
Der demographische Wandel ist eine weitere Herausforderung für alle Angestellten des Gesundheitswesens – in zweierlei Hinsicht. Auf der einen Seite schrumpft die Zahl junger, qualifizierte Nachwuchskräfte. Auf der anderen Seite steigt die Zahl hoch betagter, erkrankter Menschen. Heute müssen in deutschen Kliniken rund eine Millionen Patienten mehr pflegerisch betreut werden als noch vor 15 Jahren.
Wandel als Chance
Diese personalpolitische Herausforderung kann auch eine unternehmerische und gesellschaftliche Chance sein. Damit befasst sich Das Demographie Netzwerk (ddn). Das Demographie Netzwerk e. V. ist ein Netzwerk von Unternehmen für Unternehmen, die sich zusammengetan haben, um sich gemeinsam den Herausforderungen des demographischen Wandels zu stellen.Auf dem IV. Know-how-Kongress des ddn, „Wirtschaft und Demographie – Zukunft wird jetzt gemacht“, erklärte der Gesundheitsökonom Prof. Dr. Joachim Fischer, warum die derzeitige Führungskultur schlecht für Profit und Gesundheit ist. Stress wird innerhalb eines Jahrzehnts zum wichtigsten gesundheitlichen Risikofaktor für Unternehmen. Dabei seien 80% aller Erkrankungen und damit gesundheitsbedingter Ausfälle für Unternehmen vermeidbar. Geboten sei eine Rückbesinnung auf Wertschätzung, Teilhabe und Entwicklungsmöglichkeiten der Mitarbeiter, da nur mit engagierten Mitarbeitern langfristig Erfolge zu erzielen seien.
Alte Autobahnen einreißen
Wie diese Rückbesinnung gelingen kann, erklärte der Hirnforscher Prof. Dr. Gerald Hüther auf dem Kongress. Er fordert nichts Geringeres als einen umfangreichen Paradigmenwechsel in der Unternehmenskultur: Von der Konkurrenz zur Kooperation als Leitbild des Wirtschaftens. Nur mit einem solchen Paradigmenwechsel wird es Unternehmen gelingen, trotz des demographischen Wandels erfolgreich zu wirtschaften.Die momentane Haltung in Unternehmen sei jedoch immer noch geprägt von Konkurrenzdenken. Dies behindere Kreativität, Flexibilität und die Entfaltung der Persönlichkeit in hohem Maße. Der Grund: So wie wir unser Gehirn benutzten, wird es auch strukturiert. Ständige Belastungen, Stress und eine schlechte Führungskultur führten zu einer negativen Erwartungshaltung. Im Gehirn werden so quasi Autobahnen in Form von Einstellungen angelegt, die nun immer wieder befahren werden und nur schwer einzureißen sind. Damit die Potentiale der Mitarbeiter entfaltet werden und sie auch bis ins Alter motiviert und lernfähig an ihre Arbeit gehen, brauchen Unternehmen Mitarbeiter, die eine positive Haltung entwickeln. Die Fähigkeit Mut zu machen und zu begeistern, seien die zentralen Anforderungen an Führungskräfte.
Hinweis: Der nächste Know-how-Kongress des ddn findet im Frühjahr 2010 unter dem Titel „Ausbildung, Arbeit, Rente: Das 3-Phasen-Modell auf dem Prüfstand“ in Köln statt. Weitere Informationen finden Sie unter www.demographie-netzwerk.de
Download-Tipp: Die Vorträge des Know-how-Kongress „Wirtschaft und Demographie – Zukunft wird jetzt gemacht“