Marshall B. Rosenberg: In die innere Mitte zurückschwingen – mit Gewaltfreier Kommunikation | Teil 3

people sitting in front of monitors inside room
Foto von Adrien Olichon

Gefühle machen Leute wie Kleider dieselben auch. Erinnern Sie sich an einen Tag, an dem Sie sich vom Start weg wie über den Wolken fühlten? Sie schlagen die Decke zurück, setzen den Fuß aus dem Bett, Elan steckt in Ihnen, Sie fragen sich erwartungsvoll, was der Tag Ihnen bringen mag. In dieser ausgelassenen Stimmung könnten Sie Bäume ausreißen. Der Tag gehört Ihnen. An genau so einem Tag geht bestimmt nichts schief und selbst wenn etwas unangenehm Unvorhergesehenes passiert, Sie federn die Sache leicht ab, ohne Mühe, so leicht wie Sie eine Tasse über einen Tisch schieben. 

Und nun zum Vergleich: Erinnern Sie sich an einen Tag, an dem Sie nicht einmal an die nächsten zwei Stunden denken wollten. Sie fühlen sich bleiern und irgendwie gefangen in den Momenten, die Sie erleben. Es ist schon schwer morgens aufzustehen, dann verschütten Sie auch noch die Milch aufs Business-Outfit, der zweistündige Stau nervt total … na klar: Das kann ja nur ein ganz doofer Tag werden und alles wird schief gehen. Tut es dann auch … 

Jeder Mensch hat gute und schlechte Tage. In der Konfrontation mit Krisen zeigt sich aber, warum einigen Menschen das Hochgefühl auch in schlechten Lagen gelingt und anderen nicht. Sie fragen sich nämlich, was die Krise von ihnen verlangt und stellen sich ihr mit ihrer ganzen Person. Das lässt sie gestärkt aus ihr hervor gehen.  

Dieses „Sich-stellen-mit-der-ganzen-Person“ ist nur möglich, wenn der Mensch sich selbst und zugleich seine Mitmenschen wertschätzt. Indem er wertschätzt und so seine Bedürfnisse wahrnimmt, sorgt er schon für sich selbst. Die Gewaltfreie Kommunikation Marshall B. Rosenbergs zeigt uns im Detail, wie wir unsere innere Kraft stärken können: 

1.) … eigene Werte und Bedürfnisse  empathisch und also fühlend sowie spürend wahrnehmen, 
2.) … eigene Gedanken und Gefühle reflektieren. 

Diese einfachen Schritte erhöhen das Selbstvertrauen, verbessern die Zuversicht und den Selbstwert. Wenn Sie Ihre eigenen Gefühle zulassen und wahrnehmen, wenn Sie erkennen, welcher psychische Hunger und Durst dahinter stehen, können Sie diese befriedigen und sind dadurch wiederum kräftiger. 

Ihre Bedürfnisse könnten sein:

– Unterstützung | Geborgenheit | Kontakt
– Akzeptanz | Verbindung | Respekt
– Nahrung | Sattheit 
– Harmonie | Gemeinschaft | Nähe  

Etc.

 

Gefühle die auftreten können, wenn die Bedürfnisse nicht erfüllt werden, sind z.B. 

– Frustration | Angst | Einsamkeit
– Traurigkeit | Aufgebrachtheit | Hilflosigkeit 
– Ärger | Gereiztheit | Erschöpfung 
– Verletzung | Wut | Unsicherheit

Etc.

 

Gefühle die auftreten können, wenn die Bedürfnisse erfüllt werden, z.B.

– Begeisterung 
– Gute Laune
– Lebendigkeit 
– Selbstsicherheit 
– Zuversicht

Etc.

 

Dies ist nur jeweils ein kleiner Auszug aus den möglichen Gefühls- und Bedürfnisskalen. Aber wie Sie sehen, sind mit großer Wahrscheinlichkeit an den Tagen, an den Sie Bäume ausreißen könnten, Ihre Bedürfnisse erfüllt und Sie gehen mit einem anderen Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen, also mit einer anderen inneren Stärke durch das Leben, als an einem Tag wo Ihre Bedürfnisse nicht erfüllt sind. Erfüllen Sie also Ihre Bedürfnisse. 

Um die innere Widerstandskraft zu stärken gilt es somit, seine Bedürfnisse und Gefühle zu erkennen und sie auch benennen zu können. Das nennt sich „Self Care“. Durch die Gewaltfreie Kommunikation von Marshall B. Rosenberg ist uns ein weiteres „Resilienz-Tool“ dazu an die Hand gegeben. 

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Foto: Susanne Richter | www.pixelio.de

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