Kulturelle Vielfalt im Betrieb

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Foto von Christina @ wocintechchat.com

Respekt und Augenhöhe

 „Ein kulturell heterogenes Team sollte zusätzlich gezielt gegenseitigen Respekt aufbauen und die Unterschiede in Bezug auf kulturelle Herkunft, Sprachkompetenz und Sachkompetenz bewusst anerkennen“, nennt Schreiner eine weitere Voraussetzung für ein erfolgreiches Miteinander.

Damit ein kulturell heterogenes Team Synergien entwickeln könne, die über die Leistung Einzelner hinausgehen, sei zudem entscheidend, dass jedes einzelne Teammitglied sich im Team gut positionieren kann – mit den je eigenen Kompetenzen und Stärken – und alle Teammitglieder einander auf Augenhöhe begegnen könnten. „Die Balance zwischen den vorhandenen Unterschieden und dem als Team gemeinsam angestrebten Ziel muss stimmen,“ so Schreiner.

Harmonie trotz aller Unterschiede

Manche Arbeitsplätze sind schon seit vielen Jahren von einer hohen Diversität im Bezug auf die Herkunft ihrer Mitarbeiter geprägt. Man denke hier etwa an ein Orchester wie das Tonhalle-Orchester Zürich mit seinen gut 100 Virtuosen aus rund 20 Nationen. Hier treffen unterschiedliche Arbeitskulturen, Temperamente und vielleicht auch Vorurteile aufeinander. Dass die Konzerte trotz dieser Unterschiede gelingen, liegt nicht nur am Dirigenten, der die einzelnen Musiker zu einer Einheit formt, sondern auch daran, dass die Musikerinnen und Musiker sich gut kennen und aufeinander eingestimmt haben.

Dies gilt ebenso für die Zusammenarbeit im Betrieb. Das Commitment der Unternehmensführung, Vielfalt im Unternehmen zu fördern, ist zwar laut einer Befragung des Beratungsunternehmens EY anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Charta der Vielfalt in Deutschland der wichtigste Treiber für Diversity Management in den Unternehmen, aber die Grundlage für eine gute und fruchtbare Zusammenarbeit in den Teams legen die einzelnen Mitarbeiter.

Positive Auswirkungen von kultureller Vielfalt

Die Anstrengungen, Vielfalt im Unternehmen zu fördern und Mitarbeiter durch entsprechende Schulungen oder Teambuilding-Massnahmen zu unterstützen, sind mit bestimmten Zielen und Nutzenvorstellungen verbunden. Innovation, Kreativität, Offenheit und Lernfähigkeit der Organisation sowie Mitarbeiterzufriedenheit und Attraktivität als Arbeitgeber sind Vorteile, die Unternehmen laut der IFZ Diversity Studie der Hochschule Luzern – Wirtschaft  mit einer Erhöhung der Diversity verbinden.

In einer vom Center for Talent Innovation (CTI) durchgeführten Studie kam man zum Schluss, dass Unternehmen mit kultureller Vielfalt in der Führungsetage andere vergleichbare Unternehmen in Benchmarks in zahlreichen Belangen schlagen. So sei es 45% wahrscheinlicher, dass Unternehmen mit jenen Eigenschaften ihren Marktanteil verbessern können. Zudem hätten sie eine 70% höhere Wahrscheinlichkeit für die Erschliessung eines neuen potentiellen Absatzmarktes.

„Mit Diversity and Inclusion schafft die Credit Suisse eine Kultur, in der individuelle Unterschiede respektiert und geschätzt, sowie zum Wohl unserer Mitarbeitenden, Kunden und Aktionäre genutzt werden”, so Christine Jordi, Credit Suisse, Head Diversity and Inclusion Switzerland, in einem Statement zum Diversity Index der Hochschule Luzern – Wirtschaft. „Der Diversity Index zeigt uns klar auf, wo wir im Vergleich zu anderen Unternehmen in der Schweiz stehen. Dieser Wettbewerb spornt uns an, noch besser zu werden!“

„Insgesamt bewirken diese Veränderungen eine Öffnung und die Entwicklung eines kulturellen Bewusstseins bei den Mitarbeitern“, so die Trainerin und Buchautorin Karin Schreiner. Unternehmen, die die Vielfalt erfolgreich nutzten, könnten generell mit einer erhöhten Motivation der Mitarbeitenden rechnen. Zudem gewinne ein solches Unternehmen für die Gruppe der Young Professionals an Attraktivität. Seien einmal die ersten Hürden überwunden, würden die positiven Aspekte immer deutlicher.

„Die Mitarbeitenden sprechen davon, wie spannend es ist, in internationalen Teams zu arbeiten; dass sie neue Blickwinkel erhalten, Neues über andere Länder und Kulturen lernen; sich in der Auseinandersetzung mit den Kollegen aus anderen Ländern persönlich weiterentwickeln; dass kulturelle Vielfalt das Arbeitsleben enorm bereichert.“

Teambuilding braucht Zeit

„Damit es gut läuft und möglichst wenige Konflikte in kulturell heterogenen Teams auftreten, sollte sich das Team allen voran Zeit für den Teambuilding-Prozess nehmen“, ist die Erfahrung von Karin Schreiner, die als interkulturelle Trainerin Kurse anbietet und Unternehmen als Coach begleitet. „Ein Team funktioniert nur, wenn sich die Teammitglieder einigermassen gut kennen und Vertrauen zueinander aufgebaut haben“, so Schreiner, die selbst über 16 Jahre als Expatriate in europäischen und asiatischen Ländern gearbeitet hat. Auf dieser Vertrauensbasis wachse die Motivation, das gemeinsame Ziel zu erreichen.

Internationale “High Potentials”, die zunehmend Einzug in den Führungsnachwuchs mittlerer und grosser Betriebe finden, haben die Zusammenarbeit im Team mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Kulturkreisen oft bereits während ihrer Ausbildung eingeübt. In den MBA-Studiengängen (MBA = Master of Business Adminstration) gerade der europäischen Managerschmieden steht die Diversität der Klassenzusammensetzung bei den Studieninteressierten hoch im Kurs.

Hier lernen der Ingenieur aus Indien und die Juristin aus Frankreich zusammen mit der Medizinerin aus Südamerika und dem Chemiker aus der Schweiz, gemeinsam komplexe Management-Aufgaben zu lösen und dabei die Stärken und Kenntnisse der einzelnen Teammitglieder einzusetzen. Die Nachwuchsführungskräfte, die sich auf diese Weise auf die Führung internationaler Teams in multinationalen Unternehmen vorbereiten, geben in Interviews häufig an, dass gerade die Gruppenarbeit in heterogen zusammengesetzten Teams sie persönlich besonders geprägt habe.

Links:

Zur Publikation von EY http://www.ey.com/Publication/vwLUAssets/EY-diversity-studie-2016/$FILE/EY-diversity-studie-2016.pdf

IFZ Diversity Studie der Hochschule Luzern – Wirtschaft

https://www.hslu.ch/de-ch/wirtschaft/institute/ifz/finance-banking/womens-business-and-diversity-management/diversity-management/diversity-index/

Zum Buch von Karin Schreiner

https://www.amazon.de/Kulturelle-Vielfalt-richtig-managen-Herausforderungen/dp/3903072486 

 

Zahlen und Fakten zur Globalisierung 

http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/globalisierung/ 

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