# Mehr als Überbrückung: Wie Zeitarbeit Flexibilität und Sicherheit verbindet

*https://www.hrm.de/mehr-als-ueberbrueckung-wie-zeitarbeit-flexibilitaet-und-sicherheit-verbindet/ — 2026-10-02*

Wenn im Versand kurzfristig mehrere Hände fehlen, muss ein Logistikunternehmen schnell reagieren. Eine Lagerhelferin kommt deshalb über einen Personaldienstleister in den Betrieb, kommissioniert Waren nach den Vorgaben der Schichtleitung und bleibt zugleich bei ihrem festen Arbeitgeber angestellt. Für das Unternehmen bedeutet das zusätzliche Kapazität, für die Beschäftigte einen Einsatz in einem neuen Arbeitsumfeld, ohne den Arbeitgeber zu wechseln. Das Zeitarbeitsmodell muss jedoch mit einem veränderten Markt umgehen. [Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit](https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Zeitarbeit/generische-Publikation/Arbeitsmarkt-Deutschland-Zeitarbeit-Aktuelle-Entwicklung.pdf?__blob=publicationFile) waren im Juni 2025 rund 622.000 Leiharbeitnehmende sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Seit Ende 2022 liegen die Beschäftigtenzahlen kontinuierlich unter dem jeweiligen Vorjahresniveau.

Zeitarbeit reagiert traditionell früh auf konjunkturelle Veränderungen: Wenn Unternehmen Aufträge verlieren, reduzieren sie zuerst den Einsatz von Leiharbeitskräften. Doch hinter dem aktuellen Rückgang steckt mehr als ein konjunkturelles Tief. Industriearbeitsplätze fallen weg, ganze Branchen verändern sich. Für die Zeitarbeit geht es deshalb darum, neben der klassischen Überlassung weitere Aufgaben zu übernehmen.

Christoph Kahlenberg, Leiter der [Randstad Akademie](https://www.randstad.de/bewerber/akademie/), bringt es auf den Punkt: „Alle, ob vermeintlich großer, mittlerer oder kleiner Dienstleister, stehen vor der gleichen Herausforderung: Die klassische Zeitarbeit ist unter Druck. Natürlich muss jeder Dienstleister für sich die Frage beantworten: Gibt es andere, alternative Geschäftsfelder?"

## Sicherheit trotz Flexibilität – ein deutsches Modell

Für die Branche ist der feste, sozialversicherungspflichtige Arbeitsvertrag ein zentraler Bestandteil ihres Modells. „Was wir nach wie vor bieten, sind feste sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse in unserer Branche. Wir haben in Deutschland - im Gegensatz zu vielen anderen Ländern - in der Zeitarbeit ein ganz klassisches Arbeitgebermodell, das dem Sicherheitsbedürfnis der Beschäftigten entgegen kommt," erklärt Kahlenberg.

Wenn ein Einsatz endet, muss damit also nicht automatisch das Arbeitsverhältnis enden. Der Personaldienstleister bleibt Arbeitgeber und kann einen weiteren Einsatz organisieren. Beschäftigte wechseln möglicherweise den Einsatzort oder das Arbeitsumfeld, bleiben dabei aber beim selben Arbeitgeber. Genau diese Verbindung aus wechselnden Einsätzen und einem festen Arbeitsvertrag gehört zu den Besonderheiten der Zeitarbeit.

## Einstieg, Wiedereinstieg, Neuorientierung

Zeitarbeit kann Menschen den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern, die in klassischen Bewerbungsverfahren schwerer zum Zug kommen. [Petra Füller](https://www.linkedin.com/in/petra-f%C3%BCller-%F0%9F%96%8B-a970b3149/), Koordinatorin für die Zeitarbeitsbranche bei der [Bundesagentur für Arbeit](https://www.arbeitsagentur.de/), beschreibt das so: „Über 60 Prozent derer, die in der Zeitarbeit anfangen, sind nach 12 Monaten weiterhin in der Zeitarbeit oder in anderen Branchen sozialversicherungspflichtig integriert. Hierzu gehören die unterschiedlichsten Personengruppen wie Wiedereinsteiger, Menschen, die noch nie beschäftigt gewesen sind, Arbeitslose, Langzeitarbeitslose. Und da sind eben viele dabei, die nach meiner Sicht im Rahmen von Standardrecruitingverfahren außerhalb der Personaldienstleistung erst einmal durch das Raster fallen. Die Zeitarbeit bietet hier konkrete Optionen, die Chance sich auszuprobieren und meist eine sehr individuelle Begleitung."

Nicht jede berufliche Erfahrung lässt sich im Lebenslauf unmittelbar erkennen. Im praktischen Einsatz zeigt sich oft schneller, welche Fähigkeiten jemand mitbringt. Rund 60 Prozent der in der Zeitarbeit Beschäftigten sind aktuell in Helfertätigkeiten eingesetzt, berichtet Füller. Gemeint sind damit Tätigkeiten, für die meist keine abgeschlossene Berufsausbildung nötig ist und die nach kurzer Einarbeitung ausgeübt werden können. Grade hier kann Qualifizierung neue Wege eröffnen.

## Qualifizierung als Zukunftsaufgabe

Für Personaldienstleister entsteht daraus eine konkrete Aufgabe: vorhandene Kompetenzen erkennen und beruflich nutzbar machen. „Wir haben einen sehr hohen Anteil ausländisch Beschäftigter in der Branche, um die 50 Prozent, die meist versteckte Kompetenzen besitzen, die es zu entdecken gilt. Hier kommt die Zeitarbeit ins Spiel, diese Talent zu entdecken und Perspektiven aus dem Helfersektor in den Fachkräftesektor für die beschäftigten Menschen aufzuzeigen und zu begleiten. Auch unsere Fördermöglichkeiten der beruflichen Weiterbildung im Rahmen der Beschäftigtenqualifizierung in Qualifizierungsinitiativen der Branche finden hier ihren Ansatz" so Füller.

Viele Menschen, die über Zeitarbeit in den deutschen Arbeitsmarkt eingestiegen sind, haben Qualifikationen aus dem Ausland mitgebracht, die nie anerkannt wurden. Einige Personaldienstleister beginnen, diese Potenziale systematisch zu erfassen: durch Kompetenzfeststellungen und Begleitung in Anerkennungsverfahren oder Teilqualifizierungen.

Personaldienstleister kennen die Bildungsträgerlandschaft und haben täglich mit den Qualifikationsanforderungen ihrer Kundenunternehmen zu tun. Qualifizierung kann so ein eigenständiges Geschäftsfeld werden. „Gerade bei der Weiterbildung stellen wir fest, dass viele Unternehmen ein Stück weit überfordert sind, Qualifizierungsbedarfe festzustellen, sich über Fördermöglichkeiten zu informieren und Bildungsträger zu finden, die genau das anbieten, was sie als Unternehmen brauchen. Ich glaube, da kann unsere Branche punkten, weil wir die Erfahrung haben, um Kunden diesbezüglich zu beraten und diese Beratung perspektivisch auch zu einem Geschäftsfeld zu entwickeln," erklärt Kahlenberg.

## Neue Perspektiven für die Personaldienstleistung

Der Bedarf an flexiblen Arbeitskräften bleibt bestehen. Unternehmen bauen neue Standorte auf, reagieren auf Auftragsschwankungen oder suchen Unterstützung bei der Einarbeitung. Personaldienstleister können dabei mehr leisten, als passende Arbeitskräfte zu vermitteln: Sie bringen Erfahrung in der Integration mit, kennen Qualifizierungswege und können Beschäftigte über verschiedene Einsätze hinweg begleiten.

Damit erweitert sich auch das Aufgabenfeld der Personaldienstleister. Sie können ihre Erfahrung nutzen, um Kompetenzen besser zu erkennen, Qualifizierungswege zu organisieren und Beschäftigte über verschiedene Einsätze hinweg zu begleiten.

Welche zusätzlichen Leistungen daraus entstehen können und wie sich Flexibilität und Sicherheit verbinden lassen, diskutieren Petra Füller und Christoph Kahlenberg mit Moderator Raoul Fischer auf der [STAFFINGpro](https://staffingpro.de/). Die Podiumsdiskussion [„Flexibel arbeiten – mit sicherem Job: Wie Zeitarbeit ein Dilemma zur Stärke macht“](https://staffingpro.de/talks/flexibel-arbeiten-mit-sicherem-job-wie-zeitarbeit-ein-dilemma-zur-staerke-macht/) findet am 21. Oktober 2026 von 15:15 bis 16:00 Uhr auf der STAFFINGpro Expo in Wiesbaden statt.
