Darf ich noch Marketing machen?

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Foto von Scott Graham
  1. Seien Sie großzügig mit sich und den anderen. Das wird sich langfristig auszahlen. 
  2. Bleiben (oder werden) Sie authentisch. Das heißt, die Kommunikation muss Ihnen und Ihrem Unternehmen entsprechen, nur dann sind Sie glaubwürdig.
  3. Zeigen Sie Ihre Werte, wie Sie denken und handeln.
  4. Bleiben Sie bei der Wahrheit.
  5. Bleiben Sie positiv, das heißt, Sie dürfen die schwierige Situation erklären, aber verzichten Sie auf Anklage Dritter und Beschuldigungen.
  6. Bleiben Sie solidarisch und zeigen Sie Mitgefühl. Arroganz und Überheblichkeit sind vernichtend.
  7. Verzichten Sie auf reine Zahlen, Daten, Fakten. Bringen Sie Emotionen und Service.

Diese Regeln gelten übrigens in der aktuellen Lage für die interne wie die externe Kommunikation.

Öffentlichkeitsarbeit hat immer das Ziel, Verständnis zu generieren, etwas zu erklären, zu informieren, das Image zu optimieren oder zu stärken. Krisenkommunikation ist die höchste der Kommunikationsdisziplinen. Sind Unternehmen und Unternehmer jetzt großzügig und offen, zeigen vor allem jedoch Haltung, wird sich das langfristig auszahlen. Kommunizieren Sie als unbedingt weiter – aber bitte richtig!
Alle sind momentan online. Die Aufmerksamkeit dort war kaum je höher und dennoch ist sie beschränkt. Fokussiert auf eine bestimmte Art von Kommunikation. Die aktuelle Krise bedeutet aber für uns alle gerade im Bereich Kommunikation nach innen und außen, im Marketing und der Öffentlichkeitsarbeit eine Chance. Eine Chance, Neues auszuprobieren und auf uns aufmerksam zu machen, neue Wege zu gehen und teilweise auch unsere Dienstleistungen anzupassen oder sogar komplett neu zu erfinden.

Der Grat zwischen Erfolg und Misserfolg ist jedoch sehr schmal und gefährlich. Denn was gegenwärtig überhaupt nicht tragbar ist, dass ist „Z.D.F.“. Wenn Unternehmen jetzt nach Zahlen, Daten, Fakten kommunizieren, werden sie im besten Fall ignoriert und im wahrscheinlichsten Fall stark kritisiert.

Allen Unternehmen, ob Konzerne oder KMU, Einzelunternehmer oder Selbständige, wird momentan viel Solidarität entgegengebracht. Man weiß, die Krise betrifft uns alle. Gleichzeitig werden auch viel Gemeinschaftsgeist und -sinn sowie Großzügigkeit erwartet. Wenn Unternehmen jetzt allerdings ihre Standard-Werbekampagne zücken oder Produkte und Dienstleistungen wie gewohnt mit Angebot und Preis verkaufen, dann wird das sehr oft nicht gutgeheißen. Das ist übrigens erst recht der Fall, wenn es sich um eine Branche handelt, die von der Situation profitiert und deren Dienstleistungen gebraucht werden.
Was also tun? Viele Unternehmen sind verunsichert, was sie überhaupt noch kommunizieren sollen, wenn Marketing kaum mehr oder nur noch teilweise geht. Was sie denn überhaupt noch zu kommunizieren hätten, wenn das Geschäft, das Hotel oder auch das Dienstleistungsunternehmen fast oder komplett heruntergefahren ist. Genauso unsicher sind aber auch Unternehmen, welche momentan von der Situation profitieren. Sie wissen nicht, was sie noch „dürfen“. Mein Tipp aus der Kommunikationspraxis: Erzählen Sie über sich. Erzählen Sie, was Sie und Ihre Mitarbeiter tun. Erzählen Sie, was Sie planen oder wie ein Alltag im Normalfall und wie er jetzt aussieht. Es gibt kaum eine bessere Zeit als jetzt für PR – Ihre Öffentlichkeitsarbeit nach innen und außen! Was heißt das konkret? Hier ein paar Beispiele:

  1. Wenn Sie ein Gastro- oder Hotelbetrieb sind: Nutzen Sie die Zeit und machen Sie beispielsweise eine Video-Serie darüber, was Sie jetzt mit den übrigen Lebensmitteln machen. Oder lassen Sie die Mitarbeiter aus ihrem Alltag sprechen, was sie jetzt tun und was sie beschäftigt.
  2. Wenn Sie ein Kosmetikstudio sind: Geben Sie Online-Tipps, wie man die Gesichtshaut mit einfachsten Mitteln zuhause pflegen kann. Zeigen Sie, was Sie jetzt alles vorbereiten und an internen Schulungen vornehmen in der Zwangspause.
  3. Wenn Sie Velo-Kurierdienste anbieten, dann zeigen Sie jetzt den Weg eines Paketes, warum dies komplex ist und warum es Sie braucht.
  4. Wenn Sie Online-Dienste wie Webinare anbieten und von der Situation profitieren: Seien Sie großzügig mit Abos, erhöhen und vereinfachen Sie die Testmöglichkeiten etc.
  5. Wenn Sie ein großes Bauunternehmen führen: Zeigen Sie, wie Sie sich an die Hygienevorgaben halten oder erklären Sie in Statements und Videos, wie Sie jetzt anders planen müssen und was das logistisch für Sie bedeutet.
  6. Wenn Sie ein Industrieunternehmen führen: Zeigen Sie, was Ihre Mitarbeiter leisten, erklären Sie was Kurzarbeit bedeutet und wie Sie damit umgehen.
  7. Wenn Sie eine Tourismusdestination führen: Geben Sie jetzt bereits Gutscheine für die „Wiedereröffnungswochen“ und das erste Glas Prosecco aus, wenn Sie in der Zukunft mit Ihren Gästen wieder feiern dürfen.

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