IV-Debatte: 20’000 Menschen mit Beeinträchtigungen konnten in 2014 Job behalten

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Foto von Joanna Kosinska

Im Juni 2009 titelte der Tages-Anzeiger: „12.500 IV-Rentner sollen arbeiten“. Gemeldet wurde, dass der Bundesrat mit einem ersten Teil der 6. IV-Revision ab dem Jahr 2018 jährlich 570 Millionen Franken am damals festgestellten Milliardendefizit der IV zu sparen versuche. Behindertenverbände und Schweizerischer Gewerkschaftsbund prophezeiten der Sparmission Schiffbruch, bei schlechter Wirtschaftslage blieben nötige Arbeitsplätze aus. BSV-Direktor Yves Rossier konterte: Gute Geschäfte könnten 2.500 betroffenen Personen jährlich Jobs bringen.  

In 2012 trat die umkämpfte Revision also in Kraft. Im August 2014 hieß es in der Presse, die Ergebnisse für die Jahre 2012 und 2013 lägen unter den Erwartungen des Bundes, die Kritiker behielten Recht. In der Praxis konnten nicht mehrere tausend, sondern nur 500 gewichtete Renten reduziert werden. Interner Kommentar beim Bund: Das Potential war überschätzt worden. Der Geschichtslauf gab Kritikern auch in Bezug auf die Wirtschaftslage Recht: Die jüngsten Ereignisse rund um Zuwanderung und Währung traten öffentliche Jobdebatten los: Wer kann in welchem Bereich um welchen Verdienst und in welcher Region noch laufend mehr Fachkräfte anstellen? Der heimischen Wirtschaft ging es zuletzt so schlecht wie lange nicht mehr. 

Eine aktuelle Meldung des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes setzt nun frische Zahlen mit Arbeitgeberinitiativen in Beziehung; für einen Zeitraum, in dem die Verhältnisse noch ruhiger waren: In 2014 wurden 14.000 IV-Neurentner gemeldet, was eine Halbierung der Quote innerhalb von elf Jahren bedeutet. Heidi Schwander, stellvertretende Leiterin der IV-Stelle Zug, kommentierte diese Entwicklung gegenüber dem Arbeitgeberverband: „Im Jahr 2014 konnten fast 20’000 Menschen mit Beeinträchtigungen ihren Job behalten oder eine neue Anstellung finden. Das sind 10 Prozent mehr als 2013 und sogar 20 Prozent mehr als 2012. Auch meine eigene Erfahrung zeigt: Es gibt Arbeitgeber, die sich richtig ins Zeug legen.“ Betriebe hätten erkannt, dass eine Einschränkung nicht alle Fähigkeiten eines Menschen betreffen. Als positiv strich die Expertin heraus, dass die IV sich zunehmend zu einer Integrationsversicherung entwickle. 

Noch zu liefernde Zahlen für 2015 müssen erst zeigen, wie die letzten Wirtschaftskomplikationen die IV-Raten beeinflusst haben.  

Arbeitgeber, die sich über die Wieder- oder Erstbeschäftigung von beeinträchtigten 
Personen informieren möchten, sind an diesen Adressen gut aufgehoben:

www.compasso.ch – Berufliche Integration | Arbeitgeberportal seit 2009.
Zusammenschluss von drei Hauptakteuren der beruflichen Eingliederung
(Verein ConCerto-pro, Think Tank FER, Compasso Trägerverein. 

www.suva.ch – Reintegration nach einem Unfall | Anreizprogramm soll Verunfallte
wieder ins Arbeitsleben zu integrieren. Der Arbeitgeber wird bis zu drei Jahre lang
finanziell unterstützt.

 

Foto: Tim Reckmann | pixelio.de 

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