Interim-Manager statt Entsendung

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Foto von Tetiana SHYSHKINA

Die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China sowie die USA gelten als die Zukunftsmärkte, in die der größte Teil der Gesamtinvestitionen deutscher Unternehmen in den nächsten Jahren fliessen werden. Der Erfolg von Auslandsinvestitionen hängt aber von den Führungskräften vor Ort ab, denen sie anvertraut werden. Sie müssen zur richtigen Zeit, für die richtige Dauer und in der richtigen Qualifikation bereit stehen: für viele Unternehmen eine echte Herausforderung.

Eine der attraktivsten Alternativen zur Entsendung von eigenen Mitarbeitern ist der Einsatz von Interim-Managern. Sie erfüllen genau die Attribute, die eine kurzfristige Personalplanung voraussetzen: sofort einsetzbar, flexibel, hoch qualifiziert, auf eine exakt eingegrenzte Aufgabe im Ausland zugeschnitten und zeitlich begrenzt einsetzbar. Selbst renommierte Unternehmen setzen im Ausland zunehmend auf Interim-Manager statt eigene Mitarbeiter zu entsenden. Warum? „Bei uns scheitern manche Auslandsinvestitionen schon daran“, sagt ein Aufsichtsrat eines österreichischen Konzerns, „ dass wir entweder keine Leute dafür haben oder sie nicht dorthin bekommen. Das Nadelöhr heißt: wer macht´s?“

Interim-Manager gründen überall auf der Welt im Namen ihrer Auftraggeber lokale Auslandsgesellschaften, errichten Fertigungsstätten, suchen lokale Lieferanten und erschliessen neue Vertriebswege. Interim-Manager sind nicht nur vielseitig einsetzbar, sondern oft auch höher belastbar als entsendete Mitarbeiter aus den eigenen Reihen. Dabei ist für Außenstehende nicht einmal erkennbar, dass sie als Manager auf Zeit eingesetzt sind. Sie vertreten die Interessen ihrer Auftraggeber mit gleicher Loyalität, Zuverlässigkeit und Nachdrücklichkeit wie ihre fest angestellten Kollegen.

Gerade die Wachstumsländer der BRIC-Staaten sind keine Märkte für Anfänger. Unter den dortigen Verhältnissen eine Investition zum Erfolg zu führen erfordert persönliche Reife und ein breites Repertoire an beruflichen Werkzeugen. Darüber hinaus ist die Entsendung eines Mitarbeiters ins Ausland eine riskante Entscheidung. So sprechen Studien von Misserfolgsraten von Auslandsentsendungen zwischen 10 und 40%. Entsendende Unternehmen rechnen dann durchschnittlich mit 50.000 bis 150.000 € Verlust. Ganz andere Dimensionen erreichen die Kosten für fehlgeschlagene Entsendungen, wenn sich beispielsweise die Inbetriebnahme einer Fertigungsstätte in der ausländischen Niederlassung verzögert oder das gesamte Investment unter dem mangelnden Verständnis des entsendeten Mitarbeiters für die landeseigene Kultur leidet.

Interim Manager verfügen über ein nachweislich langjähriges Know How im Zielland. Sie kennen die lokalen Hürden genau, wie z.B. Genehmigungsverfahren, Zollabwicklung oder Beschaffung von Arbeitskräften . Auch die Fachexpertise für die jeweilige Aufgabenstellung wird nachgewiesen. Eine weiteres wichtiges Erfolgskriterium sind (Grund-) Kenntnisse der jeweiligen Landessprache.

Den direkten Kostenvergleich zu Auslandsentsendungen entscheiden die Interim-Manager klar für sich. Sie sind eine ernst zu nehmende Alternative, weil sie allein anreisen, weder „living allowance“ noch „housing allowance“ erwarten und auch keine Motivationsprämie in Form einer „hardship allowance“ fordern. Weitere Kosten wie für Erkundungsreisen mit Ehefrau, Schulgeld oder Sozialversicherung fallen weg, Vorbereitungs-Programme ebenso.

Hinzu kommt, dass in vielen Fällen die Interim-Manager die erforderliche Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis im Zielland bereits mitbringen und daher auch kurzfristig operativ wirksam werden können.

Interim-Manager sind daher ein ideales Instrument zur Verlängerung der Reichweite eines Unternehmens. Wo die eigenen Ressourcen eng werden, ermöglichen sie, daß gesteckte Ziele dennoch erreichbar werden. Zumindest kurz- und mittelfristig ist Interim-Management eine sinnvolle Ergänzung zu Auslandsentsendungen.

Sebastian Ofer

Chefredakteur bei HRM Research Institute

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