Jacques Delors empfängt „Leonardo“ in Paris

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Foto von John Schnobrich

Gerne wäre der hochverdiente 85-jährige Bildungsvisionär, dessen Meinung derzeit wieder stark gefragt ist, zur Laudatio am 12. Oktober 2010 nach Köln gereist. Um etwas davon nachzuholen, nimmt er sich viel Zeit für die Gesandtschaft aus Deutschland – obschon er am Vormittag bereits einer großen Zeitung ein Interview gegeben hat. Ausführlich lässt sich Delors von Alexander R. Petsch, einem der Initiatoren des Preises, von der Feier in Köln berichten. Es freut ihn, dass die Laudatio seines langjährigen Weggefährten Hans Dietrich Genscher und seine per Video eingespielte Botschaft beim Publikum ankamen. „Die Probleme Europas gehen zurück auf mangelnde Einschätzungsfähigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Einzelnen. Und diese Mängel unterstreichen die Notwendigkeit ganzheitlicher Bildung und Ausbildung“, bekräftigt der Preisträger sein Anliegen.

Als neuer zeitgemäßer Bildungspreis steht der „Leonardo“ für einen ganzheitlichen Bildungsbegriff, der nicht nur auf formale Qualifikationen abzielt. Das ist genau im Sinne des Preisträgers: „Wir müssen unsere Mitarbeiter darauf vorbereiten, dass sie nicht mehr ihr Leben lang einen Job machen. In unsere Verantwortung liegt die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter. Hierzu gehört neben dem Fachwissen ebenso das Wissen über sich selbst“, erläutert der europäische Vordenker. Um sich den ständig ändernden beruflichen Anforderungen im globalen Wettbewerb stellen zu können, brauche es die Bereitschaft von allen, das produktive Wechselspiel von Arbeit und Wissenserwerb über die gesamte Zeit des Berufslebens zu ermöglichen.

Mit der Frage der Bildung verbindet Jaques Delors eine Lebenshaltung – sich nüchtern den Herausforderungen fachlicher Qualifikation stellen, sie mit einer Kultur vernünftigen und verstehenden Zusammenlebens verbinden, Bereitschaft zur Entdeckung neuer Chancen entwickeln und so das eigene Leben und das der Gemeinschaft gestalten. Das alles garantiere nicht die Vermeidung von Fehlern und das Entstehen neuer Krisen, räumt Delors ein. Es stärke aber die Kräfte derer, die sich kritisch nachfragend ein Urteil bilden, tatkräftig die Zukunft in die Hand nehmen und auf diese Weise besser für sie gewappnet seien.

Dem „Leonardo“ ist auch über die Preisverleihung hinaus die Unterstützung durch seinen Ehrenpreisträger gewiss. Denn die Anstrengung für Wissen und Bildung ist für Jacques Delors nicht nur der Schlüssel dazu, die gegenwärtigen Probleme Europas in den Griff zu bekommen, sondern auch ausschlaggebend dafür, wie wir künftig leben wollen. Jaques Delors identifiziert sich mit den Zielen des „Leonardo – European Corporate Learning Award. Er freut sich, dass seine Bildungsvision auf diese Weise geehrt wird. Mindestens ebenso so sehr freut ihn die Aussicht auf künftige Preisträger und weitere Bildungsinitiativen, die seine Initiativen und Ideen vorantreiben.

Sebastian Ofer

Chefredakteur bei HRM Research Institute

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