienmanager und Mitarbeiter aus HR-Abteilungen, Führungskräfte außerhalb von HR sowie Trainer und Weiterbildungsanbieter.

83 Prozent der Studienteilnehmer arbeiten für privatwirtschaftliche Unternehmen, 9 Prozent für Non-Profit-Organisationen und 8 Prozent für öffentliche Verwaltungen. Mehr als die Hälfte der Unternehmen, die den Fragebogen ausfüllten, beschäftigen mehr als 250 Mitarbeiter (56 Prozent), fast ein Viertel haben 50 bis 249 Beschäftigte (23 Prozent). 11 Prozent der Befragten sind für kleine (10 bis 49 Beschäftigte) und 10 Prozent für Kleinstbetriebe (weniger als 10 Mitarbeiter) tätig. Die Studienteilnehmer kommen vor allem aus dem Dienstleistungsbereich (15 Prozent), Unternehmen aus der Beratungsbranche und von Produktions- und Industrieunternehmen (je 14 Prozent).

Weitere Informationen: www.stellenmarkt-aktuell.at

 

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