Im Gespräch entstehen immer noch die besten Ideen

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Foto von Christina @ wocintechchat.com

Die Welt wird immer digitaler, auch im Personalbereich. Ein wichtiges Stichwort in dieser Hinsicht ist Social Media Recruiting. Aber auch in Hinblick auf die Kommunikation mit ihrer Zielgruppe und im Kontext ihrer eigenen Wissensbeschaffung wird die HR-Welt immer digitaler. Ich denke da beispielsweise an Portale wie HRM.ch, die Personalverantwortlichen als Informations- und Vernetzungsplattform im Internet dienen.

 

Aber je digitaler die Welt wird, desto wichtiger ist es, dass man als Branche und mit seinem Thema ein-, zweimal im Jahr zusammentrifft. Jede Branche braucht einen Leuchtturm als Orientierungspunkt. Eine etablierte Leitmesse erfüllt genau diese Funktion: Sie ist der zentrale Ankerplatz der Branche, weist den Weg, stärkt das „Wir-Gefühl“ und strahlt nach aussen. Als Leuchtturm, der es ermöglicht, sich mit allen wichtigen Köpfen, mit allen massgeblichen Akteuren und den Kompetenzträgern eines Themas auszutauschen, wird die Messe immer wertvoller. Und deshalb ist auch die Bedeutung der Personal Swiss in den vergangenen elf Jahren kontinuierlich gewachsen und sie hat sich als Jour fixe der Branche etabliert. Wir tragen unseren Teil dazu bei, indem wir nach weiteren Themen suchen beziehungsweise tiefer in bestimmte Aufgabenstellungen einsteigen, um auf diese Weise die Austauschmöglichkeiten und den Dialog beständig zu fördern. 

 

Auch die digitale Welt hat ihre Grenzen: Wenn ich in den Social Media unterwegs bin, werde ich mit vielen Themen allein deshalb konfrontiert, weil sie gerade einen Hype erfahren. Umgekehrt, bei der Online-Suche nach Informationen, finde ich im Grunde nur, wozu ich selbst die Stichworte liefere. Um über den Tellerrand hinauszuschauen und zu erkennen, welche Themen in der Branche bereits sichtbar sind und diskutiert werden, die ich vielleicht noch nicht auf dem Radar habe – dafür ist eine Messe einfach eine ideale Plattform. Das ist ein Gesichtspunkt, der mir wichtig ist und die Messe als Veranstaltung auszeichnet: Ich nutze meinen Messebesuch für Verabredungen, nehme mir aber auch bewusst Zeit für eine Entdeckungsreise ohne festes Ziel, um mich inspirieren zu lassen. Der Vorteil ist, dass man das Angebot der Aussteller in der Messehalle im wahrsten Sinne des Wortes begreifen kann. Und das ist digital nicht so einfach möglich. 

 

Ein Messebesuch erfüllt viele wichtige Kriterien. Im Idealfall gestaltet er sich so: Erstens bringe ich einen konkreten Informationsbedarf für bestimmte Produkte oder Dienstleistungen mit, bin also auf der Suche nach einem kompetenten Anbieter oder Dienstleister. Das heisst, ich kann die Messe nutzen, um den Markt zu sondieren und im persönlichen Gespräch zu sehen, welches Unternehmen zu mir passt. Wenn ich das digital angehe, also im Internet nach einem Produkt suche, erhalte ich in der Regel einige hundert Treffer. Aber die bringen mich nicht unbedingt weiter, denn im Zweifelsfall steht auf den Webseiten immer das Gleiche. Erst im persönlichen Gespräch, etwa im Kontext eines Messe-Auftritts, merke ich, wie professionell ein Unternehmen agiert. In der Messehalle kann ich zudem in kurzer Zeit viele HR-Produkte und -Anbieter miteinander vergleichen, ergänzt um diesen sehr konkreten persönlichen Eindruck. 

 

Der zweite Teil, der für mich einen perfekten Messetag ausmacht, ist ein Besuch der Praxisforen. In Vorträgen und Best-Practice-Beispielen erfahre ich, wie andere Personalarbeit betreiben, was für Ideen, vielleicht auch visionäre Gedanken, es gibt, die mich inspirieren und mich in meiner täglichen Arbeit vielleicht neu ausrichten, indem sie mir ermöglichen, die Dinge von einer anderen Seite aus zu sehen. 

 

Dritter Bestandteil meines perfekten Messetags ist der direkte Erfahrungsaustausch mit Berufskollegen und Experten, zum Beispiel am MeetingPoint zu konkreten Fallbeispielen, die mich aktuell beschäftigen. Das vierte und letzte Anliegen, das ich mit einem Messetag verbinde, ist der Blick über den Tellerrand. Ich schaue mich um und sehe, was sich in der Branche bewegt, welche Trends im Kommen sind, welche neuen Dienstleistungen und Produkte der Markt bereitstellt, die meine Arbeit erleichtern – um mir Freiräume zu schaffen, um mich auf das Wesentliche zu konzentrieren: das Humankapital in meiner Organisation stärker zum Leuchten zu bringen. 

Die Idee zum MeetingPoint wurde übrigens bei einer spontanen Begegnung mit einer Messebesucherin im Fahrstuhl geboren. Sie berichtete mir, dass sie aus ihrem Messeaufenthalt besonders viel durch die Gespräche mit anderen Personalverantwortlichen ziehen würde. Damit Messebesucher einen konkreten Anlaufpunkt für dieses Anliegen finden, haben wir den MeetingPoint konzipiert. Neben dieser leicht vorstrukturierten Form des Dialogs gibt es viele weitere Begegnungsmöglichkeiten an der Messe – an den Ständen wie im Catering-Bereich. Und natürlich steht auch weiterhin der Fahrstuhl zu Verfügung – mit der Option auf ergebnisreiche Gespräche. 

 

Wie bereits gesagt: Jede Branche braucht ihren Leuchtturm, der genau dies beinhaltet: Anlässe zu schaffen, dass solche inspirierenden Begegnungen nicht zufällig bleiben, sondern höchstwahrscheinlich werden. Wir eröffnen den Besuchern ein vielfältiges Angebot, auf unterschiedliche Weise und auf unterschiedlichem „Niveau“ miteinander ins Gespräch zu kommen. Was ich im Programm „aufgeschnappt“ habe, kann ich ebenfalls sogleich zurückspielen und vertiefen: Fast alle Referenten stehen nach ihren Pragrammbeiträgen noch zu einem Gespräch zur Verfügung. Wenn Aussteller einen Vortrag halten, kann ich anschliessend an ihren Stand kommen. 

 

Dieses Bedürfnis ist mit Sicherheit auch in der Generation Y vorhanden und bleibt, aller technischen Weiterentwicklungen zum Trotz, ein nicht zu ersetzender zwischenmenschlicher Faktor. Sicherlich kommunizieren die jungen Leute heute anders miteinander – sie beherrschen die neuen Technologien einfach besser und gehen virtuoser damit um. Die neue Internetaffinität wird dazu führen, dass ich mir digital, wie im face-to-face-Kontakt auch, eine Reputation aufbaue. Diese Reputation wird sich auch auf meine Präsenz, sozusagen meine Persönlichkeit auswirken: Künftig werde ich mit Leuten in Kontakt kommen, die von mir schon eine vorgefertigte Meinung haben, obwohl ich ihnen noch nie begegnet bin – anhand der Reputation, die ich mir im Internet aufgebaut und geschaffen habe. Aber das eine ersetzt das andere nicht, sondern es baut aufeinander auf. 

 

Das Grundbedürfnis nach direktem menschlichem Austausch wird aus meiner Sicht aber niemals verschwinden. Das hat einfach mit der Materie Mensch zu tun. Schliesslich geht es im Personalmanagement um Themen, die vielschichtiger sind als digital 1 und 0. Ein weiterer Aspekt ist, dass die meisten Fachbesucher in der eigenen Organisation nicht die Möglichkeit haben, sich mit anderen auf Augenhöhe über die Herausforderungen in ihrem Aufgabengebiet auszutauschen. Die Geschäftsführung interessiert sich grundsätzlich nur für Lösungen und auf Mitarbeiterebene sind Personalfragen nicht diskussionsfähig.

 

Ich bin insofern sicher, dass auch für die nachfolgenden Generationen der Besuch von Fachmessen alternativlos ist. Das Thema Zuwendung und Kontakt ist auch noch in tausend Jahren aktuell, das ist der unveränderliche menschliche Kern. Natürlich ändert die virtuose Nutzung neuer Technik Prozesse und erweitert Möglichkeiten – die neuen Daumenfunktionalitäten sind bestimmt der krasseste Entwicklungsschritt in der Evolution der Menschheit in den letzten hundert Jahren. Dies wird dazu führen, dass wir in Zukunft Touchscreens für die Registrierung benötigen, weil jetzt schon die Hälfte der Messebesucher auf dem Bildschirm herumdrückt… Auf die weitere Entwicklung der Personal Swiss freue ich mich, besonders in unserer digitalen Zeit.

 

Alexander R. Petsch, Diplom-Betriebswirt (BA), ist Gründer und Geschäftsführer von spring Messe Management. Das Unternehmen veranstaltet Fachmessen in zwölf Metropolen Europas, darunter die Personal Swiss/Swiss Professional Learning (Zürich), den Salon RH (Genf) und die ArbeitsSicherheit Schweiz/Corporate Health Convention (Bern).

 

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