Die Berliner Experten von index Strategisches Personalmarketing legen in diesem Zusammenhang nun eine umfassende Analyse der Bewerber-Websites der Zeitarbeitsbranche vor. Anhand eines, mehr als 50 Fragen umfassenden Kriterienkatalogs wurden dabei die Internetseiten von insgesamt 300 überwiegend deutschen und einigen österreichischen Zeitarbeitsfirmen untersucht. Teil der Analyse waren unter anderem die Bereiche „Erreichbarkeit, Usability, Nutzerführung“, „Unternehmenspräsentation“ „Darstellung des Angebots für Mitarbeiter“, „Kontaktmöglichkeiten“, „Verlinkung“ und „Aktualität“. Die Ergebnisse zeigen, dass ein Großteil der Websites von Zeitarbeitsfirmen nicht optimal aufgestellt ist.

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Foto von Patrick Perkins

Dabei stellt gerade das Konzept der Zeitarbeit besondere Anforderungen an die Außendarstellung. Neben einigen Vorteilen für den Zeitarbeiter – wie zum Beispiel die Chance, in eine Festanstellung beim entleihenden Unternehmen überführt zu werden oder die Möglichkeit, umfassende Erfahrungen zu sammeln, Kontakte zu knüpfen und Fachkenntnisse zu erwerben – gibt es allerdings auch Kritik am Zeitarbeitsmodell. Ein von häufigen Wechseln geprägter Arbeitsalltag, unflexiblere Urlaubszeiten, eine geringere Bezahlung und die Ungewissheit, wann und für welchen Zeitraum der nächste Job kommt, sind Kritikpunkte, die häufig thematisiert werden.

Nur mit einem umfangreichen Informationsangebot und einer überzeugenden Unternehmensdarstellung kann der Kritik begegnet und dem Bewerber das nötige Vertrauen in die Zeitarbeit und den jeweiligen Anbieter vermittelt werden. Deshalb kommt es auf den Websites der Zeitarbeitsfirmen darauf an, potenziellen Bewerbern spezifische und umfassende Informationen zu präsentieren. Nur wenn der Bewerber sich ausreichend gut informiert und beraten fühlt, kann ein vertrauensvolles Verhältnis entstehen. Doch die Realität sieht derzeit anders aus, wie die Ergebnisse der Studie von index belegen.

Geeignete Bewerber zu finden wird angesichts des Fachkräftemangels immer schwieriger. Viele Unternehmen setzen deshalb mittlerweile auch bei Stellen in höher qualifizierten Bereichen vermehrt auf das Angebot von Zeitarbeitsfirmen. Die Zahl der Beschäftigten in der Zeitarbeit hat sich in den letzten zehn Jahren verdreifacht. Doch mittlerweile hat auch die Zeitarbeitsbranche Probleme, geeignete Bewerber zu akquirieren. Die Rekrutierung neuer Mitarbeiter ist für viele Zeitarbeitsanbieter damit zum vorrangigen Erfolgsfaktor und zur wichtigsten Aufgabe geworden.

Der wichtigste Kanal im Kampf um gutes Personal ist heute das Internet – es ist für Jobinteressenten die logische erste Quelle, um im Vorfeld einer Bewerbung Informationen zu sammeln. 90 Prozent aller Jobinteressenten informieren sich zuerst im Internet über mögliche Arbeitgeber.Ein entscheidendes Element im Recruiting ist dabei die Firmen-Website. Zeitarbeitsfirmen, aber auch Unternehmen müssen besonders hier eine überzeugende Strategie und nachvollziehbare Argumente bieten, um Interessenten zu Mitarbeitern zu machen.

 

Gerade für die Zeitarbeitsunternehmen, die so nah am Personalmarkt agieren wie kaum eine andere Branche, sind diese Resultate ein Alarmsignal, doch nach unserer Einschätzung lassen sich die Ergebnisse in weiten Teilen auch auf die Karriere-Webseiten klassisch beschäftigender Unternehmen übertragen. Die Recruiting-Potenziale, die das Web bietet, werden viel zu wenig genutzt. Ein Luxus, den sich sowohl die Zeitarbeitsbranche als auch die Unternehmen angesichts der demografischen Entwicklung in Zukunft nicht mehr leisten können. Erforderlich ist vor allem eine glaubwürdige, attraktive und lebendige Darstellung als Arbeitgeber. Gleichzeitig sollten die multimedialen und dialogischen Ansätze, die das Web bietet, viel aktiver genutzt werden. Videos oder Social-Media-Einbindung beispielsweise finden sich noch immer recht selten. Durch die Nutzung sozialer Netzwerke erhöht sich der Aktionsradius im Web erheblich und Interessenten können mit den Firmen in einen Dialog treten. Fakt ist aber auch, dass diese Kommunikationskanäle intensiv und langfristig betreut werden müssen.

Für die Websites von Zeitarbeitsfirmen ist eine klare Unterteilung in abgegrenzte Bereiche für Unternehmen und Bewerber besonders wichtig. Beide Gruppen haben unterschiedliche Informationsinteressen und -bedürfnisse, die erfüllt werden sollten. Während es auf einer Unternehmensseite besonders darauf ankommt, eine möglichst überzeugende Darstellung als Arbeitgeber zu gewährleisten, sollte eine Zeitarbeitswebsite vor allem nah am Nutzer agieren und ihn über die Modalitäten der Zeitarbeit aufklären.

Schon auf der Startseite sollte eine klare Unterteilung in einen Bereich für Unternehmen und für Bewerber ersichtlich sein. Unternehmen haben vor allem ein Interesse daran, wie und in welchem Umfang sie von der Zeitarbeitsfirma bedient und betreut werden. Bewerber sind hingegen an Informationen über mögliche Einsatzgebiete und Aufgaben, sowie an einer schnellen Vermittlung in eine Anstellung interessiert.

Im Durchschnitt erreichten die Websites der Zeitarbeitsfirmen lediglich 160 von insgesamt 420 möglichen Punkten. Das entspricht 38 Prozent der Gesamtpunktzahl. Kein Unternehmen erzielte mehr als 71 Prozent der Punkte. Besondere Defizite bestehen bei der Darstellung des Angebots für potenzielle neue Mitarbeiter und bei weiterführenden Informationsangeboten, wie zum Beispiel Broschüren oder Videos. Für Kandidaten fehlen vor allem Hinweise zum Gehalt, zu Perspektiven bzw. Entwicklungschancen im Unternehmen oder zur Gestaltung der Einarbeitungsphase. Im Bereich „Vertiefende Info-Angebote“ wurde das Potenzial von zusätzlichem Informationsmaterial noch nicht erkannt. Videos beispielsweise werden in Zukunft eine wichtige Rolle im Recruiting-Prozess spielen, da sie eine gute Mischung aus Emotion und Information liefern, und so eine Firma optimal in kurzer Zeit repräsentieren können. Derzeit werden sie allerdings noch kaum eingesetzt.

Auf den Websites wird zwar oft kommuniziert, welche Anforderungen ein Kandidat erfüllen muss und welche Aufgaben ihn im Unternehmen erwarten. Viele wichtige Fragen, die sich potenzielle Bewerber stellen, werden jedoch nicht beantwortet, wie zum Beispiel: Welche Möglichkeiten hat der Bewerber, sich innerhalb des Unternehmens weiterzubilden? Welche Aufstiegschancen bestehen? Gibt es Benefits für Mitarbeiter? Damit fehlen positive Anreize für eine Bewerbung.

Mit 71 Prozent der Gesamtpunktzahl schneidet der Personaldienstleister Manpower in der index-Studie am besten ab. Er überzeugt unter anderem durch eine klar strukturierte Startseite, die sofort die separaten Bereiche für Bewerber, Unternehmen und Interessenten an einer internen Karriere bei Manpower aufzeigt. Im Bewerberbereich kann sich der Interessent über aktuelle Jobangebote informieren, indem er direkten Zugang zu den Stellenanzeigen hat. Er kann diese per Mail oder über Social-Media-Kanäle weiterleiten oder sich direkt von der Website aus bewerben. Im Bereich der Unternehmensdarstellung überzeugt Manpower durch Informationen zu den Aufgabenbereichen bzw. Einsatzgebieten der zukünftigen Mitarbeiter sowie zu den einzelnen Standorten, den bedienten Branchen und zum Firmenleitbild. Das Informationsangebot wird abgerundet durch eine allgemeine Unternehmensbroschüre und die Einbindung von News zu Karrierethemen.

Auch die zweitplatzierte Robert Half Deutschland GmbH konnte im Bereich Social Media punkten. Sie erreichte 70 Prozent der Gesamtpunktzahl und liegt damit nur knapp hinter Manpower. Schon auf seiner Startseite bietet der Dienstleister weiterführende Materialien und Services für Bewerber, wie beispielsweise einen aktuellen Gehaltsspiegel, eine kostenlose App und einen Coaching-Test zum Download an. Neben der klar strukturierten Oberfläche und der intuitiven Nutzerführung überzeugt die Robert Half GmbH auch durch die Einbindung von News zum Unternehmen und zu karriererelevanten Themen.

Sollten Rückfragen entstehen, hat der Bewerber die Möglichkeit, sich an einen persönlichen Ansprechpartner zu wenden. Weiß ein Bewerber schon genau, welche Stelle er sucht, führt ihn eine detaillierte Suchmaske zu den entsprechenden Stellenanzeigen.

Fazit: Ein umfangreiches Informationsangebot sowohl für Bewerber als auch für Unternehmen sind wichtige Faktoren, die den Recruiting-Prozess beeinflussen. Die Optimierung der Bewerber-Websites ist dabei häufig sogar ohne größeren zeitlichen und finanziellen Aufwand möglich. Voraussetzung ist eine professionell und sorgfältig erarbeitete Web-Strategie und eine zeitgemäße, zielgruppengerechte Umsetzung. Ohne diese Anpassungen werden es Unternehmen und Zeitarbeitsfirmen in Zukunft schwer haben, geeignetes Personal zu finden.

 

© Rainer Sturm / www.pixelio.de