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Foto von Matt Hoffman

Das Überthema der SeLC 2016 ist “Social Learning – lernen
gemeinsam statt einsam”. Was sind aus Ihrer Sicht die
wichtigsten Vorteile, wenn Unternehmen Social Learning einführen?

Als erstes möchte ich gerne klarstellen, dass man Social Learning gar nicht “einführen” muss. Mitarbeiter lernen am Arbeitsplatz bereits voneinander als Ergebnis davon, dass sie in ihren Teams und Gruppen zusammenarbeiten – bislang wurde das nur nicht erkannt oder wertgeschätzt.

Neue soziale Technologien können dies unterstützen, indem sie es Mitarbeitern ermöglichen, Inhalte oder Erfahrungen miteinander auszutauschen – was bedeutet, dass Social Learning weit besser ausgeschöpft werden kann. Mitarbeiter lernen voneinander, während sie ihrer täglichen Arbeit nachgehen. Wichtig ist für mich, dass Social Learning nicht nur in organisierten, formellen Veranstaltungen (wie etwa im Klassenzimmer oder in einem Onlinekurs) stattfindet, sondern jeden Tag und als integraler Teil der Arbeit.

Was für Bedingungen braucht es in einem Unternehmen, 
damit Social Learning sich entfalten kann?

Es ist aus meiner Sicht  nicht sinnvoll, Leute dazu zu zwingen, sozial zu sein, oder mit Druck soziale Verhaltensweisen durchzusetzen. Was am Ende unter solchen Bedingungen herauskommt, sind gefügige anstatt engagierte Mitarbeiter. Damit sich Social Learning entfalten kann, braucht es eine vertrauensvolle, transparente Firmenkultur, die einen gegenseitigen Austausch vorbehaltlos unterstützt.

Können soziale Firmennetzwerke (Enterprise Social Networks)
diesen Bedarf decken? Was können wir aus Beispielen guter Praxis lernen?

Ein Firmennetzwerk kann Mitarbeitern einen Raum für den internen, nichtöffentlichen Austausch bieten – aber ihnen muss der Sinn des Austausches bewusst sein, und sie werden es sicher nicht nutzen, wenn es als zusätzliche Aktivität zu ihrer täglichen Arbeit daherkommt. Noch einmal: es reicht nicht, ein internes Firmennetzwerk einzuführen und zu sagen, „So, jetzt fangt an, euer Wissen miteinander zu teilen“. Unternehmen, die soziale Firmennetzwerke erfolgreich nutzen, haben vorher Zeit damit verbracht, ihren Mitarbeitern verständlich zu machen, was es bedeutet, sozial zusammenzuarbeiten und wie es in ihren Arbeitsalltag hineinpasst. 

In Ihrem Blogartikel “2016 Rethinking workplace learning” sagen Sie, dass das Lernen am Arbeitsplatz eine völlig neue Denkweise benötigt. Zum Beispiel eine, die „Lernen am Arbeitsplatz in ALLEN seinen Formen wertschätzt, und bei dem es nicht nur darum geht, Kurse und Inhalte FÜR die Mitarbeiter zu organisieren, sondern selbstorganisiertes Lernen zu ermutigen, zu ermöglichen und zu unterstützen.“

Diese Veränderung in der Denkweise ist für viele Unternehmen wahrscheinlich die grösste Hürde, um voran zu kommen. Während einige instinktiv erkennen, dass dies der richtige Weg ist, und in der Lage sein werden, ihren Mitarbeitern dabei zu helfen, ein modernes Verständnis von Lernen am Arbeitsplatz zu entwickeln, wird es bei anderen Unternehmen noch eine Weile dauern.

Aber, wie ich neulich auch geschrieben habe, können Weiterbildungsverantwortliche eine wichtige Rolle dabei spielen, ihren Unternehmen in diesem Veränderungsprozess zu helfen – dafür müssen sie ihre Einstellung jedoch zuerst selbst ändern, als Teil ihrer eigenen professionellen Entwicklung.  

Was werden die Teilnehmer der SeLC aus Ihrer Keynote mitnehmen?

Dass der Begriff  „Social Learning“ viele verschiedene Dinge in einem Unternehmen bedeuten kann – das heisst, dass es viel mehr ist als soziale Technologien zu formellen Kursen hinzuzufügen – und dass Social Learning zu ermöglichen und zu unterstützen auch bedeutet, eine Reihe von neuen Herangehensweisen zu übernehmen. Ich werde versuchen, ihnen dabei einige Tipps und Hilfestellungen zu geben – auf einer ganz praktischen Ebene.

Was sind die grössten Hürden, die eine erfolgreiche Implementierung von Social Learning
erschweren, traditionelle Kurrikula und Herangehensweisen an betriebliche Bildung,
die Firmenkultur oder die Technologie?

Jeder dieser Aspekte für sich genommen oder auch alle gleichzeitig! Allerdings geht es nicht darum, „Social Learning zu implementieren“. Sie können die Technologien dafür implementieren, aber das heisst noch nicht, dass Social Learning auch stattfinden wird. Das funktioniert nur, wenn die Firmenkultur das unterstützt (und nicht erzwingt). Zudem hilft es zu erkennen, dass Social Learning eher durch soziale und kollaborative Technologien wie soziale Firmennetzwerke oder Intranets unterstützt wird, als durch separate Lernplattformen.

In Ihren Top 100 Tools für das Lernen sind soziale Dienste für das Netzwerken und den Austausch sehr dominant. Gleichzeitig haben Unternehmen Probleme, das vorhandene Wissen allen Mitarbeitern zugänglich zu machen. Suchen Wissensarbeiter deshalb zunehmend ausserhalb ihres Unternehmens nach Antworten, die sie für ihre Arbeit brauchen?

Zweifellos! Durch den schnellen und einfachen Zugang zum Internet, zu webbasierten Services und zu Menschen in sozialen Netzwerken haben sie nun die Mittel an der Hand, ihre Performanceprobleme selbst zu lösen. Und sie tun dies auch immer öfter.

Veranstaltungstipp

Keynotevortrag SeLC:

Understanding social learning in the workplace

Jane Hart, Gründerin des Centre for
Learning & Performance Technologies (C4LPT)
Dienstag, 12. April 2016, 10:00 – 10:45 Uhr
Holiday Inn Zürich Messe 

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