Lexikon: Das Anforderungsniveau in Korrelation mit der Entgeltlücke | Teil 3

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Foto von William Iven

Das Anforderungsniveau bezieht sich hierbei auf die Komplexität der auszuübenden Tätigkeit, da bestimmte Kenntnisse und Fähigkeiten erlernt werden müssen, um einen Beruf ausüben zu können. Die unterschiedlichen Anforderungsstufen sind dabei eng an den beruflichen Bildungsabschlüssen ausgerichtet. Aber auch die Berufserfahrung kann als Ersatz oder Ergänzung für einen Abschluss anerkannt werden. Die Dauer der beruflichen Ausbildung ist stark an die Bestimmung des Komplexitätsgrades verknüpft: Je länger die notwendige Ausbildung, desto größer das Anforderungsniveau der Stelle. 

Merke: Das Anforderungsniveau der Stelle ist nicht personenbezogen. Es wird ausschließlich daraus bestimmt, welche Tätigkeiten für diesen Beruf üblich sind, ungeachtet der beruflichen Qualifikation die eine Person hat, die diesen Beruf ausübt.

Hier die Anforderungsstufen im Überblick:

Anforderungsstufe 1: Einfache und/oder repetitive Tätigkeiten

● einfache, wenig komplexe Tätigkeit
● keine / geringe spezifische Fachkenntnisse erforderlich
● beruflicher Berufsabschluss wird nicht vorausgesetzt
● eine einjährige Berufsausbildung ist ausreichend
► z.B. Produktionshelfer, Lagerhelfer etc.

Anforderungsstufe 2: Wiederkehrende Aufgabenstellung

● komplexere Tätigkeit
● fundierte Fachkenntnisse werden vorausgesetzt
● zwei- bis dreijährige Berufsausbildung ist erforderlich
► Fachkraft, z.B. Sachbearbeitung

Anforderungsstufe 3: Nur zum Teil wiederkehrende fachliche Aufgabenstellung

komplexere Tätigkeit, die Spezialkenntnissebenötigt
das fachliche Wissen muss höher sein
● Kenntnisse werden im Rahmen einer beruflichen Fort-und Weiterbildung vermittelt
► Meister, Ausbildung mit Erfahrung
z.B. Qualitätsprüfung und – sicherung

Anforderungsstufe 4: Überwiegend selbstständiges und qualifiziertes Arbeiten
● hoher Komplexitätsgrad
► Studium oder Meister/Techniker mit langj. Erfahrung, Berufsakademie mit Erfahrung

Anforderungsstufe 5: Sehr selbstständiges und hoch qualifiziertes Arbeiten

● sehr hoher Komplexitätsgrad
► Studium mit mehr als zwei Jahren Erfahrung
Anforderungsstufe 6: Höchst anspruchsvolle und komplexe Tätigkeit
►Studium mit mehr als acht Jahre Erfahrung 

Aus der Lohn-und Gehaltsanalyse von Baumgartner & Partner an der 200 Unternehmen teilgenommen haben geht hervor, dass in einfachen Stellen der Anforderungsstufe 1 das Verhältnis von Frauen und Männern nahezu ausgeglichen ist. Betrachtet man jedoch die hohen Anforderungsstufen 5 und 6 sind diese mit 88% mit Männern besetzt, Frauen lediglich mit einem geringen Anteil von 11,01%. Stark vertreten sind Frauen in der ersten Anforderungsstufe mit 44,81 %. Dort sind sie oft für  Unternehmen mit einem ausgeprägten Dienstleitungscharakter tätig. Mit steigendem Anforderungsniveau nimmt der Anteil der Frauen stetig ab.

Wachstum der Entgeltlücke bei steigendem Anforderungsniveau

Nicht nur das der Anteil von Frauen in hohen Positionen immer geringer wird, auch die Entgeltlücke wächst mit zunehmenden Anforderungsniveau. Nur in einfachen und homogenen Stellen sind die Frauen nicht wesentlich schlechter gestellt. In der Anforderungsstufe 2 nimmt die Entgeltlücke sogar ab.

Durchschnittliche Entgeltlücke der Frauen in den Anforderungsstufen:

Anforderungs-stufe 1

Anforderungs-stufe 2

Anforderungs-stufe 3

Anforderungs-stufe 4

Anforderungs-stufe 5

Anforderungs-stufe 6

-4,31%

-2,0%

-4,82%

-7,82%

-6,96%

-14,08%


Die Ausbildung in Bezug auf die Entgeltlücke

In den ersten Jahren des Berufseinstiegs sind Frauen nicht schlechter oder zum Teil sogar besser gestellt als ihre männlichen Kollegen. Grundsätzlich steigt die Entgeltlücke jedoch mit zunehmendem Alter an. Diese Lücke kann erst im hohen Alter von 50-59 Jahren in den Gruppen „Mitarbeiter mit Zusatzausbildung“ und „FH/Bachelor“ reduziert werden. Eine signifikante Reduzierung der Entgeltlücke wird jedoch erst ab dem 60.ten Lebensjahr möglich.

Dabei lassen sich drei konkrete Entwicklungen erkennen:

  1. Frauen mit Berufsausbildung, die in Unternehmen mit operativen Vertriebsfunktionen arbeiten, sind oft schlechter gestellt, da ihnen Zusatzvergütungen verwehrt bleiben. Dabei handelt es sich überwiegend um Frauen, die in der Sachbearbeitung tätig sind.
  2. Besonders  Akademikerinnen sind in fast allen Unternehmen schlechter gestellt. Die Entgeltlücke steigt bei ihnen mit zunehmendem Alter an.
  3. Nur in öffentlichen Unternehmen ist dies aufgrund des hohen Anteils der Frauen in Führung und Teilzeit anders.


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Weitere Informationen zum Beratungspartner des 
Bundesfamilienministeriums (BMFSFJ) im Rahmen von Logib-D:

Baumgartner & Partner ist eine HR-Beratungsgesellschaft.  Sie bündelt alle Beratungsaktivitäten in den vier Beratungsfeldern HR-Strategy, Talent- & Performance-Management, Compensation-Management und Benchmarking.

Seit 2011 ist Baumgartner & Partner der Beratungspartner des Bundesfamilienministeriums (BMFSFJ) zur Umsetzung der Lohn- und Gehaltsanalyse mit Logib-D. 200 Unternehmen konnten bislang kostenfrei an der Logib-D-Analyse teilnehmen. Alle Ergebnisse zu den 200 Analysen liegen inzwischen vor. Die Aufgabe von Baumgartner & Partner bestanden im Rahmen der Maßnahme Logib-D in der

  • Entwicklung des Web-Analyse-Tools unter https://logib-d.baumgartner.de/ 
  • Umsetzung der Vor-Ort-Beratungen zu den Analyseergebnissen zu Logib-D sowie 
  • Begleitende Betreuung der Logib-D-Maßnahme im Kontext von Veröffentlichungen, Messeauftritten etc.

 

Interessierte Unternehmen können weiterhin die Logib-D-Analyse unter 
https://logib-d.baumgartner.de/ zur Bestimmung der eigenen Entgeltlücke nutzen.

 

Die webbasierte Logib-D-Analyse ist allerdings nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Entgeltlücke interessant: Sie bietet daneben jedem Unternehmen auf bis zu 100 Seiten eine komplette Vergütungsstrukturanalyse.

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