New Work: Beflügelnd oder belastend – das HR-Management stellt die Weichen

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Foto von Perry Grone

Flexibilisierung ist das Zauberwort in der neuen Arbeitswelt. Der technische Fortschritt ermöglicht Beschäftigten zu arbeiten, wann und wo es ihnen am besten auskommt. Ar­beitgeber wiederum fordern, höchst flexibel auf Kundenwünsche zu reagieren. Inwiefern verändert dieser Trend die Organisationen? Welche Erfahrungen sammeln Unternehmen bei der Abkehr von festen Arbeitszeiten zu­gunsten von Desk-Sharing und Homeoffice sowie mit neuen Führungsstilen? Diese und andere Fragen diskutiert Bettina Geuenich, Chefredakteurin des Magazins personal ma­nager, am zweiten Messetag mit namhaften HR-Experten. Fachbesucher sind herzlich ein­laden, ihre eigene Erfahrungen einzubringen.

Aus der Forschung: Rechnen sich Investitionen in Innovationen?

Eine zunehmende Zahl von Betrieben in Ös­terreich wie die Erste Bank, Bank Austria, die Arbeiterkammer NÖ, IBM, HP oder Microsoft setzt schon heute auf innovative Arbeits­formen. Doch rechnet sich diese Großin­vestition in die sogenannte „New World of Work“-Transformation wirklich? Ein Experte für diese Frage ist Michael Bartz, Professor für internationales Business- und Export­management an der IMC Fachhochschule Krems, der sich auch in das Podiumsgespräch des personal managers einbringt: Der Verant­wortliche für den Ausbau des New World of Work Forschungszentrums begleitet seit vier Jahren Betriebe auf dem Weg in die neue Welt des Arbeitens. In seinem Science-Bei­trag berichtet er davon, wie sich die neuen Arbeitsformen auf verschiedene Faktoren wie Produktivität, Mitarbeiterzufriedenheit, Leistungswillen und den Stress am Arbeits­platz auswirken. Die Zuhörer bekommen dazu Kennzahlen an die Hand, die einen Vergleich mit dem eigenen Betrieb ermöglichen.

AMS Expert Talk: Die Veränderungskultur fördern

Auch der traditionelle AMS-Expert Talk zum Messeauftakt dreht sich in diesem Jahr um die Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit von Unternehmen: Unter dem Titel „Quer denken – Innovationen schaffen: Welche Personalstrategien machen Unternehmen erfolgreich?“ diskutiert Gastgeber Johannes Kopf (AMS) mit Unternehmensvertretern, wie eine Veränderungskultur entsteht und geför­dert werden kann. Ist es möglich, durch spe­zielles Recruiting die Innovationskraft eines Unternehmens zu stärken? Wie können Ar­beitgeber die Belegschaft dazu bringen, Be­währtes neu zu denken? Unter welchen Be­dingungen kommen Querdenker zum Zuge? Einen neuen Ansatz als Programmgestalter fährt dabei auch das AMS selbst: Erstmals wird die Diskussionsrunde durch einen Im­pulsgeber eingeleitet: Jens-Uwe Meyer, Leiter des Studiengangs Master of Management and Innovation an der Steinbeis SMI Hoch­schule in Berlin und einer der führenden Ex­perten für Innovation in Deutschland, stimmt die Messebesucher auf die vielseitigen As­pekte des Themas ein.

Neu: Eigenes Praxisforum für Corporate Health

Die neue Arbeitswelt bringt nicht nur Frei­heiten und Selbstbestimmung, sondern auch verdichtete Arbeitsabläufe und Stress mit sich: Viele Arbeitgeber bemerken eine Zunahme von Erkrankungen aufgrund von psychischer Überlastung. Wie können Un­ternehmen gegensteuern – und zwar mög­lichst proaktiv? Diese Frage ist inzwischen so gewichtig, dass der Veranstalter der Personal Austria ab sofort ein eigenes Praxisforum für das Thema Corporate Health bereitstellt.

Zu den inhaltlichen Höhepunkten im neu­en Forum zählt der Keynote-Vortrag von Jochen Prümper, Professor für Wirtschafts- und Organisationspsychologie an der Hoch­schule für Technik und Wirtschaft Berlin. Er vergleicht in seinem Beitrag „Gel(i)ebtes Gesundheitsmanagement in Österreich und Deutschland“ das Gesundheitsverhalten in den beiden Nachbarländern. Er stützt sich da­bei auf die Ergebnisse einer Studie mit mehr als 500 Unternehmensvertretern zu der Fra­ge, wie Betriebe in Deutschland und Öster­reich Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) tatsächlich leben, welchen Stellenwert das BGM in den Organisationen zurzeit be­sitzt und wo es in den nächsten fünf und zehn Jahren stehen wird (siehe dazu auch den Beitrag von Jochen Prümper im personal manager 3/2014).

Zeitwertkonto – Möglichkeit der Gestaltung einer alter(n)sgerechten Arbeitszeit?

Mit einem Praxisbeispiel aus der Innsbru­cker-Verkehrsbetriebe und Stubaitalbahn GmbH bereichert Birgit Haidacher das Cor­porate Health Forum: Die Leiterin der Per­sonalabteilung geht davon aus, dass flexible Arbeitsformen im Kontext der alternden Be­legschaften weiter an Bedeutung gewinnen. Derzeit nutzten österreichische Unterneh­men die Mittel der Arbeitszeitflexibilisierung hauptsächlich zum Ausgleich von betriebsbe­dingten Auslastungsschwankungen, künftig gehe es jedoch verstärkt darum, Dispositi­onsspielräume an den Lebenszyklus oder die Biografie der Arbeitnehmer zu koppeln. In ihrem Vortrag erörtert Haidacher, inwieweit Zeitwertkonten diesen Zweck erfüllen kön­nen. Dazu müssten sich die gesetzlichen Rah­menbedingungen ändern, wie die Expertin an einem Umsetzungsbeispiel veranschaulicht.

Die HR-Strategie: Keynote-Vortrag von Georg Horacek

Ein grundlegendes Thema behandelt Keyno­te-Speaker Georg Horacek: Für ein professi­onell aufgestelltes Personalmanagement sei eine HR-Strategie unverzichtbar, meint der Senior Vice President HR der OMV AG. Ohne sie liefen Personalmanager Gefahr, sich im operativen und administrativen Geschäft zu verlieren. Doch wie gelangt die HR-Ab­teilung zu einer zielführenden Strategie, die perfekt auf die Unternehmensstrategie abge­stimmt ist? Horacek beschreibt den Vorgang je nach Kurs, auf dem sich der Betrieb in den nächsten fünf bis zehn Jahren befindet: Im Vortrag unterscheidet er zwischen einer Konsolidierungs- oder Sanierungsphase, ei­ner internationalen Expansion und dem Ziel, Innovation und Performance zu steigern. Horacek charakterisiert zudem den eigenen Beitrag, den das HR-Management zur jewei­ligen Unternehmensstrategie leisten kann, und geht auf typische Einflussfaktoren wie die Generation Y, die Work-Life-Balance, den demografischen Wandel und gesetzliche Dimensionen ein. Auch für die Implementie­rung und Durchsetzung der HR-Strategie hat er praktische Beispiele parat und teilt darüber hinaus seine Erfahrungen aus dem eigenen Haus mit dem Publikum.

Aus Unternehmersicht: König Mitarbeiter gebührt Wertschätzung

Freude am Tun statt Pflichterfüllung ist Hel­mut Grubers Erfolgsrezept: Der Geschäfts­führer und Inhaber der G.A. Service GmbH, eines Dienstleistungsunternehmens aus dem Bereich Direktmarketing, erklärt im Keyno­te-Vortrag „Employer Branding – Attraktive Unternehmen gewinnen attraktive Mitar­beiter“, wie er zu einem florierenden Betrieb gekommen ist: Wenn es allein ums Geldver­dienen ginge, befände sich seine Firma heute nicht dort, wo sie steht, ist Gruber überzeugt. Der leidenschaftliche Unternehmer erklärt, wie Unternehmen mit begeisterten Mitarbei­tern begeisterte Kunden gewinnen und Ar­beitgeber mit gezieltem Employer-Branding den Zeitgeist treffen, die richtigen Mitarbei­ter ansprechen und magnetisch anziehen. Eine anerkennende Haltung gegenüber den Beschäftigten ist für Gruber Schlüssel zum Erfolg.

Neu: Eigenes Praxisforum für E-Learning

Trends und Best Practice auf dem Gebiet der Personalentwicklung sind Trumpf bei der Professional Learning Austria. Durch die rasante technologische Weiterentwicklung und die damit verbundenen mobilen Anwendungsformen setzen immer mehr Unternehmen E-Learning in der Weiterbildung ein. Zwar bilden die Anbieter digitaler Lernformen im Ausstellungsbereich der Professional Learning Austria schon immer eine feste Größe, doch ab sofort spricht die Messe das Thema auch in inhaltlicher Hinsicht verstärkt an: Anstelle der Austrian eLearning Conference, die bislang parallel zum Messegeschehen tagte, gibt es erstmals ein eigenes Praxisforum zum Thema E-Learning mit Beiträgen zum State oft the Art, Ausblicken auf die Trends von morgen und Best-Practice-Beispielen aus verschiedenen Unternehmen. Der Vorteil: Anders als bei der Konferenz genießen nunmehr alle Messebesucher freien Zugang zu den speziellen E-Learning-Beiträgen.


Quelle: personal manager – Zeitschrift für Human Resources | 5 September/Oktober 2014

 

Fotocredit: 
Jörg Brinckheger (1) | www.pixelio.de
touchingpics.com (2) | www.pixelio.de

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