MOOCs für die betriebliche Weiterbildung

two pens near MacBook Air
Foto von Daniel Fazio

Obwohl MOOCs eine komplexe Materie sind, so werden sie doch von e-Learning-Experten als interessante Bildungsvariante für die betriebliche Praxis gesehen. Immerhin ist das Angebot oft kostenfrei, strukturiert und bietet zumindest Abschlusstests; wenn auch keine verbindlichen Hochschulzertifikate. Für learning on the job, Vernetzung mit anderen Lernenden und das lebenslange Lernen eignen sich die Online-Kurse bestens.

Folgende Provider könnten für den
beruflichen Kontext interessant sein:

OpenHPI – Internet-Bildungsplattform des
Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts

Das HPI steht unter anderem für technologischen Fortschritt. Wer im weltweiten sozialen Lernnetzwerk des Institutes an den interaktiven Online-Kursen teilnimmt, ist stets auf dem aktuellen Stand der IT-Entwicklung. Es geht um Industrie 4.0, Entrepreneurship, Business Process Modeling und Big Data. Für die zweite Jahreshälfte 2016 sind sieben Kurse angekündigt.

Link zum Angebot: open.hpi.de/courses

Opencourseworld – Angebot der IMC AG

Die IMC AG ist ein Anbieter für digitale Lern- und Lehrlösungen. Sie betreibt die MOOC-Plattform opencourseworld.de. Viele der Kurse sind kostenpflichtig. Folgende unentgeltliche Angebote eignen sich für Berufstätige:

A bis Z: Ganzheitliches Zeitmanagement

eBusiness für KMU (für Handwerksbetriebe)

Compliance / Regulierung von Finanzdienstleistungen (UK Compliance)

Sich selbst und andere richtig führen

Business Process Management

Grundlagen des Datenschutzes und der Informationssicherheit

Industrie 4.0

 

Iversity.org

Die Plattform iversity.org wurde von der Deutschen Telekom vor drei Jahren ordentlich bezuschusst und bietet auf hohem Niveau akademische Onlinekurse. Kostenpflichtig sind zumeist nur die Zertifikate, welche nicht verpflichtend sind. Interessenten können sich als Gasthörer kostenfrei einschreiben.

Link zu den Kursübersichten: iversity.org


iMooX.at

Diese Plattform wurde von der Karl-Franzens-Universität Graz und der Technischen Universität Graz gegründet.Sie steht unter der Schirmherrschaft der UNESCO. Alle Lernangebote werden mit der Creative-Commons-Lizenz zur Verfügung gestellt; das heißt sie dürfen unentgeltlich wiederverwendet werden. Für den beruflichen Kontext eignen sich allerdings nur wenige MOOCs.

Interessante iMooX-Kurse:

Entrepreneurship für Engineers

Italienische Phonetik

E-Learning & Recht

 


mooin Oncampus

Die Lernplattform ist eine der ersten ihrer Art in Deutschland. Betrieben wird sie von der Fachhochschule Lübeck und ihrer Tochter Oncampus GmbH. Die Kurse wenden sich an die Allgemeinheit, einzelne davon sind insbesondere für Beschäftigte in Betrieben interessant:

Netzwerksicherheit

Corporate Learning 2.0

Grundlagen des Projektmanagement

Grundlagen des Marketing

 

Udacity.com

Für diese MOOC-Plattform arbeiten große Unternehmen – unter anderem aus dem Silicon Valley – zusammen. Dazu zählen Google, Facebook und Salesforce. Der Schwerpunkt des MOOC-Angebotes liegt im Technischen. Udacity.com eignet sich daher vor allem für IT-Fachkräfte in Unternehmen. Gründer der Plattform ist Sebastian Thrun; Robotikspezialist und ehemaliger Google-Vicepresident sowie Leiter der Forschungsabteilung Google X. In der MOOC-Bewegung kommt ihm eine bedeutende Rolle zu; er gilt als einer ihrer Gründer, zur MOOC-Entwicklung hatte er sich immer wieder in den Medien geäußert.

Link zur Plattform: www.udacity.com

edX.org

Neben Udacity.com ist edX.org eine ebenfalls große internationale Adresse. Auf ihr findet sich das MOOC-Angebot renommierter internationaler Universitäten wie der Boston University, der Harvard University oder der Sorbonne sowie der Australian National University. Laut Eigenangabe arbeiten bereits sieben Millionen Lerner weltweit mit edX.org. Speziell für Berufstätige unterhält das Portal den Chapter „Professional Education“ / „Career“. Die Themen reichen von Financial Accounting, Kundenmanagement bis Legal Risk Management.  

Link zum Chapter: Professional Education 

Class-central.com & FT MOOC Tracker
Internationale MOOC-Suche

Weitere MOOCs lassen sich über die spezielle MOOC-Suchmaschine class-central.com finden. Ein Timetable auf der Startseite informiert über die nächsten Kurse. Hilfreich ist auch der Newsletter, welcher ebenfalls zeigt, welche Termine anstehen. Class-central.com präsentiert das Angebot von 37 Providern und 605 Universitäten. Bei der  Suche muss der Anwender gesondert darauf achten, inwiefern die angezeigten Kurse mit Kosten verbunden sind.

Zur Suchmaschine: www.class-central.com

Eine weniger kompakte, aber dennoch hilfreiche MOOC-Zusammenstellung findet sich in einer Zusammenstellung der Financial Times unter dem Titel „MOOCTracker“.

Link zur Übersicht: ft.com   

Interessante Persönlichkeiten aus der MOOC-Szene

Wer sich tiefer in das Thema MOOCs einarbeiten möchte, findet gerade bei den Persönlichkeiten viele Informationen, welche die Bewegung in den letzten Jahren maßgeblich getragen und vorangebracht haben.

Prof. Dr. Johannes Moskaliuk. Einer der deutschen Pioniere. Hat an der Universität Tübingen MOOCs erstmals in die Lehre eingebunden. Beschäftigt sich maßgeblich mit Lernen und Wissenskonstruktion im Social Web – mit Bezug auf Hochschulen, aber auch Unternehmen.

Adresse: moskaliuk.com/profil

Holger Hank. Leiter der Abteilung „Digital & Wissensmanagement“ der DW Akademie; Zentrum der Deutschen Welle für internationale Medienentwicklung, Medienberatung und journalistische Aus- und Fortbildung. Er begleitete in 2012 den ersten MOOC der DW für Journalisten in Nordafrika. Begleitet war der Kurs durch Workshops vor Ort.

Adresse: twitter.com/holgerhank

Jonas Liepmann. Einer der Gründer des MOOC-Anbieters Iversity. Anfänglich als Lernplattform an der Freien Universität Berlin gestartet, inzwischen eines der Vorzeigeprojekte im MOOC-Sektor. Im Herbst 2014 gab es eine ordentliche Finanzspritze. Investoren rund um die Telekom pumpten fünf Millionen Euro ins Unternehmen. Jonas Liepmann hat sich zu einer zentralen Figur im Markt entwickelt.

Adresse: gruenderszene.de

Dr. Martin Lindner. Partner bei den Beratungsagenturen wissmuth.de und mooc-beratung.de. Zertifizierter “Autor für interaktive Lernmedien (WBT/CBT)“. Berät Unternehmen zu Wissens- und Lernprozessen im Web seit dem Jahr 2000. Hat unter anderem an der MOOC-Plattform Iversity mitgewirkt.

Adresse: mooc-beratung.de

Prof. Dr. Rolf Schulmeister. Professor am Zentrum für Hochschul- und Weiterbildung der Universität Hamburg. Beschäftigt sich seit dem Beginn des MOOC-Hypes mit dem Phänomen. Er zählt zu den kritischen Beobachtern.

Adresse: rolf.schulmeister.com

Für Ihre eigene Auswahl haben wir ein
paar Leitfragen zusammengetragen:  

Leitfragen für die MOOC-Auswahl:

1   | Anbieter: Kommerziell oder öffentlich?
2   | Angebot: Kostenloser Zugang oder
      Teilnahmegebühr?
3   | Zugangsvoraussetzungen: Vorkenntnisse,
       bzw. Bildungsabschlüsse nötig? 
4   | Erforderliche technische Ausstattung für die Teilnahme?
5   | Personal: Bekanntheitsgrad, Erreichbarkeit,
       Erfahrung mit MOOCs
6   | Kursangebot: Selbst erstellt oder eingekauft, bzw. über Kooperation bezogen?
7   | Internationalität: Kursangebot in welcher Sprache? 
8   | Kursplan: Vorgegeben oder frei wählbar?
9   | Userführung / Didaktik: Liegt ein Learning Management System zugrunde? 
      Reine Frontallehre oder auch gemeinsame Wissenserarbeitung? Anteil der Livesessions?
10 | Lerntypencheck: Wie direktiv arbeitet die Lehre, wie stark setzt sie auf Deadlines? 
      Wie viel Selbstentfaltung ist möglich? 
10 | Welchen Zeitaufwand gibt der MOOC an?
11 | Interaktivität: Foren, Kommentarfunktionen? Wer tauscht sich aus? 
      Mitlernende, Tutoren, Professoren, Trainer?
12 | Lernkontrolle: Test? Prüfung? Evaluierungsintervalle?
13 | Abschluss: Zertifikat, Bescheinigung, Leistungspunkte? Achtung: Selbst wenn der Lehrende 
      von einer Hochschule kommt, gibt der MOOC, nicht aber die Institution das Zertifikat aus?
14 | Image: Sind Abbrecher- bzw. Abschlussquoten bekannt? 
      Wie waren die bisherigen Teilnehmerzahlen? Erfahrungsberichte? 

Die Massive Open Online Course sind die bekanntesten Formate aus der Welt der Selbstlernmedien, kurz: MOOC genannt. Dabei handelt es sich tatsächlich um einzelne Kurse, komplette Studiengänge auf dieser Basis gibt es bislang nicht.

Das MOOC-Format hat sich in der Bildungslandschaft und rund um den Globus durchgesetzt. Unter den Anbieter finden sich so prominente Adressen wie die SAP oder die Stanford University. Neben den verhältnismäßig wenigen kommerziellen Machern sind vor allem Hochschulen in diesem Feld aktiv. Das ist nicht verwunderlich, weil die MOOCs auch aus ihrem Wirkungsfeld stammen.

Als die Bildungsinstitutionen in Deutschland anfingen, sich vor fünf bis sechs Jahren ausgehend von US-amerikanischen Pionierprojekten mit diesem innovativen Format für Onlinelernen zu beschäftigen, stellten sie fest, dass sie weit mehr Studenten und Bildungsinteressenten erreichen können als durch Präsenzveranstaltungen. Das liegt daran, dass unbegrenzt viele Personen an einem Kurs teilnehmen können. In einem der spektakulärsten MOOCs waren 160.000 Teilnehmer zum Thema Künstliche Intelligenz gemeldet. Die weiteren Vorteile des Formats: Jeder User erhält kompakte Informationen an einem Ort. Materialien, Unterrichtsvideos und -audiomedien, Test sowie Diskussionen und Chats liegen sämtlich auf einer Plattform. Das macht das Angebot für Provider wie User kostengünstig.

Eine eigene Spielart der MOOCs sind die so genannten xMOOCs. Dabei handelt es sich um gefilmte und online bereitgestellte Vorlesungen. In Fachkreisen werden diese Angebote gegenüber den auf Interaktivität basierenden Kursen auch durch den Titelzusatz „cMOOC“ abgegrenzt; wobei das „c“ für Connectivity steht – zu Deutsch „Konnektivität“.

Trotz breiten internationalen Zuspruchs stehen MOOCs in der Kritik. Einige Experten wie zum Beispiel der E-Learning-Forscher Rolf Schulmeister meinen, dass die von vielen Beteiligten geschätzte Kostengünstigkeit teilweise auch negativ zu Buche schlage. Einige MOOCs glänzen nämlich nicht gerade mit der Strukturierung ihrer Inhalte, Lehrende können zu wenig mit dem Onlineformat umgehen und auch die didaktische Leitung der User lasse teilweise zu wünschen übrig. Mit anderen Worten: Manche Anbieter melken die Cashcow MOOC derart, dass sie nur mehr Geschäftsmodell, aber keine nachhaltigen Weiterbildung bedeutet. Oder aber das ganze Projekt schaut lediglich nach einem groß angelegten Wikipedia aus. Dass also – wie ZEIT.de in 2013 euphorisch titelte – MOOCs demokratisierten Harvard für die ganze Welt bieten, entspricht nicht den Tatsachen. 

Obwohl der Hype um MOOCs einer gewissen Ernüchterung gewichen ist, gibt es viele dieser Kurse am Markt. Und auch die Teilnehmerquoten sind beachtlich. So konnten letztes Jahr in den Vereinigten Staaten für eine Studie allein rund 52.000 Personen befragt werden, die einen MOOC auf der Plattform Coursera erfolgreich abgeschlossen hatten. In Europa sieht es nicht weniger günstig aus. Laut einer Meldung des HR-Fachportals Haufe.de kann die MOOC-Plattform von SAP aktuell bereits über eine Million Anmeldungen vorweisen. Mit anderen Worten: Dieses Format ist kein Trend mehr, sondern hat sich in der E-Learning-Landschaft etabliert.  

Allerdings fehlt es in der MOOC-Szene an einer übergeordneten Leitinstanz, was es dem Interessenten schwer macht, sich zu orientieren. Er muss daher gut recherchieren, genau hinschauen und einmal mehr darauf achten, wer der Provider ist.