nicole_truchseß

00:00:06
Alexander Petsch: Die HRM Hacks, Tricks, Tipps und Hilfe für Ihre HR-Herausforderungen und HR-Strategien. Denn der Mensch ist der wichtigste Faktor für den Erfolg Ihres Unternehmens. Glückauf und herzlich willkommen zu den heutigen HRM Hacks! Mein Name ist Alexander Petsch, ich bin der Gründer des HRM Institutes, euer Gastgeber. In unserer heutigen HRM Hacks Folge spreche mit Nicole Truchseß zu Hacks für Telefonkompetenz als Future Skills. Nicole Truchseß ist Geschäftsführerin von Truchseß & Brandl, einer Unternehmensberatung für Sales, Recruiting und Leadership, mit, ich sage mal, einem ordentlichen Footprint, auch in der Zeitarbeit und in der Personaldienstleistung auf der Kundenseite. Und Buchautorin von mehreren Büchern, unter anderem zu Recruiting, eine tolle Referentin und Speakerin. Und ich freue mich, dass du heute da bist. Herzlich willkommen, Nicole!

00:01:08
Nicole Truchseß: Danke, Alexander. Ich freue mich auch sehr, dass ich dabei sein darf.

00:01:13
Alexander Petsch: Ja, Telefonkompetenz als Future Skill. Sag mal, im Zeitalter von Videocalls und Co. ist da das Telefon überhaupt noch… Hat das noch eine Zukunft, frage ich mal?

00:01:27
Nicole Truchseß: Ja, wie heißt es? Back to the future oder irgendsowas? Nee, es ist tatsächlich so, dass es sich seltsam anhört, wenn man von Zukunft oder Future Skills spricht und dann über Telefonkompetenz redet. Aber lass uns vielleicht mal auch das Thema Videocalls, weil du das gerade angesprochen hast, vielleicht auch definieren, weil ich auch immer wieder mitbekomme, dass das sehr unterschiedlich definiert wird. Was verstehst du denn, Alexander, unter Videocalls?

00:01:56
Alexander Petsch: Na, ein Videocall ist für mich also sozusagen so eine Teams-Sitzung oder eine Google-Meet-Sitzung oder eine Sitzung… Also jedenfalls irgendwas, wo ich den anderen sehe und ein Mikro oder ein Headset aufhabe und miteinander spreche, ja, per Datenleitung.

00:02:13
Nicole Truchseß: Ja, also klar. Also ich sag mal, ob jetzt per Datenleitung oder der Telefonhörer in die Hand oder das Handy, tatsächlich geht es mir wirklich um die Telefonkompetenz, wie kann man zuhören, wie kann man kommunizieren? Und das, was du jetzt sagst, per Videocall, dass man sich sieht, geht ja meistens dem voraus, dass ich tatsächlich einen Termin vorher mit dem… Mit der Ansprechperson, der gewünschten Zielperson vereinbart habe. Das heißt, dass ich vorher per E-Mail vielleicht Kontakt aufgenommen habe und es zu einer Terminvereinbarung kam. Also irgendjemand muss dem anderen ja was zuschicken, Link oder eine Terminvereinbarung oder über Calendly, dass jemand sich einträgt. Das ist dann quasi die nächste Stufe der Telefonkompetenz. Aber wovon ich jetzt wirklich spreche, ist… Weil das immer noch de facto wichtig ist, auch es zu schaffen, mit dem Empfang zu sprechen, weil eben viele sich doch nicht durchschalten lassen, man die Durchwahl nicht bekommt, sich Leute nicht in Calendly eintragen und und und. Oder auch tatsächlich ganz klassisch in den verschiedenen Vertriebsorganisationen das Telefon klingelt und Anfragen entgegengenommen werden, recht Oldschool. Aber Tatsache, im Jahr 2023 ist das noch so und ich sage voraus, dass es auch eine Zeit lang noch so sein wird.

00:03:32
Alexander Petsch: Okay, also, ich sage mal, unser Schwerpunkt ist heute Zeitarbeit. Ich glaube, dass es da schon noch ein bisschen anders tickt als in vielen anderen Bereichen, es vielleicht schon anders tickt, sage ich mal. Also viele meiner Kunden oder Peers, mit denen ich viel zu tun habe, ich hätte gesagt, ein Teil davon hat gar kein Telefon mehr.

00:03:53
Nicole Truchseß: Also, das haben viele von… Also, ich sage mal so, ich bin ja viel im Contracting auch zu Hause. Im Contracting ist es so, dass die auch kein Telefon oft mehr dabei haben, sondern wirklich ihren Laptop und damit wird auch telefoniert. Mit MS Teams, etc. Nichtsdestotrotz kommen die, wenn die einfach jetzt nicht Videocalls machen, sondern mit MS Teams telefonieren, dennoch am Empfang zum Beispiel raus oder müssen hier eben eine Telefonkompetenz aufweisen können, wie sie mit demjenigen sprechen. Da haben dann die einen oder anderen auch Schwierigkeiten damit. Klar, das klassische Telefon, das gibt’s noch in den einen oder anderen Firmen, natürlich auch in der Personaldienstleistung. Aber ich war oder bin sehr viel in IT-Firmen unterwegs, in IT-Dienstleistungen, die wirklich auch extrem gut aufgestellt sind, was Digitalisierung oder Automation, KI-gestützte Themen, wirklich Automatisierungsprozesse im Sales-Bereich und dennoch ist dann der Griff zum Telefon – und sei es eben dann auch die MS-Teams-Leitung – auf jeden Fall notwendig, um zum Beispiel Leads zu qualifizieren oder Kontakt mit einem Interessenten, potenziellen Kunden aufzunehmen.

00:05:03
Alexander Petsch: Okay, also dann los. Was hast du uns für Hacks mitgebracht?

00:05:07
Nicole Truchseß: Ja, ich fange gleich mit diesem Mythos an, alles auf Knopfdruck. Ich find’s nach wie vor immer noch belustigend, wenn ich das immer höre oder viele werben… Ja, es geht ja alles automatisiert, man muss ja überhaupt nicht mehr telefonieren. Es gibt, ich weiß nicht, irgendwelche Funnels und wir haben letztens gesagt, am Ende des Funnels steht halt dann symbolisch doch irgendwie das Telefon. Also außer du… Wann immer du tatsächlich… Also du hast Produkte, die selbsterklärend sind oder was weiß ich, günstig zu erwerben, schnelle Käufe, dann braucht es das vielleicht jetzt nicht. Aber sobald du erklärungsbedürftige Dienstleistungen oder Beratungsleistungen hast, Produktverkauf, musst du Fakt heute immer noch gut am Telefon verkaufen können und ich habe erst letztens mit einem sehr erfolgreichen Vertriebsleiter, der wirklich extrem Erfahrung im SAP-Umfeld hat, über 20 Jahre, der hat dann gegrinst und hat gesagt, ja, er gibt mir da einfach Recht. Also bei allen Automatisierungsvorteilen und Lead-Generierungen, dass man dann am Ende des Tages doch am Telefon hängt und ist einer der ersten, ja, ich sage mal, ersten Telefonate oder Gespräche ist nach der Lead-Generierung. Und dann geht es natürlich weiter, über was du meinst, auch in Videocalls, in Meetings und auch eventuell persönlichen Gesprächen. Aber dieses Telefon, ob jetzt über MS-Teams-Leitungen, über’s Handy oder mit dem klassischen Telefon in der Hand, das gibt’s auf jeden Fall immer noch.

00:06:43
Alexander Petsch: Und wie mache ich das besser als andere?

00:06:47
Nicole Truchseß: Indem… Also es ist Tatsache de facto, dass es mir immer wieder auffällt, dass immer noch sich zu schlecht vorbereitet wird. Dass zwar stundenlang gescrollt wird auf den Webseiten oder dass man sich die Kunden dann anschaut in der Lead-Qualifizierung, anstatt dass man sich vorbereitet, welche Fragen man stellt tatsächlich. Also da geht es schon los, bin ich sicher, dass ich hier mit dem Entscheider zu tun habe? Wie schauen die Entscheidungsprozesse tatsächlich aus? Dass man viele Fragen… Auch zur Lead-Generierung zum Beispiel ist es jetzt der Klassiker ABCD-Lead oder wie auch immer, wie die dann definiert sind in den Unternehmen, dass man vieles auf das nächste Mal verschieden. Ja, das mache ich mal dann beim nächsten Mal, anstatt Fragen zu stellen. Ja, jetzt angenommen, wir würden zusammenarbeiten, angenommen, es würde zu diesem Projekt kommen, ganz egal, was du anbietest, muss jetzt auch nicht klassisch die Personaldienstleistung sein. Von welchem Potenzial sprechen wir? Von welchem Budget reden wir? Wie schaut es insgesamt aus? Wie schauen die Chancen aus, dass wir in dem Jahr zusammenkommen? Also diese Klarheit und diese Verbindlichkeit gleich beim ersten Call, dass man da viel mehr rausholen könnte. Das wäre auf jeden Fall etwas, was ich jedem empfehlen kann, sich da mehr zuzutrauen, verbindlicher zu werden und mehr Klarheit zu schaffen.

00:08:07
Alexander Petsch: Also ich würde zusammenfassen mit „wer fragt, führt“. Also sich vorbereiten. Welche Fragen möchte ich stellen? Das ist das, was du ja gerade als Tipp mitgegeben hast. Und dann auch das, was du mit Verbindlichkeit meinst, ist ja auch, ich sage mal, die Fragetechnik. Zu sagen, okay, schieben wir mal alle Einwände beiseite. Nehmen wir mal an, wir würden zusammenkommen. Dann habe ich folgende Fragen, kannst du mir dazu schon mal was sagen?

00:08:35
Nicole Truchseß: Ja, genau. Weil es haben viele im Kopf… Und das ist wirklich gleich der nächste Hack, was Mindset Telefongespräche anbelangt. Es herrschen bei noch so versierten guten Vertrieblern oder Verkäufern wirklich im Kopf, spukt es immer wieder rum, ja, ich darf nicht zu viel fragen, das ist dann unangenehm, der kann mir das ja noch gar nicht beantworten. Und es ist immer der Wahnsinn, Alexander, wenn man dann die Tonspur aufnimmt, also von demjenigen, der spricht. Nicht vom Kunden. Darf man ja leider nicht. Aber von demjenigen, der eben spricht, wenn der sich dann selber hört, dann ist er immer ganz erstaunt, er oder sie, ganz egal, die sagen dann, also ich hätte jetzt gedacht, ich habe die Frage eigentlich gestellt. Und wir stellen immer wieder fest, dadurch, dass sie im Kopf haben, ja, ich weiß ja entweder sowieso schon, was er sagt oder die Informationen will er mir jetzt sowieso noch nicht rausgeben oder er kann sie mir wahrscheinlich gar nicht sagen, wird die Frage oft gar nicht gestellt. Und das fällt aber erst auf, wenn man sich zum Beispiel auch oft am besten selbst aufnimmt. Also wir haben ja jetzt gerade unsere Masterclass und wir begleiten zehn Wochen die Leute da im Sales und im Recruiting und wir sagen, bitte, nehmt euch einfach mal selber mit eurem Handy auf und hört euch mal selber zu oder das an, was ihr fragt. Weil die Antwort vom Kunden wäre natürlich auch interessant, um mal sich selbst zu überprüfen… Und die sind wirklich auch erstaunt, dass sie viele Fragen gar nicht mehr stellen, die sie vielleicht früher gestellt haben. Oder im Kopf diese Frage gestellt haben, aber dann ausgeklammert haben. Und es fällt ihnen aber erst auf, wenn sie sich selber hören.

00:10:15
Alexander Petsch: Also Eliminierung der Phantom-Frage.

00:10:18
Nicole Truchseß: Ja, das ist… Würde man nicht meinen, aber es ist echt immer wieder interessant, dass das tatsächlich der Fall ist.

00:10:26
Alexander Petsch: Jetzt würde ich noch einen Schritt zurückgehen und erst mal klären, spreche ich denn überhaupt mit dem Richtigen?

00:10:31
Nicole Truchseß: Das war das, was ich mit dem Entscheider… Da wird oft einfach darauf losgesprochen und wir machen ja auch viel Mystery Calls, Mystery Shopping. Also ich bereite mich da zum Beispiel auch immer extrem vor, wenn ich dann irgendwo anrufe und spiele den Kunden. Was bin ich für… Bin ich ein Entscheider, bin ich nicht? Was habe ich für eine Historie? Was habe ich für einen Job? Wo wohne ich? Was weiß ich, was ist das für ein Kunde? Das werde ich alles nicht gefragt. Und also dieses… Auch dieses zu fragen, wie schaut der Entscheidungsprozess aus? Auch den Mut zu haben. Frau Truchseß, hallo, wir sprechen heute zum ersten Mal. Was haben Sie denn für eine Funktion im Hause? Was sind Ihre Aufgaben? Wie stark sind Sie da involviert? Ganz auch… Auch da, ganz branchenunabhängig. Ich muss es am Anfang wissen. Und es ist ja immer, gerade in der Personaldienstleistung, wird da sehr oft, auch zu Recht natürlich gesagt, wir sind so von außen getrieben, wir haben ein hartes Tagesgeschäft. Aber auch in anderen Branchen wird das gesagt und dann frage ich mich immer, warum sorgt man nicht selbst für eine bessere Effizienz? Indem ich eben am Anfang viel mehr klarstelle und das nicht immer nach hinten schiebe. Ja, das frage ich dann beim nächsten Mal, heißt es dann oft. Oder ich schicke denen… Oder was auch geil ist, die Antwort, Frau Truchseß, ich google den dann. Sie haben ihn doch jetzt gerade am Apparat. Warum googeln Sie den dann? Fragen Sie doch. Jetzt sprechen Sie doch gerade mit ihm. Das mache ich dann nachher. Also das recherchiere ich nach. Auch ein Phänomen, was man sich nicht vorstellen kann, aber was mir immer wieder im aktiven Tagesgeschäft begegnet.

00:12:07
Alexander Petsch: Ja, und ich sage mal, eigentlich ist doch Dialog und ich sage mal, aktives Zuhören, auch das, was im ersten Schritt mal verbindet.

00:12:17
Nicole Truchseß: Ja, ich sage es mal provokativ: Vielleicht hat man das auch ein Stück weit mit den E-Mails, also mit dieser starken Kommunikation der E-Mails… Man schickt lieber zwei, drei E-Mails, als dass man einmal einen Telefonhörer in die Hand nimmt. Oder auch im Privaten fällt mir auch sehr stark auf, dass viele gerne WhatsApp-Nachrichten hinterlassen oder kurze, prägnante Texte. Das sind ja auch keine Dialoge, Alexander. Also auch wenn jemand mir eine WhatsApp-Sprachnachricht schickt, weil du sagst, aktiv zuhören und dann eine Frage stellen, man tut sich ja gegenseitig nur noch Monologe schicken. Das ist ja kein Dialog, was da stattfindet.

00:12:57
Alexander Petsch: Kommt vor. Aber ist halt ein Unterschied, ob ich jetzt einen gemeinsamen Restaurantbesuch abstimmen möchte mit jemandem, den ich gut kenne und wo ich ja hoffentlich den ganzen Abend dann mich nicht anschweige, sondern aktiv zuhöre oder ob ich eine Kundenbeziehung aufbauen möchte oder ja…

00:13:19
Nicole Truchseß: Aber die verlernen tatsächlich… Also man verlernt, ein Stück weit, einen wirklichen Dialog zu führen. Das kann man wirklich so sagen. Und wenn du gerade das Abendessen ansprichst, wann warst du denn das letzte Mal mit deiner Frau oder mit einem guten Freund oder wie im Lokal?

00:13:35
Alexander Petsch: Letzte Woche.

00:13:35
Nicole Truchseß: Du guckst da sicher… Guckst du auch um?

00:13:40
Alexander Petsch: Ja, ich finde es immer… Ich weiß, worauf du hinaus willst. Ich finde es schon faszinierend, dass es durchaus andere Gäste gibt, gerne zu zweit am Tisch, die es schaffen, auch den ganzen Abend nicht miteinander zu sprechen.

00:13:51
Nicole Truchseß:
Und schauen ins Handy oder gucken irgendwo hin, aber reden nicht miteinander oder hören anderen zu, wie sie ihren Dialog führen. Also das ist schon… Und es zieht sich auch durch die Generationen durch. Also nicht nur, dass es nur die Jungen betrifft. Und… Also ich kann nur sagen, auf jeden Fall als Hack, dass ich auch gerade jetzt in diesen 2020-, 2021-Jahren einfach wirklich die Klarheit hatte und beobachten konnte, dass die Kunden von uns und auch die Firmen generell, die dafür gesorgt haben, dass ihre Leute gut telefonieren können, einen Dialog führen, gut zuhören, gute Fragen stellen, dass die keine Probleme hatten in 2020, 2021. Und jetzt fängt es nämlich auch wieder an. Also zu 2022 war so ein Übergangsjahr und wir stellen eben jetzt fest, wir haben 2022 schon gewarnt, dass es kippen wird Richtung Recruiting, Richtung Sales, dass diese Kundenanfragen ausbleiben. Und wir kriegen also schon aus überall rückgemeldet, dass die Kunden extrem vorsichtig sind, sehr zurückhaltend, sehr abwartend. Das war vor allem also gerade im November, Dezember, Januar zu spüren. Allmählich wird es ein bisschen mit dem Frühlingsbeginn, anscheinend wieder ein bisschen besser. Und wenn du da nicht zum Telefonhörer… Jetzt ganz wurscht, ob das jetzt Teams ist oder wirklich der Telefonhörer. Wenn du das nicht, dieses aktive Raustelefonieren, wenn du das nicht beherrscht und wirklich in den Dialog gehst, dass viele Annahmen getroffen werden, aber eben nicht gefragt wird… Also, wir haben auch ein Stück weit, nächster Hack, auch tatsächlich verlernt, die Dinge zu hinterfragen und gehen sehr von Annahmen aus. Ich gehe davon aus, dass… Ich höre nichts, also gehe ich davon aus, dass… Und auf diesen Annahmen wird dann auch die Zusammenarbeit geschlossen. Auch das, was man anbietet. Und so schauen dementsprechend auch die Angebote aus oder die Aktivitäten. Also wir hören es wirklich von überall, dass die Vertriebler zum einen Teil nicht mehr richtig online wollen, nicht mehr richtig telefonieren und auch Schwierigkeiten haben, wirklich vor Ort Kundenbesuche zu absolvieren, weil sie oft noch im Kopf haben: Ist es überhaupt notwendig? Will das der Kunde überhaupt? Möchte ich es überhaupt anbieten und bringt mir das überhaupt noch was? Also… Und um Termine zu vereinbaren, egal ob virtuell oder eben auch persönlich, kannst du sehr viel über E-Mails machen, ja. Kannst du sehr viel über Calendly machen, ja, wenn der Kunde sich darauf einlässt. Aber irgendwann ist der Griff zum bildlichen Telefonhörer halt dann doch notwendig.

00:16:32
Alexander Petsch: Ja, es sind viele Aspekte des Mindsets, den du vorhin angesprochen hast. Also ich versuche, meinen Kolleginnen und Kollegen immer zu sagen, hey, es ist eine Riesenchance, jeder Dialog und du musst eigentlich mit dem Ziel in ein Gespräch gehen, ich möchte schlauer rauskommen, als ich reingekommen bin. Ich möchte was lernen, ich möchte etwas über den Kunden lernen, ich möchte etwas über den Markt lernen, ich möchte etwas über den Bedarf lernen und das verändert schon viel.

00:16:57
Nicole Truchseß: Ja, und man kann echt nicht mehr voraussetzen, dass die Leute gut telefonieren können. Also die letzten drei Jahre haben auf jeden Fall was gemacht mit den Sales-Abteilungen. Und darauf hinzuschauen und sich selbst zu überprüfen, mal sich selbst wieder zuzuhören, ist auf jeden Fall notwendig. Und ich war jetzt bei verschiedenen Vertriebsorganisationen und ich merk’s ja auch an der Masterclass, was wir da an Audiofiles zugeschickt bekommen, wo ich sage, war das jetzt alles, was ihr telefoniert habt die Woche? Ja, war nicht so viel zu machen, wir hatten so viel anderes zu tun. Das kann doch nicht sein! Ja, es geht viel über E-Mail und das verstehe ich einfach nicht, weil ich brauche zum Teil wirklich fünf, sechs E-Mails hin und her, um das zu klären, was ich in drei Minuten am Telefon klären könnte. Und da sehe ich schon ganz klare Tendenzen.

00:17:48
Alexander Petsch: Ja, es wären halt alle gerne lieber Influencer versus hartarbeitende…

00:17:55
Nicole Truchseß: Also das ist schon klar, auch dieses… Es sind heute auch so verheißungsvolle Versprechen. Da sind wir wieder beim Mindeset. Es hört sich heute so nach einem wahnsinnigen Belohnungssystem an, wenn alles über Nacht geschieht. Schlank im Schlaf. Alles automatisiert mit einem Klick und die Anfragen… Dein Funnel ist voller Anfragen und du musst eigentlich gar nichts mehr machen. Und egal, ob du Projekte… Und die begleiten wir ja alle mit. Jetzt nenne ich sie einfach mal, mit Hubspot machen oder mit anderen wirklich sehr, sehr guten Tools. Trotz allem auch im IT-Umfeld, die das wirklich selber auch anderen anbieten, auch die greifen zum Telefonhörer und arbeiten die Sales-Leute an ihrer Vertriebskompetenz und zwar der telefonischen.

00:18:39
Alexander Petsch: Ja, also es hat sich bei uns natürlich auch verschoben. Was auch… Also wenn ich mir heute eine Telefonauswertung angucke, sagt die mir halt auch nur noch die Hälfte von vor fünf Jahren, weil sich das bei uns ganz klar auf Video und Online verschoben hat.

00:18:59
Nicole Truchseß: Das findet aber auch nicht statt. Also es findet… Video… Also ich sag mal, dass man wirklich einen Zoom-Call oder einen MS-Teams-Call, also mit Bild hat, da scheuen sich ja dann viele auch. Also es wird zwar viel auch über MS Teams online telefoniert, in vielen Regionen oder in vielen Firmen, aber jetzt nicht unbedingt auch mit der Kamera. Das ist dann wirklich wieder was anderes und viele haben einfach, auch viele Vertriebsorganisationen, haben komplett mobil umgestellt. Da hat jeder Mitarbeiter ein Handy. Also das gibt’s auch. Also es gibt eigentlich alles, ist alles vorhanden. Und ich bin ja auch ein Freund, weißt du ja, von Touchpoint Selling. Dass man wirklich über verschiedene Wahrnehmungskanäle seinen Kunden erobert. Und du weißt ja auch nie, wie ist der unterwegs? Was ist dem sein liebstes Instrument? Aber ich kann also nur wirklich jeden auffordern, hier gut zu telefonieren, weil man definitiv im Sales und Recruiting damit erfolgreicher ist und schneller auch zum Ziel kommt. Also bevor man da fünf Mal hin und her geschrieben hat, hat der andere einfach schon einmal angerufen.

00:20:02
Alexander Petsch: Wie werde ich denn noch besser im Telefonieren? Was hast du denn noch für Hacks, die du mitgeben kannst?

00:20:09
Nicole Truchseß: Tatsächlich sich selbst mal aufnehmen. Das tut manchmal weh, wenn man sich dann selbst hört, aber ein unheimliches Learning. Ja, auf jeden Fall auch… Man kann… Es gibt so viele tolle Podcasts zum Thema telefonieren, die man sich reinziehen kann, wo man viel lernen kann. Es gibt unzählige Bücher, die das auch dementsprechend beinhalten und auf jeden Fall ich habe… War letztens bei einem absoluten spitzen Verkäufer, dem besten in seinem Unternehmen – und das sind ein paar hundert – und auch er hat gesagt, Nicole, ich will wieder ein Coaching. Ich habe schon lange niemanden in Anführungsstrichen drüber hören oder drüber sehen lassen, wie ich telefoniere. Ich muss mal einen Refresher wieder haben. Habe ich mir was Blödes angewöhnt? Und die Leute, die super performen, das sind die, die einfach nie aufhören zu lernen und auch sich immer wieder ein Feedback zu holen. Und auch wir haben bei uns im Haus jemanden Externen, der mit uns trainiert und übt. Weil auch bei uns ist es so, dass die internen Dinge, wenn man zu emotional an sie dran ist oder die eigenen Mitarbeiter… Dass auch ich super gerne einen anderen Coach oder Trainer oder Trainerin in dem Falle hier beauftrage, auch uns zu coachen und uns zu trainieren. Aber intern auf jeden Fall zu machen. Oder auch so Telefon-Partys, dass man sich zusammenruft. Geht auch übrigens exzellent online. Also wir haben es letztens gemacht, dass wir uns online getroffen haben, über… In dem Fall über Zoom. Und meine Kollegin hat auf laut gestellt und die ist im kleinen Raum, da hallt es auch nicht, das funktioniert auch alles gut und es waren noch zwei, drei mit dabei. Wir haben zugehört und ich habe ein Word-Dokument zum Beispiel aufgemacht und habe ihr dann geholfen. Sie hatte das Word-Dokument vor Augen, dann habe ich ihr Tipps gegeben, während sie telefoniert hat, sodass sie es gleich umsetzen kann live und da hat sie was davon. Die Kollegen und Kolleginnen von unserer Company, die haben auch gleich zugehört und ich hatte gleich als Führungskraft einen guten Eindruck. Wo kann ich denn meiner Kollegin auch noch helfen, damit sie noch erfolgreicher wird? Also man muss gar nicht vor Ort zusammensitzen, man kann eine Telefon-Party auch online durchführen.

00:22:24
Alexander Petsch: Ja, aus meiner Erfahrung, da ich so unterschiedliche Vertriebstalente oft erlebt habe, würde ich sagen, dass Fleiß über Talent geht.

00:22:35
Nicole Truchseß: Ja, bin ich voll bei dir!

00:22:36
Alexander Petsch: Und sogar Talent manchmal kippt im Sinne von Leute, die super talentiert sind, die das ganz toll machen, die das ganz locker und flockig machen, die eine Abschlussquote haben, die phänomenal ist, die aber dann einfach immer weniger zum Hörer greifen, je schwieriger es wird.

00:22:56
Nicole Truchseß: Ja.

00:22:56
Alexander Petsch: Also wenn sich dieses Marktumfeld dann verändert, sind das eigentlich erfahrungsgemäß bei uns immer Kandidatinnen, Kandidaten gewesen, die halt dann ja vom High Flyer zum Low Flyer wurden versus Kolleginnen und Kollegen, die an sich gearbeitet haben, aber die vor allen Dingen ihre sozusagen Kontakte gemacht haben, den Hörer abgenommen haben, Kunden kontaktiert haben und das halt permanent oder konstant, viel erfolgreicher.

00:23:25
Nicole Truchseß: Ja, also bin ich bei dir. Weißt du, was verdirbt? Also ein Talent kann total verdorben werden, wenn es zu früh einen großen Erfolg einfährt. Also wenn Leute wirklich an sich arbeiten, die zwar nicht die Wahnsinns-Sales-Talente im ersten Moment sind, aber wirklich fleißig sind und die Motivation haben und so richtig durch den, Entschuldigung, Dreck robben müssen manchmal. Und da ein Nein nach dem anderen einkassieren, aber einfach diese Hartnäckigkeit haben, diese liebevolle. Dieses ja, weil ich will und diese Offenheit, ich will lernen und ich möchte es echt schaffen. Und wenn die einfach eine längere Durststrecke am Anfang haben, aber so kleine Erfolge und wirklich auch begleitet werden, also nicht hängen gelassen werden. Das ist wichtig. Und die haben dann so nach drei oder sechs Monaten erst so richtig ihren Erfolg. Die bleiben da wirklich dran, weil die werden diese ersten Wochen nie in ihrem Leben vergessen und möchten das auch nie wieder erleben. Und mein Mann sagt auch immer zu mir, Nicole, warum machst du eigentlich noch so viel Akquise? Jetzt hör doch mal auf. Oder auch Bekannte von uns. Ihr habt doch so einen hohen Bekanntheitsgrad. Sage ich, nee. Also es gibt… Ein Problem habe ich und werde ich nie haben. Das ist zu viel Aufträge. Und das kann man sich einfach mal… Das gibt’s einfach nicht. Und es ist einfach immer wieder… Und es ist schön, dass du das jetzt sagst, immer wieder so schön zu sehen, wenn da jemand motiviert dran bleibt und der hat dann Erfolg, dass wirklich Fleißige die sogenannten Talente überholen können. Das ist Fakt.

00:25:00
Alexander Petsch: Ich komme ja aus dem Saarland. Deshalb ja auch Glückauf als Begrüßung und also sozusagen von der Grube her, wie wir bei uns sagen, ja, über die Schlaghall ans Licht, ja…

00:25:14
Nicole Truchseß: Ja, also nie aufhören! Man hört einfach zu früh dann auch dementsprechend auf. Und weißt du, was mir immer wieder auch auffällt? Das ist zwar ein bissel… Geht ins andere Thema rein, aber es passt gerade so gut dazu, dass sogenannte Talente manchmal sich weigern, auch sich einer gewissen Systematik anzupassen. Also denen kannst du hundertmal sagen… Und da gibt’s auch im Direktvertrieb ganz viele Beispiele, die Programme aufsetzen, die über Jahrzehnte wirklich praxiserprobt, angepasst und manche Menschen mega erfolgreich gemacht haben. Du musst eigentlich nur diesen Weg nachgehen oder dem auch mal Glauben schenken, dass du einen gewissen Prozessablauf hast. Nein, machen sie nicht! Die machen dann immer gern die Abkürzung oder so einen kreativen Flow. So, jetzt mache ich mal irgendwie so was Eigenes und möchte dabei authentisch bleiben. Das ist ja auch immer so ein schönes geflügeltes Wort, was immer reinkommt. Und es haben dann am Schluss eben doch nicht so viele Erfolg wie die Leute, die sich dran halten. Und da erlebe ich immer wieder, dass sogenannte eher stillere, introvertierte, nicht so Verkaufstalente, dann eben über die Ziellinie gehen und andere eben davor kurz scheitern. Oder, wie du eben sagst, dass die Quote mit der Zeit schlechter wird.

00:26:26
Alexander Petsch: Ja, spannend. Ja, hast du noch was für uns?

00:26:32
Nicole Truchseß: Ich glaube, jetzt haben wir fast eine halbe Stunde, oder?

00:26:35
Alexander Petsch: Ja, das heißt…

00:26:37
Nicole Truchseß: Ich könnte noch stundenlang reden, aber ich glaube, das war schon viel, wenn man das alles umsetzt.

00:26:42
Alexander Petsch: Super, ja. Also ihr macht ja auch den Expertentag Zeitarbeit Exklusiv, am 17. Oktober. Das ist der Vortag der STAFFINGpro in Wiesbaden. Tolles Programm, unter anderem mit dir, natürlich, aber auch mit Martin Gaedt zum Beispiel, mit dem ich hier auch schon zwei, drei Podcast-Folgen gemacht habe. Ganz toller Typ! Ich schätze ihn sehr. Also ja, kann ich euch empfehlen und das Ganze mündet dann auch in die STAFFINGpro VIP Night Gala Dinner. Also wer sich gut vernetzen will und was lernen will, bestimmt nicht nur zum Thema Telefon, ja?

00:27:23
Nicole Truchseß: Nee, nee, also echt ein tolles Programm und wir haben auch zwei bekannte TikToker eingeladen. Meine Tochter kannte sie. Also ganz begeistert. Also wenn es darum geht, junge Leute auch mit anzusprechen und die haben echt extrem viel Ahnung über TikTok zu rekrutieren auch. Lohnt sich. Wird ein sehr interaktives, tolles Programm und dann euer toller Gala Abend und dann die STAFFINGpro. Ich glaube, das ist eine super Kombi. Ich glaube es nicht nur, ich bin ganz sicher, es ist eine super Kombi.

00:27:50
Alexander Petsch: Also herzlichen Dank für deinen Besuch.

00:27:53
Nicole Truchseß: Sehr gerne, es hat sehr viel Spaß gemacht.

00:27:56
Alexander Petsch: Ja, und ihr könnt das gerne noch mal auf HRM.de nachlesen, wenn ihr die Hacks als Checkliste lesen wollt. Und ja, wenn es euch gefallen hat, freuen wir uns über Feedback, Kommentare oder auch Podcast-Bewertungen. Also Glückauf und bleibt gesund und denkt dran, der Mensch ist der wichtigste Erfolgsfaktor für euer Unternehmen!