Der HR Interim Manager. Raus aus dem betrieblichen Fitnessstudio. Wann werden Sie Manager auf Zeit? | Teil 3

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two woman looking at laptop screen
Foto von CoWomen

Ausstieg 1 | Überall Umbruch | Rollen-
konflikte lösen | Zäsur durch Midlife-Crisis

Lange gepredigt, nun da: Die Gesellschaft soll nicht nur globalisiert, sondern auch digital gesteuert werden. Viele Rollen von Mitarbeitern, Bürgern und Unternehmern funktionieren daher nicht mehr. Also: Warum nicht genau jetzt die eigenen Rollen im Privatleben und Job überdenken? Für breite Teile der Bevölkerung ist das aufgrund des demografischen Wandels sowieso Thema: Menschen in ihrer Lebensmitte setzen ihre gelebte Zeit ins Verhältnis zur vorgestellten erwarteten Zeit. Der Horizont des eigenen Lebens begrenzt sich, eine Zäsur entsteht. Wesentliches soll jetzt zählen und Irrelevantes weichen. Die dadurch in Bewegung geratene seelische Kraft in dieser Lebensepoche reicht, um Parallelen zu sehen und Neues anzunehmen. Viele Menschen zwischen 35 und 50 Jahren  finden keine Ruhe, bis sie sich entschieden haben. Es kann nicht mehr ausgesessen werden. 

Zurück zum Zeitgeist. Wie durch das Aufkommen der new economy in den 1990er Jahren, gestaltet sich nun durch neue Technologien und neue Machtverhältnisse in Unternehmen und Märkten vieles neu. Es kann spannend sein, rauszugehen und Zeitzeuge zu werden; als ein Interim, der diesen Wandel begleitet und sogar mitgestaltet. Gerade im HR Management stehen aktuell viele neue Aufgaben an, wird die Grenzlinie zwischen Führung und Mitarbeitern diskutiert. Wer als HR-Profi wirklich gestalten will, der könnte als Interim zu seiner Berufung finden: Wie war das, als vor zwanzig Jahren von heut auf morgen Hunderte Mitarbeiter aufgebaut werden mussten. Was musste man tun, um deutsche Belegschaften bei Fusionen mit einem amerikanischen Konzern an den ungewohnten neuen Führungsstil heranzuführen? Jetzt ist das alles unter veränderten Bedingungen erlebbar.

Ausstieg 2 | Blick der Umwelt auf sich ändern |
Gesehen werden

Personaler als Interim Manager werden anders wahrgenommen, als die meisten ihrer festangestellten Kollegen: Ihre Kompetenzen und Erfahrungen, ihr Einfallsreichtum und ihre Souveränität sind gefragt. Erwartet wird ein wegweisender Berater, Coach und Mentor. Auf Augenhöhe sein, nennt sich dies.

Das ist nach Erfahrung von Interim Managern durchaus nicht immer sofort gegeben: Vielleicht fällt dieser Wandel dem Umfeld des Aussteigers – ehemalige Kollegen, Freunde, Familie, Bekannte – erst einmal schwer. Vielleicht ist es ihnen nicht recht, weil sie dadurch in den Stand versetzt werden, über sich nachdenken zu müssen. Aber an diesen Meinungen und Reaktionen kann der Interim wachsen. Es ist so zusagen seine Initiation: Rolle klären, Selbstwertgefühl finden, Erfahrungen sammeln, mehr über sich erfahren. Und endlich die Anerkennung finden, die schon lange aussteht: Selbst Chancen für Kunden sehen und darin gesehen werden.

Ausstieg 3 | Kleine Weltreise | Menschen,
Landschaften, Märkte

Natürlich gibt es spektakuläre Vorfälle und Personen im HRM, welche über die Medien für Furore sorgen. Da wäre man gern dabei. Was war bei der Telekom los, als Marion Schick ihren dortigen Posten als Arbeitsdirektorin an den Nagel hängte? Wie ist es, mit BPM-Präsident Joachim Sauer zu arbeiten, der in der ARD-Sendung „hart aber fair“ an der Seite von Ursula von der Leyen und anderen ein offenes Wort über Work-Life-Balance sprach? Was erleben Personaler, die mit berühmt gewordenen Betriebsräten arbeiten, wie dem von Alstom beispielsweise; er organisierte einen medial beachteten Streik im Pariser Headquater. Als Interim wäre man hautnah dran oder dabei.

Für viele Interims ist es ebenfalls spannend, mit ganz verschiedenen Menschen zu arbeiten: Filmleute, Architekten, Ingenieure, Bänker oder Sportler, um nur einige zu nennen. Das ist durchaus nicht abwegig, per Aufgabenfeld Teil verschiedener sozialer Gruppen sein zu können: Recruiting-Prozesse oder Mitarbeiterumfragen – um nur zwei Aufgaben-Beispiele zu nennen – funktionieren hier wie dort auf dieselbe Weise. Und indem von einem Bereich auf den anderen übertragen wird, erweitert sich das Wissen um Methoden und Strategien beträchtlich.

Übrigens: Das Kriterium „Menschenschlag“ könnte auch ersetzt werden durch Regionen (Stuttgart statt Hamburg usw.) oder Brands und Marken. Ein paar Jahre Interim Management kommen einer kleinen Weltreise in verschiedene Kulturen gleich. Und aus den verschiedenen Puzzlestücken der Aufenthalte setzt sich ein Ganzes des eigenen Berufslebens zusammen.

Ausstieg 4 | Motiv mit Talent ins Bild setzen |
„Lebenswerk“ heißt: weiterleben

Gibt es Formate und Modelle in Unternehmen, die unterstützen, dass weit fortgeschrittene Personen ihr Expertenwissen und ihre Erfahrungen weitergeben können? Es gibt das so genannte Wissensmanagement. Unter diesem Schlagwort wurden in den letzten 20 Jahren dialogische und technische Übertragungstools entwickelt und veröffentlicht. Die meisten Konzepte jedoch lassen außer Acht, dass der Mensch als Mensch seine gelebte Weisheit, seine Beobachtungen und sein Wissen persönlich an andere Menschen – bei Älteren: an Nachfolger – weitergeben möchte.

Im Interim Management ist genau das sehr gut möglich. Viele Personaler sind über verschlungene Lebenswege in ihre Position gerutscht. Einige von ihnen machen irgendwann einen Strich unter ihre Vergangenheit und wollen sich bewusst und selbstbestimmt weiterentwickeln. Sie verbinden ihr Talent in der Selbständigkeit mit Motivation durch Sinn.

Ausstieg 5 | Vom Spezialisten zum Generalisten |
Nie wieder unnötige Telkos

Viele Personaler kennen das: In ihrer Schnittstellenfunktion trägt man ihnen so manche Telko-Termine in den dichten Kalender ein, die sie in ihrem Business wenig vorwärts bringen. Würden sie als Interim Manager an denselben Aufgaben sitzen, wären sie mit dem Wesentlichen betraut und dürften sich rein darauf konzentrieren. Es würde sogar erwartet, dass sie eng am roten Faden bleiben.

Zwar ist der Interim Manager in HR-Funktion je nach Einsatz ein spezialisierter Experte, doch er arbeitet als Selbständiger wie ein Generalist im Rahmen der Unternehmensstrategie. Er muss den Überblick behalten und Ergebnisse erzielen, die angeschobenen Ziele dürfen nicht versickern in politischen Alltagskämpfen. Es geht um Nägel mit Köpfen. Die Mitarbeiterumfrage wird bestellt, sie wird organisiert. Die Kompetenzerhebung unter Mitarbeitern ist der Auftrag – er wird abgeliefert. Interims können in kurzer Zeit viele abgeschlossene Projekte vorweisen. Es gibt kein: „Wir hatten da  mal geplant“, „Eigentlich sollte ja“, „Ist dann versandet.“ Dieses lösungsfokussierte Arbeiten ergibt Energie und hohe Zufriedenheit.

Ausstieg 6 | Zur Gruppe finden |
Verschiedene Werte leben

Personaler, die sich bewusst für den Interim Weg entscheiden, finden in diesem Schritt zu einer ganz neuen Gemeinschaft. Hunderte Manager auf Zeit sind am Markt unterwegs und es gibt viele Netzwerktreffen, wo man sich austauscht. Da dieses Zeitmanagement spezielle Charaktereigenschaften erfordert, haben selbst die unterschiedlichsten Interims gemeinsame Nenner. Es kann befeuernd sein, festzustellen, dass außerhalb der eigenen Sicherheitszone echte Gesinnungsgenossen unterwegs sind, zu denen man gehört. Gemeinschaft außerhalb von gewohnten Strukturen finden stärkt das Selbstbild und gibt auch in schwierigen Situationen Kraft. Für manche Interims ist genau das der springende Punkt am Zeitgeschäft: Unter Angestellten fühlen sie sich nicht wohl, aber als Interim treffen sie auf Verständnis dafür, wie sie als Menschen ticken und agieren im inneren Gleichgewicht. Von diesem Dreh- und Angelpunkt aus gelingt es ihnen, sich in verschiedenen Unternehmen mit immer wieder anderen Wertekulturen zu identifizieren.

Ausstieg 7 | Da hingehen, wo´s weh tut

Es mag unglaublich klingen, aber es gibt Personaler, die an ihrem Glück unglücklich werden: Geschätzte Position, gutes Gehalt, keine Fragen mehr im Job. Alles läuft. Mancher, der diesen Stillstand ersehnt hat, fragt sich: War es das schon? Soll das alles gewesen sein? Der beste Rat in dieser Situation lautet: Einfach wieder dorthin gehen, wo die Dinge weh tun. Und dann wird sich übrigens auch zeigen, ob die gefühlte Problemlosigkeit tatsächlich eine ist. 

INFOBOX: Umsteigen – Interim werden

 

1 Lebenscheck: Soll meine heutige Situation auch in drei Jahren noch so sein?
2 Diskussion: Was spricht für / gegen Veränderung? Was sagt das Umfeld?
3 Teilentschluss: Interim Management könnte in Frage kommen. Infos sammeln …

  – Machtspiele im Beruf analysieren:
    Strategie und eigene Rolle bewusst machen.
  – Leben verlangsamen und Augen öffnen.
  – Suchen: Womit gewinne ich in welchen
    Punkten Unabhängigkeit?
  – Lernen: Grundbedürfnisse nach Struktur, Stimulation
    und Anerkennung anders erfüllen
  – Abschließen: Eigene, bisherige Fehler erkennen
    und Frieden damit machen

4 Probezeit: Interims treffen, reinschnuppern, Infos diskutieren
5 Finale Entscheidung
6 Umsteigen und Interim sein

 

                    Mehr als einfach nur Gründe:

        Rollenkonflikte lösen | Gesehen werden |
                          Weltreise |
Lebenswerk |
                       Gefährten finden |
Zeitgeist
                                hautnah erleben

Vielleicht war es nur eine ausgemalte Geschichte, die Susan Levermann dem Magazin „Spiegel“ letztes Jahr erzählte, aber sie trifft den Nerv der Zeit: Laut habe die bundesweit ausgezeichnete Fondsmanagerin aus Frankfurt auf einem Golfplatz mit sich selbst gesprochen. Das war kurz nach ihrer Prämierung. Jeder Schlag ein Satz. Doch kein Treffer – der Ball bleibt liegen. Wut kocht hoch. Auf sich selbst. Da sei für Levermann klar gewesen: Im Job zieht ihre letzte Golfrunde auf, weil sie über die Konsequenzen ihres Lebensweges stolpert: Unbeliebt bei Kollegen, große Unlust und moralische Zweifel. Der ehemalige Börsenstar unterrichtete fortan Mathematik als Aushilfslehrerin. Heute ist die Aussteigerin Chefin einer Nichtregierungsorganisation.

Wer aussteigt, will bei sich selbst ankommen. Susan Levermann hat hunderttausende Wegbegleiter in Deutschland. Sie alle wechseln auf ihre Art ihren Platz; als Auswanderer, Leute im Sabbatical oder als Umsteiger im Job. Wer mit dem System um sich herum nicht glücklich ist, muss ja nicht gleich Ziegen am eigenen Landstück hüten oder sich völlig neu erfinden.

Aus- und Umsteiger haben alle eine Technik, die da lautet „Push“ und „reset“: Das Kräfteverhältnis des eigenen Lebens einmal aussetzen und die Pendel – Motivation, Erfahrungen, Wissensschätze – neu aufhängen. In die Mechaniken der Gewohnheit eingreifen. Das betrifft immer Privatleben und die eigene Aufgabe im Job zugleich, denn der Mensch an sich steht vor einer Wegkreuzung. Und es ist verständlich, wenn manch Angestellter, indem er seine Lebendigkeit wiederentdeckt, seinem Betrieb samt reguliertem Vertragsleben die frische Luft der Selbständigkeit in der Marktwiese vorzieht. Auf diese Weise sind schon viele Personalleiter und Personaler zu Managern auf Zeit – so genannten Interims – geworden; wobei es auch den Pull-Faktor gibt: es ist nicht die Flucht, sondern die Anziehungskraft der Freiberuflichkeit, die Umsteiger wandelt.

Hier sind sieben guten Gründe für den Umstieg ins seriöse
Interim Management für Personaler. Welches sind Ihre? Gibt es welche?

Ihr Christof Kerscher


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Bildverweise:


Foto:

0) © Th. Reinhardt | www.pixelio.de
1) © Lupo | www.pixelio.de
2) © Erich Westendarp | www.pixelio.de
3)
© Katharina Wieland Müller | www.pixelio.de
4)
© Rainer Sturm | www.pixelio.de
5)
© birgitH | www.pixelio.de
6)
© Julien Christ | www.pixelio.de

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