Successfactors, gegründet 2001 im kalifornischen San Mateo, ist seit 2007 an der Börse notiert. Den eigenen Angaben zufolge hat das Unternehmen 15 Millionen zahlende Cloud-Nutzer bei 3.500 Kunden in 168 Ländern und beschäftigt rund 1.450 Menschen. Mit dem Kaufpreis von 3,4 Milliarden Dollar habe SAP rund den zehnfachen Wert der Einnahmen von Successfactors im Jahr 2011 bezahlt, heißt es auf der Website des Branchenanalysten Bersin & Associates. Interessant für SAP sei nach Gesprächen mit Verantwortlichen vor allem die "In-memory"-Datenbank-Architektur des Unternehmens und die Möglichkeiten im Bereich Business Analytics. Diesen Bereich habe Successfactors selbst erst vor wenigen Jahren zugekauft, er sei weit von einer modernen SaaS-Architektur entfernt. Da vom Talentmanagement-Angebot Successfactors kaum die Rede sei, sieht Bersin es als erwiesen an, dass SAP vor allem die Software und -Kompetenz im Bereich Cloud Computing nutzen wird.

Bersin stellt in Frage, ob die Kunden, die bereits Successfactors nutzen, aber ein anderes ERP-System als SAP einsetzen, Interesse daran haben, die Zusammenarbeit auszubauen. Von den mehr als 3.000 Kunden seien das immerhin 84 Prozent.
Fragen wirft auch die Produkt-Integration auf. Das ERP-basierte Talentmanagement sei auf lange Sicht getrieben von Integration und Leistungsmerkmalen. Potenzielle Kunden würden wissen wollen, warum die Successfactors-SAP-Lösung besser integriert, multi-funktionaler und einfacher zu benutzen sein soll als eine Taleo-Peoplesoft-Lösung oder ein Oracle-System. In dem stark fragmentierten Markt für HR-Software müssten beide Unternehmen eine konsequente Roadmap für die Integration verfolgen, um den Kauf zu einem Erfolg zu machen.

Gerade letzter Punkt stärkt Bersins Zweifel, denn SAP habe schließlich über zehn Jahre in die Entwicklung des eigenen Learning-Management-Systems sowie eigener Talentmanagement-Software etc. gesteckt. Die Integration von Successfactors würde jedoch die Innovationsgeschwindigkeit bremsen und Kapazitäten binden, wie auch die Integration von Sybase gezeigt habe. Generell hätten die ersten wenig gelungenen Versuche der großen ERP-Anbieter wie SAP, Oracle oder Peoplesoft den Erfolg kleinerer Anbieter wie Successfactors in diesem Bereich erst ermöglicht. Bei der Innovationsgeschwindigkeit, die Talentmanagement-Software-Anbieter treibe, sei nur zu hoffen, dass die Integration hier keinen Stillstand bringe.

Successfactors-Chef Lars Dalgaard kommt dabei eine besondere Rolle zu, denn er wechselt in den SAP-Vorstand und ist ab sofort für den Geschäftsbereich Cloud-Computing des Unternehmens verantwortlich. Ob diese Rolle und das neue Unternehmen zu ihm passen, ist für Bersin nicht auf den ersten Blick selbstverständlich. Unklar sei auch, wer die Führungsverantwortung bei Successfactors tatsächlich übernehme, denn die neue Aufgabenvielfalt von Dalgaard lasse das kaum zu.

Gleichzeitig zeigt sich Josh Bersin überzeugt, werde die Übernahme die Anstrengungen der Konkurrenz verstärken, ihr Angebot positiv darzustellen und die Zusammenarbeit auszubauen. Auf der anderen Seite sei nicht klar, wie Successfactors mit Kunden verfahre, die nicht SAP einsetzen. Und das Übernahme-Karussell dreht sich weiter. Mit Wirkung vom 6. Dezember verkündete Successfactors die Übernahme des Recycling- und Employer-Branding-Software-Anbieters Jobs2Web.

Mehr dazu unter anderem unter www.bersin.com.

Sie finden Successfactors auf der Personal Swiss , Stand E.10.

Artikel: Gudrun Porath

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